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Er ist der Herr der Bienenbäume

Bennigsen Springe Er ist der Herr der Bienenbäume

Die ersten Bienenvölker schwärmen aus und fliegen über das Gelände der Gärtnerei Jaesch in Bennigsen. Sie wissen es noch nicht, aber sie haben langfristig beste Standortbedingungen. Denn Bernhard Jaeschs Anliegen ist es, Bienen das ganze Jahr über mit Nektar zu versorgen. Er ist Gärtner und Imkermeister in einer Person, hauptberuflich und fast ein Leben lang.

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Bernhard Jaesch und ein Mitarbeiter bereiten einen Bienenbaum für die Abreise vor. Fotos: Weßling

Bennigsen. Bennigsen. In Fachkreisen ist er bekannt als derjenige, der den Bienenbaum Euodia hupehensis in Deutschland bekannt gemacht hat. Nicht nur dafür wurde er mit zahlreichen Preisen, unter anderem 2014 mit dem Apisticus-Preis, einer Art Oskar der Imkerei ausgezeichnet. In Bennigsen stehen an die Tausend Exemplare der außergewöhnlichen Bäume. Am Wochenende ist einer nach Bünde gegangen. Glatter noch als ein Buchenstamm ist seine Rinde. Seine Eigenheit: Wenn Obstbäume und Raps den Bienen nichts mehr zu bieten haben, steht er in voller weißer Blüte und betört Bienen wie Menschen mit intensivem, lieblichem Duft - eine Eigenschaft, die dem aus China stammenden Baum den Namen Duftraute eingetragen hat. Gegen Ende der mehrmonatigen Blütezeit bilden die Bäume kräftig rote Samen aus. Ein sehenswertes Farbspiel.

Wenn Jaesch nicht gerade den eigenen Garten bestellt oder duftende Weiden und Beete für seine Kunden anlegt, besucht er Gartenschauen und Imkervereine. Deutschlandweit referiert er über Pflanzen, auf die Insekten fliegen. Aus dem Stegreif und immer fesselnd, wie seine Zuhörer bemerken. Immer dabei: Eine stattliche Viefalt eigens gezogener und erprobter Stauden, Gehölze und Bäume. „Was den Winter nicht überlebt und von den Bienen nicht angeflogen wird, fliegt raus“, beschreibt Jaesch seine Arbeitsweise. Ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland, wo nur wenige Betriebe den Wert ihrer Pflanzen danach bemessen, wie attraktiv sie für die Insektenwelt sind.

Auch das Bieneninstitut in Celle bestückt seinen Schaugarten aus Jaeschs Beständen. „Meine Kunden sind vor allem Imker oder Ökofreaks“, sagt der Gärtner in dritter Generation erfreut. Denn damit liegen sie voll auf seiner Linie, nur in einem Punkt ist Jaesch bissig. „Pflanzenrassismus“ ist ihm ein Gräuel und so beschwichtigt er, wenn eingewanderte Pflanzen für Aufruhr sorgen und Kunden auf ausschließlich heimischen Gewächsen bestehen.

„Jede Pflanze muss eine gewisse Invasivität haben, um überleben zu können“, betont er. Was genau heimisch ist, ist für ihn reine Ansichtssache. „Nehmen sie mal die Buche, die ist eine der verdrängendsten Arten überhaupt und aus dem Balkan zu uns gewandert“, erklärt er. Die berüchtigte Herkulesstaude lässt den erfahrenen Gärtner kalt. In seinem Euodia-Wäldchen haben längst andere Arten das Rennen gemacht und der Staude Wasser und Nährstoffe abgegraben.

Seltenes und Trends

Jaesch hält lieber Ausschau nach faszinierenden Arten, um sie auf ihre Bienentauglichkeit hin zu prüfen. So finden sich viele seltene Exemplare in seinem Schaugarten und den Aufzuchtstationen. Mit dabei: Ein Trendgewächs, zu dem Jaesch seine ganz eigene Verbindung hat.

„Mein Großvater war Gärtner in Schlesien, und als ich vor vielen Jahren dort war, habe ich eine Berberitzenart auf dem Gelände entdeckt und mitgebracht.“ Wie sich herausstellte, war es ein besonders widerstandsfähiger Gojibeerenstrauch. Die Früchte zählen heute zu den Superfoods. Jaesch schmecken sie einfach gut. Mit Blick auf viele Bäume und Pflanzen in seinem Garten ist ihm dieser Tage eher zum Heulen zumute: Eingefrorene Stempelanlagen, wie versengt aussehende Blätter, die den Frost nach sommerlichen Temperaturen im Frühjahr nicht überstanden haben. „Die Obstblüte ist größtenteils im Eimer“, beklagt Jaesch. Um die Bäume macht er sich keine Sorgen. „Die werden schon wieder“, wohl aber um Ernteeinbußen, die Bienen und den Honig.

Im Mai und August öffnet Jaesch seinen blühenden 3500 Quadratmeter großen Schaugarten mit Teich für Besucher im Rahmen der Initiative Offene Pforte. Wenn die Pracht am größten ist, öffnen Gartenliebhaber ihre Refugien für Besucher. Jaesch führt auch außerhalb dieser Tage auf Anfrage durch sein Fauna- und Flora-Paradies. Seine Hoffnung: „Vielleicht ist ja ein Ornithologe dabei, denn hier singt täglich alles mögliche, ich kenne die Vögel nur nicht“, sagt er dazu.

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