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Kommunaler Katzenjammer

Springe Kommunaler Katzenjammer

Streunende Katzen sind ein Problem - um das sich, so das Land Niedersachsen, die Kommunen kümmern müssen. Doch da geschieht bislang offiziell nicht viel.

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Die Katze: Als Haustier geliebt, als Streuner ein Problem.

Quelle: Archivfoto: dpa

Springe. Springe. Fast jeder will sie loswerden, niemand sich kümmern: Das Land Niedersachsen hat streunende Katzen nun offiziell als Problem anerkannt. Und den schwarzen Peter gleich weitergeschoben an die Kommunen, die neuerdings dazu ermächtigt sind, auf ihrem Gebiet grundsätzlich die Kennzeichnung, Registrierung und Kastration von freilaufenden Katzen vorzuschreiben. „Das nehmen wir jetzt erst mal so zur Kenntnis“, sagt Bürgermeister Christian Springfeld dazu.

Wer auf Springe.de den Begriff „Hund“ in die Suchmaske eingibt, landet auf Anhieb einschlägige Treffer: ein Merkblatt plus alle wichtigen Dokumente, um die Vierbeiner ordnungsgemäß zu führen. Stichwort Katze: Fehlanzeige! Kein einziger Treffer. Die Haustiger kommen auf dem Papier praktisch nicht vor. In freier Wildbahn aber sehr wohl, zum großen Ärger von Vogelliebhabern, Gartenbesitzern und Landwirten, die die Katzen auf ihren Gründstücken gerne wieder los wären.

Den geschätzt 200 000 verwilderten Hauskatzen in Niedersachsen geht es in freier Wildbahn eher schlecht. Nicht selten schleppen sie sich verletzt oder krank durch ihr vergleichsweise kurzes Leben in Freiheit, informiert das Land. Dass sie sich unkontrolliert vermehren, macht es nicht besser. Sie allerdings selbst einzufangen, aufzupäppeln und auch noch Tierarztkosten für eine Kastration zu zahlen, dafür können sich die wenigsten erwärmen.

„Das mache dann ich, bevor das auf andere Art und Weise gelöst wird“, sagt Beate Schulz-Sorge, eine Tierschützerin aus Rohrsen, die sich privat in Bad Münder und Springe einen Ruf als Problemlöserin in dieser Sache erarbeitet hat. Wenn Anrufe aus den Bauerschaften kommen oder sie selbst Streuner entdeckt, packt sie Fallen und Futter in den Kofferraum und kümmert sich nicht selten mit hohem Zeitaufwand. Aus der Not heraus, wie sie betont. Denn in beiden Stadtgebieten fängt keine Tierschutzorganisation verwahrloste Katzen auf. Dass das Land gerade solche Institutionen mit 100 000 Euro ausdrücklich für den Katzenschutz fördert, geht an Springe und seinen Streunerkatzen folglich vorüber.

Hier bringt Schulz-Sorge die Miezen wieder in Form, nimmt sie zum Tierarzt, lässt sie kastrieren. Im Idealfall gelingt es ihr, gesunde Katzen in liebevolle Hände weiterzuvermitteln. Glückt das, erstatten die neuen Besitzer ihr einen Anteil der Kosten. Bis zu 7000 Euro an Tierarztkosten gibt die ebenso engagierte wie pragmatische Katzenfreundin jährlich aus.

„Ich habe wilde Katzen bisher nicht als Problem in Springe wahrgenommen“, sagt Bürgermeister Christian Springfeld. Wenn Handlungsbedarf bestehe, werde er das aber auf die Agenda nehmen. Ohne besondere Begeisterung dafür, gerade dieses Problem auf kommunaler Ebene zu lösen und finanziell dafür einzustehen. „Es ist ja nicht so, dass eine Katze sich beim Spazierengehen an Stadtgrenzen hält, da macht es keinen Sinn, dass jede Gemeinde ihre eigenen Regeln macht.“ Vorstöße in dieser Richtung gab es bereits in der Vergangenheit. In einem Beschwerdeausschuss vor etwa drei Jahren wurde die Anregung, eine Kastrationspflicht zu erlassen, schon vorgetragen und für gut befunden. Danach passierte nichts.

In Bad Münder gibt es bereits eine Verordnung, die Tierhalter dazu verpflichtet, ihre freilaufenden Katzen zu kastrieren. „Sobald es aber um wilde Katzen geht, bringt das nichts mehr“, weiß Beate Schulz-Sorge. Über mehr Unterstützung von Seiten der Kommunen würde sie sich freuen, rechnet aber nicht unbedingt damit: „Wir brauchen ein bundesweites Gesetz zur Kastrationspflicht.“ Irgendwer müsse für die Katzen einstehen.

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