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Chance auf einen Neuanfang

Springe Chance auf einen Neuanfang

704 Langzeitarbeitslose leben in der Stadt. Viele sind so lange ohne Job, dass der Wiedereinstieg ins Berufsleben schwierig ist. Ein Projekt, das jetzt gestartet ist, könnte zumindest für einen Teil von ihnen die Chance auf ein neues Leben sein. Wolfgang Kunze gehört zu den Ersten, die davon profitieren.

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Angepackt: Fachdienstleiter Karl-Hermann Heinze (von links), Ulrich Schmidt vom Jobcenter, der neue Möbellager-Mitarbeiter Wolfgang Kunze und sein Kollege Michael Kersten.

Quelle: Ralf Mischer

Springe. Städtisches Möbellager, Hamelner Straße: Hier stapeln sich Polstergarnituren fast bis an die Hallendecke, Tische, Stühle, Kommoden neben Badezimmerspiegeln, ein Paradies für Freunde gebrauchter Möbel - und der neue Arbeitsplatz von Wolfgang Kunze. Der 55-Jährige war länger als fünf Jahre ohne Arbeit, hatte bei der Stadt mit einem Ein-Euro-Job angefangen, später folgte ein Praktikum, und jetzt hat er einen Zweijahresvertrag.

„Ich wusste, dass Herr Kunze verlässlich und arbeitswillig ist, also konnte ich ihn gut für das Projekt vorschlagen“, sagte Ulrich Schmidt, Integrationsmanager beim Springer Jobcenter. Zugleich ist Schmidt regionsweit der Koordinator für das Projekt, das mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds für Deutschland finanziert wird.

Während er die Besonderheiten des Vorhabens schildert, gerät der Jobcenter-Mann ins Schwärmen: Erstmals könnten Langzeitarbeitslose nachhaltig gefördert werden, und zwar mit begleitendem Coaching, das die erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt garantieren soll.

Für Stadtfachdienstleiter Karl-Hermann Heinze war das Angebot des Jobcenters ein wahrer Segen. Denn einerseits gibt es für die Mitarbeiter des Möbellagers derzeit viel zu tun - nicht nur, dass Sozialleistungsempfänger in der Halle ihre Möbel kaufen, auch Flüchtlinge werden von dort aus mit Einrichtungsgegenständen versorgt. Andererseits ist die Stadt stets knapp bei Kasse, Geld für neue Mitarbeiter ist keines da. Da kommt das Projekt des Jobcenters gerade recht. „Arbeitgeber, die Bewerber aus dem Programm einstellen, erhalten im ersten halben Jahr einen Lohnkostenzuschuss von 75 Prozent, weitere neun Monate bekommen sie 50 Prozent, danach drei Monate 25 Prozent“, erklärt Schmidt.

„Ich hoffe natürlich, dass ich nach den zwei Jahren von der Stadt übernommen werde“, sagte Kunze, der sich künftig nicht nur um die Reparatur gespendeter Möbel und deren Verkauf kümmern soll, sondern auch Tische, Stühle und Regale direkt in den Wohnungen der Flüchtlinge aufbauen wird.

Zusagen kann Heinze darüber hinaus noch nicht machen. Absehbar ist aber, dass die Arbeit der Mitarbeiter des Möbellagers in Zukunft nicht weniger, sondern eher mehr werden wird. Schmidt indes hofft, dass sich in Springe weitere Arbeitnehmer dazu bereit erklären, Bewerber in ihrem Betrieb einzustellen. Sie müssten den Arbeitslosen mindestens zwei Jahre lang unter Vertrag nehmen. 107 Langzeitarbeitslose erfüllen in Springe die Voraussetzungen für das Projekt.

Wer kann gefördert werden?

Förderungsfähig im Rahmen des Projekts sind nur jene Arbeitslosen, die die vorher festgelegten Bedingungen des Jobcenters erfüllen. Das sind Menschen mit Ansprüchen auf Arbeitslosengeld II, die seit mindestens zwei Jahren ohne Unterbrechungen erwerbslos sind. Sie müssen 35 Jahre oder älter sein. Zudem dürfen sie über keine verwertbare Berufsausbildung verfügen. Überdies sollte bei ihnen das Jobcenter zu der Einschätzung gelangen, dass eine Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt auf eine andere Weise nicht erreicht werden könnte.

All jene, die dafür infrage kommen, werden in den nächsten Tagen vom Jobcenter kontaktiert. Die Teilnahme an dem Projekt ist freiwillig. Regionsweit gibt es 2500 Langzeitarbeitslose, welche diese Bedingungen des Jobcenters erfüllen, in Springe sind es 107 Personen. Die Experten rechnen derzeit mit 480 erfolgreichen Integrationen in den ersten Arbeitsmarkt in den kommenden zwei Jahren, die mit dem Projekt realisiert werden können.

Von Ralf Mischer

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