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Jüngster und ältester Kandidat für Stadtrat Springe im Porträt

Springe Jüngster und ältester Kandidat für Stadtrat Springe im Porträt

Dominik Lipp und Franz Schwanzer trennen 60 Jahre. Doch eines eint SPD-Mann Schwanzer und den 18-jährigen Lipp (CDU): Sie treten beide bei der Kommunalwahl für den Stadtrat an. Protokoll einer Begegnung.

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Reichen sich die Hände: Dominik Lipp (links) will ebenso in den Stadtrat wie Franz Schwanzer.

Springe. Dominik Lipp und Franz Schwanzer geben sich die Hand. Sie setzen sich auf einen Stuhl und bestellen einen Kaffee: Schwanzer wählt einen klassischen Schwarzen in einem Druckkännchen, Lipp mit Milchschaum und Sirup. „Das größte Problem ist ja, dass viele Leute in meinem Alter sagen, dass sich Engagement ohnehin nicht lohne - die machen ja eh, was sie wollen“, sagt Lipp. Schwanzer nickt. Das sei die typische Nichtwählereinstellung, sagt er. „Aber das funktioniert so nicht. Denn wir leben in einer Demokratie. Und das heißt Volksherrschaft.“

Volksherrschaft, das ist das Stichwort für Lipp. Der 18-Jährige hat ausgerechnet, dass das Durchschnittsalter der im Rat vertretenen Politiker im Bereich 50 plus liegt. „Ich fühle mich und meine Generation da nicht richtig vertreten“, sagt er. Deshalb wirft er eben selbst seinen Hut in den Ring.Schwanzer merkt an, dass sich die jungen Leute häufig nicht mehr langfristig engagierten. „Da ist eine Bindungslosigkeit zu beobachten“, sagt er. In der Partei werde schon lange darüber gegrübelt, wie man damit umgehen solle, „noch haben wir keine Lösung gefunden“.

Dass sich hier zwei Menschen aus unterschiedlichen Generationen unterhalten, wird an zwei Daten deutlich: Franz Schwanzer, Jahrgang 1936, tritt als ältester Kandidat für den Stadtrat an - Dominik Lipp, Jahrgang 1997, als jüngster Bewerber. Obwohl beide unterschiedliche Parteien repräsentieren, haben sie mehr gemeinsam, als man annehmen könnte.

Als Franz Schwanzer geboren wurde, nutzten die Nazis die Olympischen Spiele in Berlin gerade für ihre Propagandazwecke aus. Und die Wehrmacht marschierte im entmilitarisierten Rheinland ein. Dinge, die eine Generation im Widerstand geprägt haben. Schwanzer ist seit über 30 Jahren SPD-Mitglied. „Mir geht es um die soziale Gerechtigkeit“, sagt der Altenhagener, der lange Zeit Vorsitzender der damaligen SPD-Abteilung Altenhagen I war. Und jetzt bald seine Ratspremiere feiern möchte. Lipp gehört dagegen zu einer Generation, die vollständig im wiedervereinigten Deutschland aufgewachsen ist. Weltkriege, Kalter Krieg und Mauerfall, prägende Ereignisse während des Aufwachsens vorangegangener Generationen, kennen sie nur noch aus Erzählungen oder aus dem Geschichtsunterricht.

Lipp würde sich wünschen, dass junge Leute verstärkt auch auf vordere Listenplätze gehievt werden. „Aber es wird halt befürchtet, dass die Jugendlichen die Stadt fürs Studium verlassen, deshalb hält man sich da zurück“, fürchtet der Bennigser, der mit 14 Jahren in die Junge Union eingetreten ist. Der frühe Schritt in die Politik habe ihm geholfen, von den alten Hasen ernst genommen zu werden. „Mein Gesicht war vielen schon bekannt“, sagt er. Als Schwanzer vor über 30 Jahren in die SPD eintrat, da hatte auch er das Gefühl, gut angenommen zu werden. „Unser Ortsbürgermeister war damals auch der Vorsitzende der SPD-Abteilung. Er war sehr aktiv, ich war da schnell integriert.“ Genauso versuche er das auch heute auch: Er möchte aktiven Leuten schnell eine Position innerhalb der Parteigremien anbieten.

Von Ralf T. Mischer

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