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Mit dem Rad die Welt entdecken

Springe Mit dem Rad die Welt entdecken

Er hat Europa im wahrsten Sinne des Wortes erfahren: Rund 6400 Kilometer quer durch den Westen des Kontinents legte Hannes Haynitzsch auf seinem Fahrrad zurück. Viereinhalb Monate war der 19-jährige Völkser dafür unterwegs - allein, nur mit Zelt, Navigationsgerät und jeder Menge Neugier auf fremde Menschen und andere Länder ausgestattet.

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Kurzer Stopp für einen Schnappschuss: Hannes Haynitzsch winkt in die Kamera. Im Hintergrund sind die Alpen zu sehen.

Quelle: Privat

Völksen. Jetzt ist der Abiturient wieder zu Hause angekommen. „Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt“, schwärmt Haynitzsch. Da war etwa die nette Familie in Newport, Irland, die ihn wie selbstverständlich mehrere Tage bei sich aufgenommen hat. Andere boten dem jungen Mann den eigenen Garten zum Zelten an, manchmal auch eine Matratze. Meist aber habe er im Freien gecampt, etwa in Schottland und Skandinavien, wo er auch das sogenannte „Jedermanns-Recht“ kennenlernte, das Zelten fast überall in der Natur erlaubt. Doch da war Hannes schon viele Wochen unterwegs. Im März war er samt seinem Trekkingfahrrad nach Lissabon geflogen. Von dort startete seine Tour dann von Portugal über Spanien, Frankreich und weiter nach England, Irland und Schottland.

Über Norwegen, Schweden und Dänemark ging es zurück nach Deutschland. Seine letzte Etappe von Lüneburg nach Völksen war mit 154 Kilometern auch die längste. „Da war die Motivation hoch, nach Hause zu kommen“, sagt der 19-Jährige. Den Moment zu genießen, auch ganz allein in einer fremden Umgebung: Das ist eine von vielen positiven Erfahrungen, die Haynitzsch auf seiner ungewöhnlichen Reise gesammelt hat. Dabei mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen war für den aufgeschlossenen jungen Mann kein Problem. Auch wenn er kein Spanisch oder gar Portugiesisch sprach. „Mit Händen und Füßen kann man sich immer verständigen“, erzählt er.

Häufig haben ihm gerade jene Menschen weitergeholfen, die selbst viel reisen oder auch aktuell unterwegs waren. So wie etwa in den Herbergen für die Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Dort ging es oft geradezu familiär zu, berichtet er. Auch Hannes besuchte die Kathedrale von Santiago, obwohl er die für Radler als offizielle Pilgerstrecke vorgegebenen 200 Kilometer nicht ganz absolvierte.

Doch es gab auch harte Etappen. „Bei fünf Tagen Dauerregen durch Frankreich musste ich mich selbst motivieren“, erinnert sich Hannes. Er lernte, mit sehr wenig Gepäck auszukommen und reduzierte sogar sein Hab und Gut in den Satteltaschen weiter. Einen unpraktischen Campingkocher oder überflüssige Hosen gab er kurzerhand einem Freund mit nach Deutschland, den er unterwegs traf. Nur wenige Male musste Hannes auf seiner langen Tour einen Reifen seines Trekkingrades flicken, richtig verfahren hat er sich dank eines guten Navigationsgeräts praktisch gar nicht. „Durchschnittlich habe ich am Tag zwischen 60 und 80 Kilometer zurückgelegt, ich hatte ja keinen Zeitdruck“, sagt Hannes. Und fügt hinzu: „Ich würde es immer wieder machen.“ Nun aber möchte er aber erst einmal ein Studium in Philosophie und Soziologie absolvieren. Doch danach will er wieder los - dann vielleicht nach Indien.

Von Annegret Brinkmann-Thies

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