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OHG ist Vorreiter in Sachen individueller Unterricht

Springe OHG ist Vorreiter in Sachen individueller Unterricht

Ein berührender Moment in der Verwaltung des Otto-Hahn-Gymnasiums: Schulleiterin Kerstin Prietzel schluckt, als sie die Urkunde des Deutschen Down-Syndrom- Infocenters für besonderes Engagement für Kinder mit der Genommutation entgegennimmt und sorgfältig liest.

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Überzeugungstäter: Mareile Demann (rechts) bedankt sich bei Schulleiterin Kerstin Prietzel für gelingende Inklusion am OHG.

Quelle: Weißling

Springe. Als sie ihre Sprache wiederfindet erklärt sie, warum gerade diese Auszeichnung für hervorragende Inklusionsarbeit sie tief berührt. „Für uns bedeutet dieser Bereich noch viel Ausprobieren und nicht immer Gelingen. Das ist aber egal, weil es hier um Haltung geht. Darum, wie wir finden, dass Schule sein soll“, sagt Prietzel. Ein so ausdrückliches Dankeschön dafür zu bekommen sei außergewöhnlich und schön.

Die Auszeichnung gab es nicht etwa für den aus der Schulpraxis am OHG entwickelten Ratgeber „Inklusion am Gymnasium, wie kann das gelingen“, dessen Inhalt Lehrer Jürgen Bock gerade erst auf der Bildungsmesse Didacta vorgestellt hat. Nein, sie geht auf die Initiative der Familie Demann zurück, deren 14-jährige Tochter mit Down- Syndrom inzwischen die achte Klasse des Gymnasiums besucht. Mit anderen Lernzielen als ihre Mitschüler, aber trotzdem aus Überzeugung, wie die Familie betont.

„In einer Zeit, in der neun von zehn Kindern mit diagnostiziertem Down-Syndrom in der Schwangerschaft abgetrieben werden, handelt diese Schule visionär“, ist Mutter Mareile Demann überzeugt. Lilly profitiere enorm davon, ständig gefordert zu sein und könne ihr Potenzial ausschöpfen. „Unsere Tochter wäre ohne diese Schule nicht die, die sie heute ist“, betont Demann.

„Das ist keine Einbahnstraße“, erwidert die Direktorin: „Für uns ist Lilly Schulentwicklung seit dem ersten Tag“. Die beiden Klassen mit Inklusionsschülern seien die Motoren der Schule, wenn es darum geht, neue und bessere Unterrichtsmodelle zu entwickeln. Ein Beispiel: Das Thema Individualisierung des Unterrichts. „Wir finden heraus wie es funktioniert, wenn alle am gleichen Inhalt arbeiten, aber in unterschiedlichen Tiefen und teilweise auch in anderer Atmosphäre“, veranschaulicht Lehrer Jürgen Bock, was gemeint ist.

Er selbst sei über die Begabungsförderung auf das Thema Inklusion gekommen. „Aus meiner Sicht gehört das zusammen“, sagt er. Bei Unterricht, der ganz unterschiedliche Schüler weder langweilen noch überfordern soll, gelte es, jeden individuell zu fordern. „Nach Möglichkeit bis an seine Grenze und ein Stück darüber hinaus“, vergleicht Bock die Herangehensweise mit der von Leistungssportlern.

Die ersten Inklusionsklassen stehen noch vor der Herausforderung, dass es kaum auf sie zugeschnittenes Unterrichtsmaterial gibt. Noch müssen Lehrer und Förderlehrer tragfähige Unterrichtsmodelle selbst entwickeln. Weil die OHG-Lehrer ihre Erfahrungen in Buchform für andere zugänglich gemacht haben, werden sie inzwischen von Kollegen anderer Schulen um Rat gebeten. Im Sommer startet die dritte Integrationsklasse am OHG. „Wir stehen voll hinter diesem Weg“, sagt Prietzel.

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