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Das Bürgerkaufhaus wird nicht eröffnen

Zu hohe Anforderungen Das Bürgerkaufhaus wird nicht eröffnen

Weil der Trägerverein vom Bundesfinanzministerium nicht als gemeinnützig anerkannt wird, steht das Projekt Bürgerkaufhaus in Springes Innenstadt vor dem Aus. Doch Organisator Uwe Lampe sieht noch einen Funken Hoffnung.

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Uwe Lampe (links), und Reimar Schirrmann wälzen Akten.

Springe. VON MARITA SCHEFFLER

SPRINGE. Sie sitzen da mit hängenden Köpfen, ringen um die richtigen Worte. „Es sieht bescheiden aus“, versucht Uwe Lampe, Vorsitzender des Vereins „Bürgerkaufhaus“ zu formulieren. „Wir wissen nicht mehr, wie wir die bürokratischen Hürden überspringen sollen.“ Der soziale Laden, der in wenigen Tagen im früheren Plus-Markt am Niederntor eröffnen sollte, steht vor dem Aus.

Seit knapp einem Jahr arbeitet Lampe am Konzept für das Kaufhaus, in dem er Bürger aller Schichten zusammenbringen, Arbeitslosen eine neue Perspektive geben und zudem die Innenstadt beleben und ein Zeichen gegen die Wegwerf-Gesellschaft setzen will. Er und seine Mitstreiter haben unzählige Gespräche geführt und die Ladenfläche angemietet. Wie groß ihr Enthusiasmus ist, unterstreicht ein Beispiel: Die ausgewählten Mitarbeiter konnten sie so sehr von dem Projekt überzeugen, dass die sich bereit erklärten, die Räume vorab - in ihrer Freizeit - zu renovieren.

Eine Gesetzesverschärfung des Bundesfinanzministeriums bricht dem Projekt aber nun augenscheinlich das Genick. Danach erhält der Trägerverein nur dann die Gemeinnützigkeit, wenn nachweislich mindestens zwei Drittel der Kunden bedürftig sind. Von einem „Bürgerkaufhaus“ könne dann aber nicht mehr die Rede sein, ärgert sich Lampe. Für Springe komme diese Variante nicht infrage.

Ein anderer Weg wäre, die Ausbildung der (langzeitarbeitslosen) Mitarbeiter in den Vordergrund zu stellen. „Dann brauchen wir qualifiziertes, hauptamtliches Personal, das wir natürlich bezahlen.“ Lampe und seine Vereinskollegen wollten diese Aufgabe ehrenamtlich übernehmen, um die Kosten dauerhaft niedrig zu halten.

Um das Problem lösen zu können, hat der Verein Kontakt zu allen sozialen Kaufhäusern im Umkreis von 80 Kilometern aufgenommen und nach eigenen Angaben auch nach Kooperationen gefragt. Alle Anbieter seien sehr hilfsbereit, „aber von jetzt auf gleich kann verständlicherweise niemand“, sagt Lampe.

Die Zeit ist sein Gegenspieler. Die zwölf Mitarbeiter, die das Job-Center für die Aufgabe ausgesucht hat, sind nur noch bis zum 15. Mai geblockt. Aus dem Mietvertrag für den früheren Plus-Markt müssen die Ehrenamtlichen Ende des Monats aussteigen. Der Vermieter sei zwar extrem entgegenkommend, die Nebenkosten würden den Verein (lediglich 15 Mitglieder) trotzdem belasten, sagt Vorstandsmitglied Reimar Schirrmann.

Die Ehrenamtlichen hatten gehofft, das Ruder noch mit einer Satzungsänderung herumreißen zu können - vergeblich. „Als Genossenschaft mit potenten Geldeinlegern könnten wir es hinbekommen“, ist Schirrmann überzeugt. Dafür müssten allerdings 100 000 Euro zur Verfügung stehen.

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