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Genossen erinnern an ihre Parteigeschichte

Völksen Genossen erinnern an ihre Parteigeschichte

Es waren die Bergbauarbeiter, die 1897 den Gründungsstein der SPD in Völksen setzten. Jetzt, 120 Jahre später, begrüßte Volker Beßling die Genossen, den Bundestagsabgeordneten Matthias Miersch und den Historiker Horst Callies, um dieses Bestehen zu feiern.

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Stilecht mit Kutsche unterwegs: Die SPD-Abteilung Völksen gedenkt ihrer Gründung 1897.

Quelle: SZABO

Springe. Callies ließ in einem Vortrag die Parteigeschichte Revue passieren und erinnerte die Gäste an die grundlegenden Leitlinien der Partei, fand aber auch kritische Worte.

Der Ortsverein entsprang aus einem sozialdemokratischen Wahlverein, zu dem damals auch Gestorf gehörte. Callies betonte, dass die SPD dem Land den „Stempel des Fortschritts“ verlieh, was den kleinen Vereinen zu verdanken sei. Es begrüßte auch, dass sowohl vor 1933 als auch seit den Sechzigerjahren Völksen stets einen sozialdemokratischen Ortsbürgermeister hatte.

„In den Anfängen - und diese darf man nie vergessen, war die SPD eine soziale und politische Bewegung, die stets an den aktuellen Problemen der Menschen dran war“, sagte er. Soziale Ungerechtigkeit, Verbot der Kinderarbeit und Arbeiterinteressen - Callies sagte, auf der Agenda der Partei hätten schon immer sozialpolitische Themen gestanden und ein starker Bezug zur aktuellen Politik, zudem eine klar ablehnende Haltung zu Diktaturen. Die SPD habe sich aber auch gegen die Kommunistische Partei Deutschlands und gegen Faschismus und Nationalsozialismus aufgelehnt.

Heute stehe die Partei in erster Linie für den Ausbau des Sozialstaates. Auch der ökologische Gedanke und der Internationalismus spielten in der Partei eine wichtige Rolle - nicht zuletzt aber auch der Ausbau des Bildungssystems. In diesem Zusammenhang kritisierte Callies, dass Industrie und Handwerk von der Partei aus den Augen gelassen und vernachlässigt wurden. Er bedauerte außerdem die innere Zerrissenheit der Repräsentanten der Partei und die inneren Konflikte, die Wähler irritieren würden. „Es ist ein Vergehen an den Wählern.“

„Was bleibt für die Zukunft?“, fragte Callies und fügte hinzu, dass sich die Sozialdemokraten noch nicht überlebt haben, sofern sich die Partei auf ihren Grundfesten zueinanderfindet, denn „jeder muss von seiner Arbeit leben können“, sagte Callies und plädierte für die „Eindämmung des Raubtierkapitalismus“.

Auch in den gegenwärtigen rechtspopulistischen Trends sieht er eine Gefahr. „Ich habe es nicht für denkbar gehalten, dass in Deutschland eine rechte, sozialkonservative und anti-demokratische Kraft noch möglich ist.“ Trotzdem tritt er für einen Dialog ein. „Man muss sich mit diesen Menschen argumentativ auseinandersetzen“.

Und auch den Genossen auf der lokalen Ebene gab Callies im Zuge seiner Ansprache einen Rat. „Sozialdemokraten waren in Völksen stark, wenn sie wussten, was die Bürger bewegt - seien Sie präsent.“ Im Anschluss besuchten die Genossen den Gründungsort.

Patricia Szabo

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