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Der Falsche auf der Anklagebank

Springe Der Falsche auf der Anklagebank

Auf der Anklagebank im Springer Amtsgericht hat gestern der falsche Mann gesessen: Der 22-Jährige, dem der Diebstahl von drei Mountainbikes vorgeworfen wurde, war nicht der Täter.

Springe. Vielmehr soll der Ex-Mann seiner Mutter die Räder gestohlen haben. Das Kuriose: Die Mutter hatte den eigenen Sohn der Diebstähle beschuldigt.

„Es tut mir sehr leid“, sagte die 43-Jährige, die jetzt als Zeugin vor Gericht aussagte. Ihr Ex-Mann sei sehr gewalttätig. „Ich habe wahnsinnige Angst vor ihm.“ Er habe sie auch gezwungen, einen Brief zu schreiben, in dem sie ihren eigenen Sohn der Taten beschuldigen sollte. Und das tat sie auch. „Er saß neben mir und hat gesagt, was ich schreiben soll“, berichtete die 43-Jährige.

Zu dieser Zeit habe sie aber nichts davon gewusst, dass tatsächlich wohl ihr Ex-Mann die Fahrräder aus einer Werkhalle in Springe gestohlen habe. Erst später habe er zu ihr gesagt: „Ich habe es deinem Sohn in die Schuhe geschoben.“ Damit habe er dafür sorgen wollen, dass der junge Mann „dahin geht, wo er hingehört - ins Gefängnis“. Ihr Ex-Mann sei eifersüchtig auf den 22-Jährigen gewesen, der mit in der gemeinsamen Wohnung lebte, erzählte die Mutter.

Zudem sei ihr geschiedener Mann spielsüchtig und ständig in Geldnot, erklärte die 43-Jährige weiter. Er habe sie auch gebeten, eines der Räder bei einer Internet-Auktion einzustellen. Dort sei das Mountainbike schließlich auch verkauft worden. Die Fahrräder sollen einen Wert zwischen 300 und 800 Euro gehabt haben. Was aus den beiden anderen Rädern geworden sei, wisse sie nicht, sagte die Springerin. Sie sei wenige Tage nach dem Vorfall mit ihren jüngeren Kindern in ein hannoversches Frauenhaus gezogen.

Der junge Mann erklärte, seine Mutter habe sich eines Tages mit ihm in Verbindung gesetzt und von einer Anklage berichtet. Er habe überhaupt nicht gewusst, worum es sich dabei handele, sagte der 22-Jährige, der inzwischen in Hannover lebt.

Richterin Mandy Urbschat sprach den 22-Jährigen frei. Hier saß der Falsche, sagte sie. Der Mutter droht nun möglicherweise wegen der falschen Verdächtigung ein Verfahren. Von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht hatte die Frau keinen Gebrauch gemacht. „Ich will die Wahrheit sagen“, sagte sie nach der Belehrung durch Richterin Urbschat.

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