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Der Glücksfall für Bad Münder

Der Glücksfall für Bad Münder

Der Bericht hatte für Aufregung gesorgt: Der Münchener Krankenhausexperte Reinhard Wichels war an der Beratung zur Medizinstrategie 2020 beteiligt, die zum Aus für das Springer Klinikum führte.

Springe/Bad Münder. Gleichzeitig ist er Teil der Investorengruppe, die die konkurrierende Deister-Süntel-Klinik in Bad Münder von der AWO übernahm.

Die CDU in der Region witterte einen Interessenkonflikt. Die Beteiligten stritten Zusammenhänge ab - doch der CDU reicht das nicht: Sie fordert weitere Informationen. CDU-Regionsfraktionschef Bernward Schlossarek moniert, es habe „seitens des Regionspräsidenten und der Geschäftsführung der KRH GmbH zu diesem fragwürdigen Vorgang keine weitere Aufklärung“ gegeben - dabei handele es sich beim Klinikum in Springe „um ganz erhebliche Vermögenswerte der Region Hannover“.

Schlossarek will nun wissen, warum die Beraterfirma von Wichels überhaupt für die Medizinstrategie gebraucht wurde, wer sie beauftragt hat und wie teuer sie war: „Wurden bei der Entscheidung für eine externe Beratung der Honoraraufwand und die angespannte finanzielle Situation der KRH GmbH berücksichtigt“, schreibt Schlossarek an Regionspräsident Hauke Jagau. Er fragt auch, welche Rolle genau Wichels in der Arbeitsgruppe gespielt habe - und ob seine Firma konkret empfohlen habe, die stationären Betten aus Springe in Gehrden unterzubringen.

Schließlich geht es dem Fraktionsvorsitzenden noch um das Thema Konkurrenz- und Wettbewerbsverbot: Hätte es, so seine Überlegung, eine Klausel im Beratervertrag geben müssen, um auszuschließen, dass Wichels nicht plötzlich dem KRH über die Deister-Süntel-Klinik Konkurrenz macht - wie dann ja geschehen?

Schlossarek bezieht sich in seiner Anfrage an Jagau auch auf mehrere Berichte über die Klinikübernahme in Bad Münder: So hatte diese Zeitung Wichels im März mit dem Satz zitiert „Auch ein 60-Betten-Haus lässt sich hervorragend betreiben“. Auch ein Haus von der Größenordnung der Deister-Süntel-Klinik könne „hohe Qualität zu wirtschaftlichen Konditionen anbieten. Die Größe des Hauses kann geradezu zur Stärke werden.“ Für Schlossarek ist es nur schwer zu erklären, „dass die externe Beratungsfirma eine Schließung des Krankenhauses Springe mit 96 Betten aufgrund der zu geringen Bettenzahl empfohlen hat, aber in Bad Münder für eine Krankenhausgröße von 60 Betten plädiert“. Schon im August vergangenen Jahres hatte die NDZ vom Erstaunen der Insolvenzverwalter berichtet - dass eine Klinik in einer solchen Situation „voll ausgelastet sei“, erlebten sie nur selten: „Die Schließung des Krankenhauses Springe ist derzeit ein Glücksfall für die Klinik in Bad Münder.“

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