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Sex-Chats von Lehrer beschäftigen die Justiz

Springe Sex-Chats von Lehrer beschäftigen die Justiz

Der Fall sorgte vor vier Jahren für Wirbel am Otto-Hahn-Gymnasium: Ein Lehrer war suspendiert worden, nachdem er Schülerinnen per Internet anzügliche Nachrichten geschickt hatte. Doch die Justiz beschäftigt der Fall bis heute: Der Pädagoge wehrt sich dagegen, seinen Beamtenstatus zu verlieren.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Springe. Im Februar 2011 suspendierte die Landesschulbehörde den Lehrer, nachdem sich die betroffenen Schülerinnen - damals 15 und 16 Jahre alt - an Eltern beziehungsweise Klassenlehrer gewandt hatten. Die Gespräche zwischen ihnen und dem Lehrer hatten sich teils über mehrere Wochen hingezogen. Der Pädagoge machte zahlreiche sexuelle Äußerungen, die zum Teil weit über das Niveau von Anspielungen hinausgehen - und forderte sogar den Einsatz einer Webcam.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe beschäftigt nicht nur die Schule das Thema: Der Vater eines der Opfer hatte den Lehrer angezeigt. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren jedoch schnell ein. Begründung: Die Chat-Protokolle hätten zwar sexuelle Fantasien und Handlungen enthalten, seien aber rechtlich nicht als pornografische Schriften zu bezeichnen. Auch eine Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft Celle blieb erfolglos. Aus Prozessunterlagen geht hervor, dass der Mann einschlägig vorbelastet ist: Er war demnach 2006 wegen „Beschaffung und Besitzes kinderpornografischer Schriften“ rechtskräftig zu einer Geldstrafe verurteilt und vorläufig des Dienstes enthoben worden. Ein erstes Disziplinarverfahren endete mit der Versetzung ans OHG und einer dienstlichen Rückstufung.

Dort kam es dann zu den Internet-Chats, deren Konsequenzen inzwischen zahlreiche Aktenordner füllen. Der Lehrer legte Arztgutachten und Therapiebescheinigungen vor, um das Vertrauen seines Arbeitgebers wiederzuerlangen. Im Januar 2014 erhob das Land schließlich eine Disziplinarklage, um den Mann aus dem Beamtenverhältnis zu entfernen - mit dem Verweis auf ein „schweres Dienstvergehen“ und einen Vertrauensverlust. Der Lehrer selbst hatte vor dem Verwaltungsgericht Hannover „eine mildere Maßnahme“ gefordert: Er bedauere die Chats zutiefst - die Zitate seien aber teils „aus dem Zusammenhang gerissen“. Außerdem müsse die „typische Chatsprache“ berücksichtigt werden, bei der „viel mit Ironie, Übertreibungen, Witz und Unsinn“ geschrieben worden sei, heißt es in den Prozessunterlagen. Ihm sei außerdem nicht bekannt, dass die Schülerinnen Schaden durch die Vorfälle genommen hätten.

Das Verwaltungsgericht entschied jetzt, dem Land recht zu geben: Der Richter bescheinigt dem Mann darin „einen erheblichen Persönlichkeitsmangel [...], der Anlass zu Zweifeln an seiner Eignung gibt“. Der Lehrer habe ein „massives Ausmaß der Selbstbezogenheit und Rücksichtslosigkeit“ offenbart. Die Einwände des Pädagogen ließ das Gericht dabei nicht gelten: „Der Umstand, wer die Sprache auf die aufgezeigten Sexualthemen gebracht hat, ist bei der Bewertung nicht entscheidend.“ Der Schaden und Vertrauensverlust seien irreparabel, sodass ein Entfernen aus dem Beamtenverhältnis angemessen sei. Die Öffentlichkeit, so der Richter, hätte kein Verständnis dafür, wenn man auf diesen Schritt verzichte.

Der Pädagoge selbst sieht das anders: Er geht gegen das Urteil vor, das deshalb jetzt das Oberverwaltungsgericht Lüneburg beschäftigt.

Von Christian Zett

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