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Im Ehrenamt zu wenig Zeit für Gleichstellung

Springe Im Ehrenamt zu wenig Zeit für Gleichstellung

Vor zehn Jahren ist die hauptamtliche Stelle der Gleichstellungsbeauftragten in ein Ehrenamt umgewandelt worden. Seitdem kümmert sich Anke Niemand um die Belange der Gleichberechtigung. Viel Zeit hat sie dafür nicht.

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„Die Bürger sind schwer zu motivieren, da stoße ich an meine Grenzen“:
Anke Niemand ist seit zehn Jahren im Amt.
Hermes

Springe. Wenn sich eine Springerin von ihrem Mann trennen will, weil die Ehe zerrüttet ist, hilft Anke Niemand. Die Gleichstellungsbeauftragte hört zu und gibt Hilfestellungen bei weiteren Entscheidungen, alles ehrenamtlich.Stalking- oder Gewaltopfer, Frauen mit Geldsorgen - diese Fälle sind ein Aspekt von Niemands Arbeit.

Betrachtet man die Situation in anderen Städten der Region, steht Springe ziemlich alleine da; in vielen Kommunen arbeiten weiterhin hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte. Genau da liegt laut Niemand auch das Problem. „Mehr als drei bis zehn Stunden im Monat kann ich für diesen Posten nicht aufbringen, sonst leidet mein eigenes Berufs- und Familienleben.“ Im Durchschnitt melden sich pro Monat drei Frauen bei Niemand.

Ihren größten Erfolg bei der Ausübung ihres Ehrenamts sieht sie darin, dass sie großen Einfluss auf die Besetzung von Stellen nehmen könne - die Frauenquote bei der Stadt Springe liege aktuell bei 40 Prozent. Selbstkritisch sieht sie, dass sie es bislang nicht geschafft habe, an private Unternehmen heranzutreten und sich dort für Gleichstellung einzusetzen. Sie sei sich bewusst, dass ihr Aufruf, junge Mädchen sollen sich gegen Gebärmutterhalskrebs impfen lassen, auf viel Widerstand gestoßen sei. Dennoch stehe sie weiter zu ihrer Meinung. Kritik, dass sie bei Amtseintritt formulierte Ziele bisher nicht erreicht habe, sei ihr von Bürgern nie zugetragen worden.

Umgekehrt sagt sie, dass es nicht immer leicht sei mit den Springern. „Die Bürger sind schwer zu motivieren, da stoße ich an meine Grenzen.“ Wenn sie Veranstaltungen organisiere, müsse immer der Unterhaltungswert im Fokus stehen. „Anspruchsvolle und tiefgründige Aufführungen sind nicht gewünscht.“

Trotz der wenigen Zeit, die sie für das Ehrenamt aufbringen kann, hat Niemand Visionen für ihre zukünftige Arbeit. „Ich wünsche mir ein Improvisationstheater - nicht für Aufführungen, aber um Alltagssituationen besser nachempfinden, Erlebnisse verarbeiten und soziale Themen wie zum Beispiel Mobbing angehen zu können.“ Zudem möchte sie einen regeren Austausch mit Menschen erreichen, die in Elternzeit sind. Dabei soll es vorrangig um Themen wie Zeitmanagement, Erziehung und persönliche Freizeit gehen.

Sollte der Posten der Gleichstellungsbeauftragten in Zukunft wieder hauptamtlich ausgeübt werden, werde Niemand sich für die Stelle bewerben. „Mir tut es gut, anderen Menschen zu helfen. Ich höre einfach gern zu - und das reicht manchmal auch schon. Wenn ich merke, dass meine Arbeit dann auch noch Früchte trägt, fühle ich mich auch besser.“

von Sandra Hermes

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