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Granate auf dem Richtertisch

Gestorf Granate auf dem Richtertisch

Einen Schreck erlebte ein 40-jähriger Gestorfer, der sich jetzt wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz vor dem Springer Amtsgericht verantworten musste, während der Verhandlung.

Gestorf. Um dem Gericht ein Zubehörteil einer sogenannten Gewehrgranate besonders anschaulich zu machen, holte der Mann während einer Prozessunterbrechung eine Gewehrgranate aus seinem Auto und legte sie auf den Richtertisch.

„Dafür brauchen Sie eine Erlaubnispflicht“, erklärte Richterin Mandy Urbschat. Die aber besitzt der 40-Jährige nicht. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde die Gewehrgranate deshalb noch im Gerichtssaal sichergestellt.

Darüber zeigte sich der Angeklagte ebenso fassungslos wie über das Urteil: Gegen eine Geldauflage von 1200 Euro wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt. Der Mann hatte im Sommer 2013 und im Herbst 2014 in China sogenannte Softairwaffen und Zubehörteile dafür bestellt. Beide Male wurde die Ware bei der Einfuhr nach Deutschland beschlagnahmt. Der Gestorfer war sich keiner Schuld bewusst. Mit den Softair-Gewehren betreibe er einen Mannschaftssport, für den er auch oft ins europäische Ausland reise, berichtete er. Dort würden in privaten Gebäuden strategische Spiele mit den speziellen Druckluftwaffen ausgetragen. Weil die Gebäude teils marode seien und nicht mehr über elektrisches Licht verfügten, setzten die Spieler zudem Zielscheinwerfer ein. Sie würden an ihren Helmen befestigt.

Allerdings könnten diese Zielscheinwerfer auch mit einer besonderen Halterung an den Softair-Waffen befestigt werden, erklärte ein Sachverständiger während der Verhandlung. Dann wiederum fallen sie unter das Waffengesetz. In der Kategorie der Softair-Waffen, die den echten Schusswaffen stark ähneln, seien in Deutschland Waffen teils verboten, teils seien sie erlaubnispflichtig - wie die gerade im Gerichtssaal beschlagnahmte Gewehrgranate, sagte der Sachverständige. Und sortierte aus der Liste der in China bestellten Softair-Waffen und Zubehörteilen akribisch alles aus, was nicht unter das Waffengesetz fällt. Diese Teile bekommt der Gestorfer nun zurück.

Die meisten Artikel wie etwa die Laserzielgeräte blieben allerdings hinter verschlossenen Türen in einer Asservatenkammer. Der Angeklagte verzichtete schweren Herzens auf die Rückgabe, nicht ohne noch einmal deutlich zu machen, wie teuer die Teile gewesen seien.

Er solle seine in der Verhandlung gewonnenen Erkenntnisse an seine Mitstreiter bei den Mannschaftsspielen weitergeben, riet ihm Richterin Urbschat. Schließlich schütze Unwissenheit nicht vor Strafe.

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