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„Man muss nach vorne sehen“

Springe „Man muss nach vorne sehen“

Er hat den Lebensmut nicht verloren. Auch nicht, als Stefan Otto am 29. September die Diagnose Blutkrebs bekam und ihm der Boden unter den Füßen schlagartig weggerissen wurde. Was ihm hilft? Zu wissen, dass zahlreiche liebe Menschen ihm helfen und ihm beistehen möchten, so gut es geht.

Springe. Denn: Otto ist seit 30 Jahren Lehrer in den Berufsbildenden Schulen in Springe und unterrichtet Deutsch und Holztechnik. Der Schock bei seinen Kollegen und Schülern war groß, als sie von seiner Krankheit erfuhren. Aus diesem Grund haben Conny Bornemann und Jörg Kleinhenn eine Typisierungsaktion mit der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) organisiert. Otto hat nur eine Chance zu überleben, wenn er eine Stammzelltransplantation bekommt. Der 59-Jährige aus Hessisch Oldendorf kämpft jeden Tag um sein Leben.

„Mir fiel auf, dass er schlapp und müde war und nachmittags viel geschlafen hat“, erzählt seine Frau Karin. Otto selbst liegt im Krankenhaus, isoliert, und versucht, der Nebenwirkungen seiner Chemotherapie Herr zu werden. „Als er dann zum Arzt ging, bekamen er einen Tag später den Anruf, wir sollten sofort vorbeikommen“, erinnert sich seine Ehefrau, die ihn täglich im Krankenhaus besucht. Otto musste sofort ins Krankenhaus, laut den Ärzten sei er dem Tod nur knapp entkommen, so alarmierend waren seine Blutwerte bereits. Aber der 59-Jährige schlägt sich tapfer. „Er hat nicht einmal gejammert, er findet sich in sein Schicksal ein“, weiß seine Ehefrau. „Wir haben schon einiges durchgestanden und hatten bisher ein wunderschönes Leben, genau daraus ziehen wir jetzt die Kraft, um die Herausforderung anzunehmen. Jammern ist für uns nur Kraftverschwendung“, sagt die 60-Jährige.

Kraft geben ihm aber nicht nur seine Frau und seine zwei erwachsenen Kinder, sondern auch die Schüler und Lehrer. „Er ist gerührt, dankbar und sprachlos und sagt, dass er gar nicht weiß, wie er die Zuwendungen je wiedergutmachen kann. Aber das muss er auch gar nicht, sage ich ihm dann, er muss schon viel geleistet haben, wenn sie das für ihn tun.“ Dieser Meinung schließt sich auch Lehrer Bornemann an. „Er ist sehr beliebt an unserer Schule und immer engagiert dabei, viele Jugendlichen fragen uns, wie es ihm geht, und sprechen darüber mit ihren Klassenlehrern“, weiß er.

Einen wichtigen Aspekt möchte Otto aber nicht außer Acht lassen: Mit der Typisierungsaktion wird gleichzeitig auch anderen Betroffenen geholfen. „Man muss jetzt nach vorne sehen und unsere Hoffnung ist riesengroß“, sagt seine Ehefrau. Sie freue sich über die zahlreichen Rückmeldungen seiner Schüler. „Sie wollen, dass er zurückkommt. Das zeigt nur noch einmal, dass mein Mann sich für den richtigen Beruf entschieden hat.“ Auch mit ehemaligen Schülern hält er den Kontakt aufrecht.

Aber die Isolation über vier Wochen setzt ihm zu. Während der Chemotherapie darf er nicht mit Keimen oder Bakterien in Berührung kommen, um Infekte zu vermeiden. Ausgestattet mit speziellen Kitteln, Handschuhen und Mundschutz versucht seine Frau, ihm die Zeit im Krankenhaus zu verkürzen. „Es ist keine schöne Situation, er würde alles dafür geben, jetzt in der Schule zu stehen.“

Trotz seines eigenen Schicksals betone er aber immer wieder, dass auch andere Menschen schlimme Situationen durchstehen müssten. „Aber wir nehmen die Herausforderung gemeinsam an“, sagt seine Frau.

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