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Notfall-Ambulanz in der Kritik

Springe Notfall-Ambulanz in der Kritik

Lediglich ein Patient alle zwei Stunden: Angestellte des früheren Springer Krankenhauses werfen der Klinik-Geschäftsführung vor, die neue Notfall-Ambulanz bewusst unattraktiv zu halten, damit sie kaum genutzt wird. „Wir haben Angst, dass bereits im Dezember Schluss ist“, sagen ehemalige Mitarbeiter.

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Die Zeiten des Rondells vor dem Klinikum sind gezählt: Dort sollen Parkplätze entstehen. Zimmer

Quelle: Zimmer

Springe. Die bundesweit einmalige Notfall-Station wurde vor drei Wochen eröffnet. Die Nachfrage ist gering: Pro Tag kommen laut Klinikum nur zehn bis zwölf Kranke. Der Mediziner und die beiden Schwestern, die rund um die Uhr anwesend sind, werden kaum gefordert. Verschärfend kommt hinzu, dass ein Großteil der Patienten gar nicht vor Ort verarztet werden kann, sondern weitergeleitet werden muss.

„Wenn die Zahlen nicht ausreichen, hat man in Hannover einen guten Grund, nicht lange an der Notfall-Ambulanz festzuhalten“, glauben frühere Krankenhaus-Mitarbeiter, die die Situation besorgt verfolgen. Ihren Namen wollen sie aus Angst vor Repressalien nicht in der Zeitung lesen: Die Geschäftsleitung des Klinikums Region Hannover (KRH) habe in den vergangenen Monaten wiederholt Druck auf Angestellte ausgeübt, die Kritik am Stil des Unternehmens oder der Schließung des Krankenhauses äußerten.

Die Notfall-Ambulanz brauche einen Chirurgen statt eines Internisten. Patienten mit einem Herzinfarkt oder Schlaganfall müssten ohnehin in eine andere Klinik gebracht werden. Wer eine kleine Platzwunde oder Sportverletzung habe, wer sich bei der Gartenarbeit in die Hand gesägt oder das Bein gebrochen habe, der müsse schnell vor Ort versorgt werden können, so die Forderung der Ehemaligen. „Ein Internist hilft da nicht weiter.“

Ein weiterer Kritikpunkt an der Ausstattung: Nur die Schicht von 8 bis 16 Uhr übernehme ein Mediziner vom Robert-Koch-Krankenhaus in Gehrden. Für die restlichen beiden Schichten (abends und nachts) würden Leihärzte einer Agentur gebucht, „die zwar hoch motiviert und sehr bemüht sind, aber oftmals kaum Deutsch sprechen. Die Verständigung ist schwierig.“ Beschwerden von Patienten, die in Springe abgewiesen wurden, häufen sich. Dazu gehört eine Seniorin aus Eldagsen, die nach einem Sturz ihren dicken Knöchel begutachten lassen wollte. Sie sei von der Ärztin telefonisch an einen Orthopäden verwiesen worden. Die Familie brachte sie schließlich ins Krankenhaus Gronau.

Martin Creutzig, der zum Vorstand des Krankenhaus-Fördervereins gehört, sieht jetzt die KRH-Geschäftsführung in der Pflicht. Sie müsse endlich die in Springe niedergelassenen Ärzte über die Notfall-Ambulanz informieren, „damit sie ihre Patienten außerhalb ihrer Praxiszeiten in die Ambulanz schicken mögen“. Es sei aus seiner Sicht „sehr hilfreich“, wenn die Fallzahlen stiegen. Die Notfall-Station läuft laut Genehmigung bis Ende 2017. Eine Diskussion über eine vorzeitige Schließung sei deshalb zum jetzigen Zeitpunkt „nicht angebracht“, so Klinikumssprecher Bernhard Koch.

Von Marita Scheffler

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