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Fernwärme: Preise in der Kritik

Springe Fernwärme: Preise in der Kritik

Die Position der Verbraucherzentralen in Niedersachsen ist klar: Als „einen der letzten unregulierten Märkte“ bezeichnet Energie-Experte Florian Lörincz von der Verbraucherzentrale die Fernwärme in Deutschland. Deshalb würde er sich wünschen, dass die Stadtwerke mit ihrem Angebot rund ums geplante Wärmenetz in Springe so transparent und verbraucherfreundlich wie möglich verfahren.

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Lohnt sich für den Kunden der Wechsel in einen Fernwärmevertrag? In Springe ist ein entsprechendes Netz derzeit in Planung.Foto: Friso Gentsch dpa/lsw

Quelle: Friso Gentsch

Springe. Konkret geht es in der Kritik weder um das Projekt noch um das gegenwärtige Preisangebot: „Das ist mit Blick auf die Arbeitspreise und Grundgebühr derzeit, soweit ich das überblicken kann, auf dem Niveau der Gasanbieter und für Fernwärme vergleichsweise günstig“, betont Lörincz. Ihm und seinen Kollegen geht es darum, dass gegenüber den Verbrauchern noch nicht ausreichend transparent geworben werde. Thema Vertragsdauer: Dass der Kunde sich auf zehn Jahre vertraglich verpflichtet, hält Lörincz für problematisch. „Während der Vertragslaufzeit befindet sich der Kunde in einer Monopolsituation. Er muss den Stadtwerken die Fernwärme abkaufen, weil er keine Alternative hat.“ Wer vorab die Lieferung unterbräche, würde vertragsbrüchig und müsse mit Folgen und Risiken rechnen, „die im Angebot leider nicht näher definiert sind“. Heißt: Die Fernwärmekunden müssen den Preis für die Energie aus dem Rohr zahlen, den die Stadtwerke zum jeweiligen Zeitpunkt aufrufen - zehn Jahre lang.

Die Stadtwerke verteidigen die lange Vertragslaufzeit: „Der Fernwärmeausbau in Springe soll einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und dauerhaft Primärenergie einsparen. Vor diesem Hintergrund ist die beiderseitige Verpflichtung über eine Erstlaufzeit von zehn Jahren durchaus sinnvoll“, sagt Sprecherin Stephanie Döring.

Thema Preisentwicklung: Stadtwerke-Chef Marcus Diekmann machte schon während der Info-Veranstaltung zum Projekt klar, dass die Preise für Öl und Gas gerade so niedrig sind, dass man als Verbraucher eigentlich davon ausgehen muss, dass sie in den nächsten Jahren mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit wieder steigen werden.

Die Fernwärmepreise liegen indes bereits jetzt unter denen für die konventionellen Heiz-Energie-Träger. Aber wie wird sich der Preis für die Wärme aus der Leitung in den kommenden Jahren entwickeln? In dem Zusammenhang fordert Verbraucherschützer Lörincz transparente Preisgleitklauseln, anhand derer Fernwärmekunden bereits vor Vertragsabschluss ablesen können, wie der Preis sich entwickeln wird - immerhin sei man auf zehn Jahre an das Unternehmen gebunden.

Laut Stadtwerken folgt die Entwicklung des Arbeitspreises den gesetzlichen Bestimmungen - und dann folgt eine relativ komplexe Aufzählung einzelner Preis-Indices: „Die Anbindung besteht zu 55 Prozent an den Energieholzindex (gewerbliche Produkte, Inlandsabsatz für Holz in Form von Plättchen oder Schnitzeln) sowie zu 25 Prozent an den Zentralheizungsindex (Index der Verbraucherpreise für Deutschland, Zentralheizung, Fernwärme). Lörincz ist das nicht konkret genug: „Aus Sicht der Verbraucher kann man damit wenig anfangen.“

Potenzielle Kunden müssten sich nämlich die einzelnen Indices heraussuchen, die zugrunde liegende Formel beim Versorger erfragen und ihre eigenen Berechnungen anstellen, moniert der Verbraucherschützer.

Er würde sich stattdessen wünschen, dass die Stadtwerke den Springern diese Arbeit abnehmen - und die eigene Kalkulation über die zukünftige Preisentwicklung nachvollziehbar darstellen würden.

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