Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Drei Zeichen gegen das Vergessen

Gestorf Drei Zeichen gegen das Vergessen

Aus Messing sind die drei Steine, die Gunter Demnig vor der Gestorfer Volksbank in den Boden eingelassen hat. Es sind sogenannte Stolpersteine, Mahnmale für die Opfer des NS-Regimes. Sie erinnern an die Familie Abrahamson, die 1942 von den Nazis deportiert wurde.

Voriger Artikel
Hygienemängel an Grundschule
Nächster Artikel
Spiel, Satz und Sieg

Die Geschwister Abrahamson, an die die Stolpersteine erinnern, führten in Gestorf einen Laden. Strohmaier (2)

Gestorf. Seit dem Start von Demnigs Kunstprojekts im Jahr 1997 wurden mehr als 55 000 Gedenksteine in über 1600 Orten in 20 Ländern Europas verlegt. Die neuesten drei im Springer Ortsteil erinnern an die jüdischen Gemeindemitglieder Isaak, Bertha und Ella Abrahamson, die im dritten Reich verfolgt und getötet wurden. Sie lebten zuvor im Haus der heutigen Volksbank-Filiale.

Doch die Namen der drei Abrahamsons sollten nicht nur aus diesem Grund nicht vergessen werden. Als angesehene Bürger des Dorfs betrieben Isaak und seine beiden jüngeren Schwestern Bertha und Ella den größten Laden des Ortes. Als „ein Karstadt der damaligen Zeit“, beschreibt es heute Heimatbund-Mitglied Bernd Georg Höfer, der die Geschichte der Kaufmannsfamilie für diesen Anlass aufgearbeitet hatte. Während andere unter dem zunehmenden Druck des Nazi-Regimes ab 1933 emigrierten, blieb die Familie standhaft. Boykotte, Einschränkungen und Ablehnung zum Trotz blieben sie Gestorf treu. Bis zum 31. März 1942, als sie zusammen mit knapp 1000 anderen Menschen deportiert wurden. Sie wurden gezwungen, ihre Wertgegenstände abzugeben. Die Spur von Isaak, Bertha und Ella Abrahamson verliert sich schließlich im Warschauer Getto.

„Die Angehörigen haben keine Gräber, keinen Grabstein. So haben sie wenigstens einen Punkt, den sie ansteuern können“, beschreibt Demnig seine Motivation, die Stolpersteine zu verlegen. Schaut man in die Augen dieser Angehörigen, begreift man aber erst die Passion, mit der Künstler Demnig noch heute seine Aufgabe verfolgt.

So freute sich auch David Blank über die neue Gedenkstätte. Der Nachfahre von Albert Abrahamson, dem Bruder der drei Gestorfer Geschwister, war extra aus Israel angereist und sichtlich gerührt: „Jeder, der heute in die Bank geht, wird ab sofort daran erinnert, wer hier einmal wohnte. Meine Vorfahren waren die einzige jüdische Familie hier“, sagt Blank. Seine Angehörigen seien hier respektiert worden. Ältere Gestorfer hätten ihm davon erzählt, wie sie im Laden der jüdischen Familie Süßigkeiten kauften, sagt Blank nachdenklich.

Finanziert von der Volksbank Gestorf, war es doch die Idee von Ortsbürgermeister Dr. Eberhard Brezski, die ehemaligen Gemeindemitglieder für folgende Generationen zu verewigen. „Wer wissen möchte, wer er ist, muss wissen, woher er kommt, um zu sehen, wohin er will“, zitierte der Politiker. „Die Geschichte darf sich nicht wiederholen.“

Von Leon Strohmaier

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Springe – Stadt am Deister

An der Deisterpforte liegt das 30.000-Einwohnerstädtchen Springe. Fachwerk, Jagd und Tiere: Kommen Sie mit auf eine fotografische Reise durch die Deisterstadt.