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Für Burmeister gibt es entweder Eldagsen oder Florida

Eldagsen Für Burmeister gibt es entweder Eldagsen oder Florida

Fast ebenso lange, wie er zur Kriminalpolizei gehört, ist Ralf Burmeister in der CDU. Nun kandidiert er in Eldagsen für das Amt des Bürgermeisters.

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„Man braucht ein gutes persönliches Umfeld, um sich das verpacken zu können“: Ralf Burmeister (58) ist Mordermittler beim Zentralen Kriminaldienst in Hannover. Schon seit 41 Jahren arbeitet er „bei den Sheriffs“, seit drei Jahrzehnten kümmert er sich um Todesfälle.pr

Eldagsen. Eine einzige Bewerbung - mehr hat Ralf Burmeister nicht abschicken müssen. Das Schreiben machte er 1974 fertig, um der Oberstufe auf dem Gymnasium zu entkommen. In der 7. Klasse war „der Lange“ auf dem kurz zuvor gegründeten OHG bereits gescheitert.

„Ich hätte wiederholen müssen“, erinnert sich Burmeister. Er entschied sich stattdessen für die Geschwister-Scholl-Realschule in Eldagsen: „Mir war damals ein Neustart lieber.“ Im Abschlussjahr überredete ihn ein Kumpel, sich bei der Kripo zu bewerben. Burmeisters Vater Walter war Polizist - warum also nicht? Zu der Anekdote gehört auch, dass Burmeister kurz danach eine Zusage hatte - sein Kumpel eine Absage.

„Der Lange“ fing 1978 „bei den Sheriffs“, wie er es nennt, als Mordermittler an. Zehn Jahre kümmerte er sich um sexuelle Delikte, mittlerweile ist er wieder zurück bei den Todesfällen, als Ermittlungsführer beim Zentralen Kriminaldienst in Hannover. Auf seinem Schreibtisch landeten zahlreiche Akten, auf deren Deckblättern Namen standen, die bundesweit durch die Medien gingen; etliche Opfer waren Kinder. „Um sich das verpacken zu können, braucht man ein gutes persönliches Umfeld“, sagt der 58-Jährige. Er habe das große Glück, eine gute Zuhörerin als Ehefrau zu haben. Dank ihr könne er abschalten, das Leben in Springe genießen, die grausamen Details im Büro in Hannover lassen.

Fast ebenso lange, wie er zu „den Sheriffs“ gehört, ist Burmeister in der CDU. Dabei hätte er von Haus aus auch Sozialdemokrat werden können: Seine Mutter Paula saß bis zur Gebietsreform (1973) für die Eldagser SPD im Stadtrat. 1982 standen die örtlichen Unionsgrößen Helmut Meisiek und Peter Schenk vor seiner Haustür in der Stettiner Straße „und erklärten mir die Vorzüge der CDU“, erinnert sich „der Lange“ lachend. „Sie wussten, dass ich politisch interessiert war.“

Vier Jahre später saß er im Ortsrat, später dann auch im Stadtrat, war sieben Jahre stellvertretender Stadtbürgermeister. Seit 2006 ist er Eldagsens Ortsbürgermeister und geht nicht nur beim Freischießen voran. Egal, wie jetzt die Stadtbürgermeister-Wahl ausgeht: Unter die ehrenamtliche Kommunalpolitik will der Christdemokrat in diesem Jahr einen Schlussstrich ziehen. Das hat er frühzeitig angekündigt, dazu steht er.

Burmeister ist zwar ein stolzer Eldagser und in der Gehlenbachstadt verwurzelt, er ist aber auch bekennender Springe-Fan. Ende der siebziger Jahre zog er mit seiner Angelika in der Kernstadt, in ein Mehrfamilienhaus in der Sulauer Straße. Der Stewardess Angelika war gerade die Versetzung von der Lufthansa in Frankfurt nach Hannover gelungen. „Die Vermieterin hatte große Bedenken, weil wir nicht verheiratet waren“, erzählt Burmeister von der Wohnungsbesichtigung. „Zur Wahrung des Hausfriedens mussten wir uns verloben.“

Als die Söhne Falko (33, Spitzname ebenfalls „der Lange“) und Marc (27, „der Kleine“) geboren wurden, lebte das Paar bereits in der Stettiner Straße in Eldagsen, im Haus bei beziehungsweise neben Burmeisters Eltern. Der 1,96-Meter-Mann möchte seiner Heimat selbst im Ruhestand höchstens dann den Rücken kehren, „wenn es als Alternative ein Haus in Florida gäbe mit eigenem Boot“.

Rasenmähen gehört zu seinen Lieblingsaufgaben: „Da kann ich entspannen - und oft kommt ein Nachbar auf eine Flasche Bier vorbei.“ Auch handwerkliche Aufgaben wie tapezieren oder Laminat verlegen bringt ihn nicht aus der Ruhe. Kochen dagegen gehört nicht zu seinen Paradedisziplinen: „Nur meine Steaks sind weltklasse.“ Was ihn bis heute ärgert ist, „dass ich kein Instrument spielen kann. Klavier oder Schlagzeug, das hätte mich interessiert“. Vielleicht klappt es aber noch mit dem eigenen Buch, das er eines Tages schreiben will. Ein paar Seiten davon, grinst der Werder-Bremen-Fan, sollen von seiner Amtszeit als hauptamtlicher Bürgermeister handeln. Er ist überzeugt: „Das Kapitel schlage ich als nächstes auf.“

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