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Wenn’s für den Ranzen nicht reicht

Springe Wenn’s für den Ranzen nicht reicht

Eine Nachhilfe engagieren, damit die Schulnoten besser werden? An der Klassenreise teilnehmen trotz Eigenbeteiligung?

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Ingrid Röttger und Detlef Brandes hinterfragen die Gerechtigkeit des Bildungs- und Teilhabepakets.
 Foto: Hermes

Springe. Viele Eltern in Springe müssen sich dreimal überlegen, ob sie für so etwas Geld ausgeben. Allein in Niedersachsen ist jedes siebte Kind armutsgefährdet. Diesen Familien steht Hilfe aus dem sogenannten Bildungs- und Teilhabepaket zu.

Mit dem Geld können Kinder einkommensschwacher Familien beispielsweise das Mittagessen in Kita und Hort, Schulbedarf, die Fahrtkosten zur Schule oder Vereinsbeiträge erstattet bekommen. „Das reicht aber nicht“, stellt die Springer Kirchenkreis-Sozialarbeiterin Ingrid Röttger fest. Sie betreut betroffene Familien - etwa im Nachbarschaftsladen Doppelpunkt.

Im ersten Schulhalbjahr bekommen die Eltern für Schulbedarf demnach 70 Euro aus dem Paket, im zweiten Halbjahr sind es 30 Euro. „Das Problem fängt schon beim Auszahlungsdatum an“, erklärt Röttger. „Den ersten Teil erhalten Eltern im August - die Angebote für Schulranzen oder Bücher gibt es aber jetzt schon.“ Aber auch die Summe selbst sei knapp bemessen: Sie hat einen Selbstversuch gestartet und sich eine Liste geben lassen, auf der steht, was ein Kind zur Einschulung alles braucht. „Ich habe exakt 192,04 Euro ausgegeben und dabei bewusst auf Angebote geachtet und keine Markenware gekauft.“

Zudem seien in dem Betrag noch nicht mal Sportschuhe und eine Tasche inbegriffen. Vergessen dürfe man auch nicht, dass sie mit dem Auto bewusst nach Angeboten fahnden konnte. Das könnten viele Familien nicht, weil sie auf Bus oder Bahn angewiesen seien. „Wie sollen da soziale Gerechtigkeit und gleiche Bildungschancen möglich sein?“ fragt sich die Sozialarbeiterin.

Eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat ermittelt, dass die durchschnittlichen Kosten für Schulbedarf über zehn Schuljahre bei 214 Euro pro Jahr liegen. Finanziell besonders einschneidend seien demnach die Klassen 1, 5 und 7. In diesen Jahrgängen müssten Eltern die meisten Anschaffungen machen.

Detlef Brandes, Superintendent beim Kirchenkreis Laatzen-Springe, wünscht sich, dass auch die heimischen Schulen den betroffenen Eltern entgegenkommen. „Meiner Meinung nach sollten sie beim Material keine bestimmten Marken vorgeben. Tuschkästen müssen nicht immer hochwertig sein.“ Und: Auch die Standards bei Klassenfahrten sollten runtergeschraubt werden“, fordert der Superintendent.

Mut macht ihnen ein aktuelles Gerichtsurteil: Demnach muss das Jobcenter Schulbücher bezahlen, wenn die Eltern von Hartz IV leben. Erst recht, wenn es nicht möglich ist, sie auszuleihen. Das hat das Sozialgericht Hildesheim entschieden und damit der Klage zweier Gymnasiasten aus dem Landkreis stattgegeben. Der Fall habe das Zeug, in ein bundesweites Grundsatzurteil zu dem Thema zu münden - hoffen auch Röttger und Brandes.

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