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Maststall soll die Zukunft sichern

Völksen Maststall soll die Zukunft sichern

Für viele Betriebe lohnt sich die Tierhaltung schlichtweg nicht mehr. Diese Entwicklung macht auch vor Springe und dem Familienbetrieb von Carina Reso und Jens Fritzler nicht Halt. Die studierten Agrarwissenschaftler investieren deshalb in einen eigenen Maststall.

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Jens Fritzler (39) und Carina Reso (35) stehen vor den Jungsauen, die gerade ein wenig frische Luft schnappen.

Quelle: Ralf T. Mischer

Springe. Das 42 mal 35 Meter große Gebäude für knapp 1500 Plätze soll ab Anfang Februar bezugsfertig sein.

Die Arbeiten im Norden von Alvesrode laufen, das Projekt ist genehmigt: Es handelt sich nach Angaben der Stadt um ein sogenanntes privilegiertes Bauvorhaben. Das heißt: Sind alle Auflagen wie Natur- oder Lärmschutz erfüllt, ist ein solcher Antrag grundsätzlich zu genehmigen. Gesetzlich ähnlich eingestuft ist etwa die Windkraft. Deshalb habe auch die Politik nicht noch einmal zustimmen müssen, sagt Vize-Rathauschef Gerd-Dieter Walter: Die könne so ein Vorhaben höchstens verhindern, wenn sie Bau- und Flächennutzungsplan entsprechend ändert. In Bad Münder hatte der Rat auf diese Weise versucht, den Bau eines Maststalls bei Nettelrede auszubremsen. Tatsächlich griff dieses Werkzeug jedoch nicht.

In Alvesrode auf dem Hof von Fritzler und Reso leben derzeit 160 Zuchtsauen - der Nachwuchs, also die Ferkel, wurde bislang an drei Mastbetriebe verkauft, sobald die Tiere ein Gewicht von 28 Kilogramm erreicht hatten. „Dadurch wird man mehr oder weniger abhängig von den Mästern“, erläutert Fritzler. Preise und Bedingungen könnten von ihnen vorgegeben werden. Reso: „Letztlich müssen wir ja die Ferkel verkaufen, weil wieder neue nachkommen.“ Kurzum: Als Ferkelerzeuger ist der Betrieb des schwächste Glied in der Kette der Fleischherstellung. Für eine junge Familie mit drei Kindern, die ihr Geld ausschließlich über die Landwirtschaft verdient, kann das ein Problem sein.

Diese Entwicklung stellt zahlreiche Höfe vor die Grundsatzentscheidung, entweder zu investieren oder ganz mit der Tierhaltung aufzuhören. Um mehr Wertschöpfung auf dem eigenen Hof zu halten, also schlussendlich wirtschaftlicher arbeiten zu können, entschieden sich Reso und Fritzler für die Investitionsvariante. Fritzler: „Wir leben ja von der Landwirtschaft.“ Der Betrieb kann durch den Neubau seine Ferkel selbst mästen. Und das habe noch weitere Vorteile, die das Überleben des Hofes sichern könnten.

Deshalb rollt jetzt auf einem Maisfeld nahe der Kreisstraße 216 ein Minibagger. Gebaut wird ein Stall mit 1491 Plätzen. Darin sollen die Ferkel, die bislang nach 21 Tagen Säugezeit und 70 Tagen Aufzucht mit einem Gewicht von 28 Kilogramm an Mastbetriebe gehen, gemästet werden: Das Gewichtsziel liegt bei 110 Kilo, die nach etwa vier Monaten Mastzeit erreicht werden sollen. „Wir möchten einen Teil der Schweine direkt auf dem Schlachthof Hannover schlachten lassen und anschließend die Läden direkt beliefern“, erläutert Reso die Philosophie kurzer Transportwege und großer Regionalität.

Der neue Stall soll hell und nach „Tierwohl-Kriterien“ gestaltet werden: mit Beschäftigungsmaterial und Strohhaufen. Das Futter soll, wie bei den Sauen und Ferkeln, auch für die Mastschweine auf dem Hof gemischt werden.

Im Stall ist ein Besucherfenster vorgesehen. Spaziergänger soll eine Infotafel über die Kreisläufe auf dem Hof informieren. Bereits seit 2009 werde die Hofanlage nur mit nachwachsenden Rohstoffen im Sinne des Erneuerbare-Energien-Gesetzes betrieben, hauptsächlich mit Mais-Silage, sagt Fritzler. Das Gas wird in einem Blockheizkraftwerk in Biostrom umgewandelt und ins Netz eingespeist.

VON RALF T. MISCHER UND CHRISTIAN ZETT

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