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Der Rathaus-Jäger

Bennigsen Der Rathaus-Jäger

„Man muss“, sagt Volker Gniesmer, SPD-Bürgermeisterkandidat für das Springer Rathaus, „einfach nur den Finger schneller am Abzug haben.“ Eine Regel, mit der er gut durchgekommen ist beim Bundesgrenzschutz.

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Kandidat mit Hund: Volker Gniesmer will für die SPD Bürgermeister werden. Der leidenschaftliche Jäger sitzt mit Jagdhündin Branca im heimischen Wohnzimmer in Bennigsen. Zett

Bennigsen. „Man muss“, sagt Volker Gniesmer, „einfach nur den Finger schneller am Abzug haben.“ Eine Regel, mit der er gut durchgekommen ist beim Bundesgrenzschutz. Die wilden, die brutalen 1970er. Die Bewachung der RAF-Prozesse in Stammheim, die Gorleben-Proteste. Mit dem Hubschrauber durch die Republik.

Wo man mit der Regel nicht so gut durchkommt, ist die eigene Familie. Bei der Frau, die sich um ihren Mann sorgt. Also tauschte Gniesmer vor mehr als 30 Jahren die kugelsichere Weste gegen den Schreibtisch ein. Und macht seitdem in Verwaltung, erst beim Landkreis Hannover, inzwischen bei der Region.

Nächster Halt, wenn es nach ihm geht: der Schreibtisch des Bürgermeisters im Springer Rathaus. Dass auch dort manchmal scharf geschossen wird, zumindest politisch, stört Gniesmer nicht.

Geboren wird er 1955 in Coppengrave bei Alfeld. Grundschule, Gymnasium, Abitur. Und dann zum Bund? Will Gniesmer nicht.

Denn man erzählt sich in seinem Freundeskreis, dass nach der harten Grundausbildung die große Langeweile komme. Also verweigern? War damals noch nicht so angesagt. Stattdessen verpflichtet sich Gniesmer beim Bundesgrenzschutz. Und bleibt jahrelang an Bord, steigt schnell auf: „Ich war der jüngste Zugführer Niedersachsens“, sagt er.

1982 hört er dann auf, der Familie zuliebe. Und heiratet. Den Wechsel in die Verwaltung leitet er mit einem Studium in Hannover ein. Als ein paar Jahre später Sohn und Tochter auf die Welt kommen, suchen Gniesmer und Ehefrau Susanne ein Haus mit Garten, auch für die Kinder.

Ein Jahr lang schauen sie sich in der Region um, zwischen Wennigsen und Wedemark. Dann landen sie in Bennigsen. „Ich kannte den Ort vorher nicht“, sagt Gniesmer. Aber die Umgebung überzeugt die Familie - und nicht zuletzt der Bahnanschluss nach Hannover: „Die Spritpreise waren damals hoch“, erinnert er sich.

Zu der Zeit entwickelt Gniesmer auch seine Leidenschaft für die Jagd. „Ein Nachbar hat mich mal mitgenommen.“ Es macht ihm Spaß - auch, weil er die Arbeit mit der Waffe noch aus dem alten Job kennt.

Gniesmer macht im Saupark seinen Jagdschein, übernimmt bei der heimischen Jägerschaft in Springe und Hannover Verantwortung - bis heute sitzt er im Vorstand.

Was macht die Jagd für ihn aus? „Entspannung“, sagt Gniesmer - natürlich wie aus der Pistole geschossen. „Manchmal sitzt man einfach nur da, denkt nach.“ Als die Jägerschaft in den neunziger Jahren Ausbilder sucht, meldet sich Gniesmer. Auch als Prüfer engagiert er sich. Und: Nebenbei ist er auch noch Schiedsmann, schlichtet Streitigkeiten, bevor die vor Gericht landen.

Familie, Job, Hobby - passt. Passt noch nicht, denkt sich der Bennigser. Da geht mehr. Als seine Kinder in die Grundschule kommen, macht er mit im Elternbeirat. Bekannte wollen ihn für die Politik gewinnen. Aber erst mal winkt er ab. „Als die Kinder in die Orientierungsstufe gewechselt sind, bin ich bei der SPD eingestiegen.“ Die politische Arbeit macht dem Ratsvorsitzenden, ehrenamtlichen Vize-Stadtbürgermeister und Bennigser Ortsbürgermeister immer noch Spaß - auch wenn „Show und Geplänkel“ dabei ist, wie er sagt.

Dass er sich so stark einbringt, ist für ihn nicht nur eine Frage der persönlichen Erfüllung: „Der ganze Staat, das ganze Zusammenleben“, sagt Gniesmer, „basiert auf dem Ehrenamt.“ Er ist einer, der das lebt. Um so trauriger stimmt es ihn, was um ihn herum passiert. „Bennigsen hat eine kritische Größe“, glaubt der 60-Jährige. „Die Leute ziehen gerne hier hin. Aber sie bringen sich nicht mehr ein.“ Wenn das zunimmt, da ist Gniesmer sicher: „Dann bricht das alles zusammen.“

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