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Jagau: Springe „kein Opfer“

Lüdersen Jagau: Springe „kein Opfer“

Heftigen Gegenwind gibt es bei dem geplanten Vorranggebiet für Windenergie im Dreieck Springe-Pattensen-Hemmingen.

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Windkraftdebatte: Reinhard Schade von der Stadt (v. l.), Ortsbürgermeisterin Ursel Postrach, Lüdersens SPD-Chef Michael Buckup und Regionspräsident Hauke Jagau diskutieren über das Raumordnungsprogramm der Region. Brinkmann-Thies

Lüdersen. Auf einer Bürgerversammlung, zu der die SPD-Fraktion eingeladen hatte, sprachen sich fast alle Teilnehmer gegen einen neuen Windpark vor ihrer Haustür aus. Jetzt wollen die Lüderser eine Bürgerinitiative gründen.

Ohne Vorankündigung wurde in diesem Jahr im geänderten Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) die größte Fläche für Windenergie der Region mit 400 Hektar direkt vor Lüdersens Haustür aus dem Hut gezaubert, sagte der Lüderser SPD-Abteilungsvorsitzende Michael Buckup. Dabei seien die Pläne nicht komplett durchdacht worden und mit den Betroffenen sei vorher nicht gesprochen worden, kritisierte er.

Auch zu Gast: Regionspräsident Hauke Jagau. Er räumte ein: „Das geplante Vorranggebiet ist groß.“ Und: „Dass Sie hier in Lüdersen im Vergleich zur übrigen Region Hannover überproportional belastet würden, das kann ich nicht wegreden.“ Als „Opfer“ wollte Jagau die Springer mit einem zusätzlichen Windpark aber nicht sehen - trotz dessen einige Versammlungsteilnehmer noch einmal darauf zu sprechen kamen, dass ihnen das Krankenhaus weggenommen worden sei.

Die Ausweisung von Vorranggebieten, für die die Region zuständig ist, sei eine gute Steuerungsmöglichkeit, um die Standorte der Anlagen zu bündeln, wiederholte er mehrfach. Ohne diese Planungsmöglichkeiten würden die Anlagen möglicherweise noch näher an das Bergdorf heranrücken, als die nun geplanten 800 Meter bis zur Bebauungsgrenze, so Jagau. Doch mit Blick auf das nun geplante Vorranggebiet, auf dem sich 200 Meter hohe Anlagen drehen können, wäre vielen Bürgern der Versammlung die 800 Meter-Distanz bis zur ersten möglichen Windkraftanlage zu gering.

Beeinträchtigungen fürchten sie unter anderem durch eine Umzingelung von Anlagen. „Die Sicht auf und von Lüdersen in das Calenberger Land würde unwiederbringlich zerstört“, sagte Buckup. Gefahren sehen die Bewohner auch für die Tier- und Vogelwelt. So brüte unter anderem ein Rotmilanpärchen am Wolfsberg. Der Bestand dieser Greifvögel gelte als gefährdet.

Eine Lanze für die Windkraft brach die Grüne Ratsfrau Elke Thielmann-Dittert aus Bennigsen. Sie beruhige der Anblick dieser Anlagen für die regenerative Stromerzeugung, ganz im Gegensatz zu Energiegewinnung etwa durch Atomkraft, Fracking oder Kohle. Damit zog sie den Ärger einiger Lüderser auf sich.

Auswirkungen fürchten sie unter anderem durch Schattenwurf auf ihr Grundstück. Aber auch hörbaren Schall und die Geräusche der Rotorenblätter sowie die Auswirkungen des Infraschalls könnten stören. „Wir haben hier zudem zwei Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, die durch die Emissionen besonders gestresst und belastet werden könnten“, erklärte Buckup. Das Deutsche Ärzteforum für Emissionsschutz fordere einen Mindestabstand von zwei Kilometern zu einem Windpark. „Warum gehen Sie als Region an die Grenze des Belastbaren? Warum kann die Region diese Distanz von 2000 Metern nicht vorschreiben?“, wollte eine Lüderserin wissen. Mit einem solchen Kriterium könne in der Region kein einziges Vorranggebiet ausgewiesen werden, erklärte Nina Buhr vom Team Regionalplanung. Dann wiederum würde sie sich als Genehmigungsbehörde dem Vorwurf einer Verhinderungsplanung aussetzen. Per Gesetz müsse der Windkraft als regenerativer Energie Raum gegeben werden.

Springes Fachbereichsleiter Reinhard Schade machte deutlich: „Die Stadt habe sich von der Region bei der Neuplanung des Vorranggebiets östlich von Lüdersen übergangen gefühlt.“ Er hätte sich hier ein „offenes Visier“ und eine Zusammenarbeit mit den Bürgern und der Öffentlichkeit gewünscht. Sollte der Entwurf wie geplant in der Regionsversammlung - und zwar noch in dieser Legislaturperiode - verabschiedet werden, wünscht sich Schade bei künftigen Betreibern von Windrädern, dass sie vor dem Bau einer Anlage auf die Lüderser zugehen. Und Interessenten, so Ortsbürgermeisterin Ursel Postrach, gebe es schon einige.

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