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Die Überzeugungsarbeiter

Micronex ist Spezialist für Elektronikbauteile Die Überzeugungsarbeiter

Ein Produktionsbetrieb muss in der vernetzten Wirtschaft alles sein: Hersteller, Softwarelieferant, IT-Berater und Logistikspezialist. Das Unternehmen Micronex aus Springe, Spezialist für Elektronikbauteile, hat diese Herausforderung früher als andere erkannt und angepackt. Und sieht sich selbst doch erst am Anfang.

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Torsten Bethke (links) zeigt Kunden, wie sie ihre Prozesse optimieren können.

Quelle: Seifert

Springe. Die Produkte heißen Mimot MP 1260 oder Ersa EWS330, und wenn alles gut läuft, merkt der Kunde kaum, dass sie da sind. Seit 1979 fertigt die Firma Micronex in Springe elektronische Bauteile, Sensoren und Regler. Sie stecken in Autos, Signalanlagen, Modems oder Bohrinseln – eben in allem, was ohne Elektronik nicht mehr denkbar wäre. Damit sitzen Micronex-Komponenten an den entscheidenden Schnittstellen der digitalen Vernetzung. Oder anders gesagt: im Herzen der Industrie 4.0.

Die Digitalisierung ist dabei, ganze Industrien zu verändern – auch die mittelständischen Unternehmen. „Bei Industrie 4.0 sind nicht nur die Maschinen miteinander, sondern auch mit den Produkten vernetzt“, sagt Torsten Bethke, einer der zwei Micronex-Geschäftsführer. Ein Elektronikhersteller muss heute nicht nur einwandfreie Produkte abliefern, sondern auch den Datenfluss managen und seine Kunden bei der Umsetzung integrierter Prozesse beraten. Der Produzent wird mehr und mehr zum Dienstleister.

„Micronex hat diesen Trend früh erkannt“, lobt Karl Doreth, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Mittelstand 4.0 in Hannover. Als eines der ersten Unternehmen in der Metropolregion Hannover hat Micronex am Programm „Industry 4 you“ teilgenommen, das kleine und mittelgroße Firmen auf dem Weg in die digitale Zukunft unterstützt. „Wir waren Vorreiter, haben schon 2011 angefangen, uns mit Industrie 4.0 zu beschäftigen“, sagt Bethke.

Das ist bis heute keine Selbstverständlichkeit: Noch immer haben erst etwa 20 Prozent der Industrieunternehmen operative Projekte in diesem Bereich umgesetzt. Gerade Mittelständler mit bis zu 100 Mitarbeitern tun sich schwer. „Man darf nicht vergessen, dass bei vielen die IT nach wie vor Chefsache ist“, gibt Bethke zu bedenken. Oft handele es sich um Chefs aus der Generation 50 plus, bei denen eine IT-Affinität nicht unbedingt selbstverständlich sei. Hier müsse noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, was zeit- und kostenaufwendig sei.

Micronex hat diesen Aufwand nicht gescheut. Zunächst ging es nur darum, möglichst viele Prozesse elektronisch ablaufen zu lassen, um Papier zu sparen und die Produktion effizienter zu machen. „Doch wir haben schnell gemerkt, dass kaum jemand diese Technologien angeboten hat“, sagt Bethke. Also entwickelten die Springer sie selbst. Heute ist das Unternehmen, das mit rund 100 Mitarbeitern mehr als 2000 verschiedene Produkte herstellt, auf dem Weg, einen voll integrierten Entwicklungs-, Produktions- und Lieferprozess aufzubauen.

Auch in anderen Unternehmen beginnt sich das Bewusstsein zu wandeln. Die Vorteile liegen auf der Hand: „Sie können flexibler mit sehr kurzen Durchlaufzeiten fertigen, vermeiden Fehler oder erkennen sie früher. Produktion und Kosten werden für unsere Kunden transparent“, sagt Bethke. In der Folge steigt ihre Wettbewerbsfähigkeit. „Industrie 4.0 ist nicht der Beginn einer Revolution, ich sehe das eher als Evolution, als Weiterentwicklung“, sagt Bethke.

In Zukunft werden alle Glieder der Lieferkette miteinander vernetzt sein, das heißt: Alle Beteiligten wissen jederzeit über jeden Produktionsschritt Bescheid. Micronex will dabei die Schnittstelle sein, an der die verschiedenen Prozesse zusammenlaufen. Doch bis es so weit ist, wird noch einige Beratungs- und Überzeugungsarbeit nötig sein. „Wir müssen drei Ebenen bearbeiten“, betont Bethke. „Zum einen die Schnittstellen zu unseren Kunden und Lieferanten. Sodann die erforderlichen Maschinen. Und schließlich die Mitarbeiter.“ Vor allem für Letztere bedeutet die Umstellung auf Industrie 4.0 eine enorme Anpassungsleistung und erfordert gesteigerte Flexibilität. Anstelle der immer wieder gleichen Abläufe an einem Arbeitsplatz müssen sie sich ständig auf neue Situationen und Produkte einstellen.

Für Bethke ist die Vernetzung kein Selbstzweck, sondern eine Notwendigkeit. „Wir erleben eine Welle der Individualisierung von Produkten“, erklärt er. „Bei Autos gibt es das schon länger. Heute verlassen kaum noch zwei identische Fahrzeuge die Produktionshallen.“ Die Mechaniker wissen dank elektronischer Systeme genau, was sie einbauen müssen. Künftig werden alle Bauteile und Produkte zusätzlich mit einem RFID-Chip ausgerüstet sein (siehe Kasten), der alle wesentlichen Informationen gespeichert hat und mit den Produktionsmaschinen kommuniziert.

Bis alles mit allem vernetzt ist, wird es nach Bethkes Einschätzung aber noch einige Jahre dauern. „Aber vielleicht“, so der Micronex-Chef mit Blick auf die zahlreichen Initiativen und Förderprogramme, „geht es auch viel schneller, als wir heute noch denken.“

Von Andrea Hessler

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