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Nur die Ambulanz bleibt

Springe Nur die Ambulanz bleibt

Zwischen Ende und Anfang liegen genau 15 Minuten. So lange dauert es, bis die letzten beiden Patienten des Springer Krankenhauses mit zwei Rettungswagen ins Klinikum Gehrden gebracht werden. Und die Notfallambulanz ihre Arbeit offiziell aufnimmt.

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Historischer Augenblick: Der Krankentransportwagen mit dem letzten Patienten des Springer Krankenhauses verlässt gerade die Einfahrt und fährt Richtung Gehrden.

Quelle: Mischer

Springe. Matratze, Bettdecke und Kopfkissen sind noch unter transparenter Kunststofffolie versteckt. Neuware für die neuen Patienten der neuen Notfallambulanz in den Räumen des alten Springer Krankenhauses. „Wir sind bereit“, sagt Ambulanz-Leiterin Ulla Bengsten. Und erläutert, dass man mit einem Internisten, sechs Betten, dem Labor und einem Röntgengerät auf Notfälle vorbereitet sei. Auch Krankenwagen könnten die Notfallambulanz ab sofort ansteuern.

In der Führungsetage der Klinikum Region Hannover (KRH) ist man sichtlich bemüht, die neue Situation als Gewinn für Springe darzustellen. Man zeigt sich aber auch verständnisvoll gegenüber all jenen, die die Schließung bedauern. So wie etwa Holger Dorl, der im KRH die Stabstelle im Direktorium innehat: „Ich kann die Kritik verstehen - aber bin sicher, dass Bürger verstehen, dass wir der Qualitätsverbesserung durch diese Maßnahme Rechnung tragen müssen.“ In der neuen Notfallambulanz, die in einem Teil des Erdgeschosses vom ehemaligen Krankenhaus untergebracht ist, kann laut KRH jeder Notfall erstversorgt werden. Auch Krankenwagen können den Standort ansteuern.

Ob Patienten anschließend in Springe weiterbehandelt werden, hänge von der Diagnose ab: Im Falle eines Herzinfarktes müssten Patienten nach Gehrden gebracht werden - allergische Reaktionen oder eine Lungenentzündung könnte aber auch in der Ambulanz behandelt werden. Dafür steht in der Einrichtung rund um die Uhr ein Internist zur Verfügung. Zudem gibt es ein Notfalllabor und einen Röntgenraum, die beide zuvor im Krankenhaus genutzt worden waren. Außerdem gibt es sechs Betten, „für die Überwachung und Erstversorgung, bevor die Patienten bedarfsgerecht weitergeleitet werden“, heißt es in einer Mitteilung. Die Notfallversorgung ist organisatorisch ans Robert-Koch-Klinikum in Gehrden angebunden.

In Gehrden geht es auch für die Mehrheit der 170 Mitarbeiter weiter, die bislang am Standort Springe tätig waren. 90 Prozent hätten sich für den Wechsel dorthin entschieden, teilt Unternehmenssprecher Bernhard Koch mit. „In Einzelfällen gehen Mitarbeiter auch in andere KRH-Häuser oder sie sind auf eigenen Wunsch ausgeschieden.“

Derweil stellt sich eine Frau mit einem großen Pappschild auf dem Flur der Springer Klinik. „Finger weg von unserem Krankenhaus“, steht darauf. Elisabeth Pfeiffer (82) stellt das Schild auf einen Stuhl und spricht den Mann an, der in der Nähe steht. „Ich habe gegen das Klinik-Aus demonstriert. Ich kann an das Ende gar nicht so recht glauben“, sagt sie sichtlich bewegt. Der Angesprochene stellt sich als Holger Dorl heraus. Er wirbt bei Pfeiffer um Verständnis: „Wir müssen unsere Kompetenzen bündeln.“

Pfeiffer erklärt ihm, wie eng ihre Familiengeschichte mit der Geschichte des Krankenhauses ist. „Mein Neffe ist hier geboren, mein Mann ist hier gestorben und ich selbst habe hier lange als Angestellte gearbeitet, meine Tochter hat hier sogar den Beruf der Krankenschwester gelernt.“ Dorl hört sich ihre Geschichte an. Nickt manchmal. Etwas später steht Pfeiffer draußen, auf der Straße, die zur Notfallambulanz führt. „Ich verstehe nicht, dass hier sonst niemand ist, der sagt, dass er gegen die Schließung ist. Wir sind doch viele Leute hier.“

Von Ralf T. Mischer und Marita Scheffler

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