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„Da gibt man sich Mühe ... und dann das!“

Springe „Da gibt man sich Mühe ... und dann das!“

Er ist der Meister des unvollendeten Satzes und der Weisheiten, die eigentlich niemanden interessieren. Und gerade deshalb füllt er deutschlandweit die Säle. Jetzt gastierte er bereits zum zweiten Mal auf der Springer Kleinkunstbühne, der wortgewandte Kabarettist, Schauspieler, Musiker und Filmkomponist Piet Klocke.

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Ein begnadeter Komiker und großer Weltmissversteher: Piet Klocke stellt sein neues Bühnenprogramm „Kühe grasen nicht, sie reden mit der Erde“ im Ratskeller Springe vor.
Krause

Springe. „Ich bin nicht Piet Klocke, sondern nur sein Vertreter und halte für ihn die Lesung ab“, so sein Eingangsstatement im voll besetzten Saal.

„Welche Lesung?“, mag sich der Besucher am Ende gefragt haben. In gewohnt zerstreuter Manier brillierte Klocke, ein begnadeter Komiker und großer Weltmissversteher, mit seinem neuen Bühnenprogramm „Kühe grasen nicht, sie reden mit der Erde“. Zwerchfellerschütternd seine nicht enden wollende Beschreibung der Krötenwanderung.

Verblüffende Gedanken und Beobachtungen, zwischen Komik und Philosophie, Plattheiten bei Amphibien und Mensch, die Gäste schlugen sich vor Lachen auf die Schenkel. Und selbst der Meister der skurrilen Wort- und Satzschöpfung schien sich hin und wieder mit seinen Bonmots auf Alles und Nichts selbst zu überraschen. Immer wieder versuchte er sich mit der Lesung, blätterte durch das Buch und murmelte mehrfach: „Das kann ich ihnen nicht anbieten, ich weiß auch nicht, was er damit gemeint hat.“

Hin und wieder kamen mal leise daher gesagte Satzbruchstücke seiner philosophischen Gedankenspiele, doch zu einer Lesung sollte und wollte es einfach nicht reichen. Ununterbrochen reitet Klocke Attacke auf die Lachmuskeln seiner Zuhörer, die er früher mit ernster Miene „Herrschaften, das geht alles von Ihrer Zeit ab“ prompt erstickte. Köstlich die kleinen Dialoge mit dem Publikum und die Seitenhiebe auf die anwesenden Journalisten: „Das brauchen sie nicht alles aufzuschreiben, ich fax ihnen das zu.“

„Humor kann nur entstehen, wenn man es ernst meint“, sagt Klocke - doch wer ihn und seinen trockenen Humor ernst nimmt, ist selbst schuld. Immer wieder driftet er bei seiner Lesung in nichtssagende Alltagssituationen ab. Und resümiert schließlich: „Da gibt man sich Mühe ... und dann das!“

Auch den amerikanischen Wahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton nahm er mit seiner unerschütterlichen Art ins Visier: „Hatten die keine Anderen auf der Kleinkunstbühne in Amerika?“ - und fiel dabei selbst in sein für ihn typisches Gelächter. Ruhig sitzen scheint für Klocke ein Fremdwort zu sein: Mal rutschte er mit den Ellenbogen vom Tisch, dann wieder gestikulierte er wild mit seinen Händen in der Luft, schien abzuwinken, um sich anschließend lachend auf dem Stuhl zurückzulehnen. Sein ständiges Schwenken und Ausschweifen in das unergründliche Nichts, seine Absurdität in den wortreichen und aberwitzigen Beschreibungen, das zeichnet ihn aus. „Zugabe!“, kam es aus dem Publikum - „Endlich einer der mich versteht“, antwortete Klocke.

Von Reinhold Krause

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