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Springe feiert 20 Jahre Inklusion

Paritätische Lebenshilfe Springe feiert 20 Jahre Inklusion

Seit der UN-Behindertenrechtskonvention reden alle darüber - in Springe arbeiteten behinderte und nicht behinderte Menschen bereits zusammen, als das Wort Inklusion noch keiner benutzte. Am Dienstag feierte die Außenarbeitsgruppe der Paritätischen Lebenshilfe auf dem Nordeon-Werksgelände.

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Feierstunde: Mitarbeiter der Außenstelle unterhalten die Besucher des Festaktes mit einem Musikstück.

Quelle: Ralf T. Mischer

Springe. Inge Panzers Augen leuchten. Für sie war es immer etwas Besonderes: Die 58-Jährige war dabei, als die Außenstelle ihre Arbeit in der ehemaligen Lehrlingswerkstatt der AEG-Lichttechnik aufgenommen hat. Das war am 9. Mai 1996 - „Ich hatte richtig Herzklopfen, als ich zur Arbeit gegangen bin“, sagt Panzer strahlend.

Immerhin war ihr neuer Arbeitsplatz keine klassische Behindertenwerkstatt, sondern angekoppelt an die Produktionsabläufe eines großen Leuchtenherstellers. „Wir alle waren wirklich stolz, dass wir hier waren.“

Heute arbeiten 20 gehandicapte Mitarbeiter sowie zwei Betreuer in der Außenstelle der Lebenshilfe, übernommen werden dort Montagen, Versandtätigkeiten und Logistikarbeiten für Nordeon und andere Firmen.

Bei der Lebenshilfe Schaumburg-Weserbergland gab es anfangs nicht nur Begeisterung für das Pilotprojekt in Springe. „Viele waren der Meinung, dass das nicht funktionieren kann“, erinnert sich Ulrike Mohr (64). Sie war vor 20 Jahren Gruppenleiterin in der Werkstatt. Und ist froh, dass aus dem Pilotprojekt eine Vorzeigewerkstatt geworden ist.

Als Personalchef bei der AEG-Lichttechnik war Johannes Stange dafür mitverantwortlich, dass die Kooperation des Lampenherstellers mit der Lebenshilfe zustande kam. Und er schwärmt noch heute davon, wie gut gelaunt und froh die Mitarbeiter ihrer Arbeit in der Außenstelle nachgingen: „Sie sagten nicht mehr: Ich gehe zur Behindertenwerkstatt - sondern: ‚ich gehe arbeiten - zur AEG‘.“

Behindertenwerkstätten nehmen Menschen mit geistigen Handicaps auf und qualifizieren sie für die Produktion in den Werkstätten. Das Ziel soll sein, dass sie dadurch in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden können. Zumindest theoretisch. Bernd Hermeling, Geschäftsführer der Lebenshilfe: „Das Ziel ist ja immer: mehr Teilhabe in allen Bereichen - so war das auch bei dieser Außenstelle“, sagt er. Tatsächlich nutzen die Außenstellen-Mitarbeiter bis heute wie jeder andere Nordeon-Angestellte alle Einrichtungen im Werk, von der Kantine bis zum Eingang.

Aber der Zugang in den ersten Arbeitsmarkt bleibt ihnen noch heute in den meisten Fällen verwehrt. Trotz aller Sonntagsreden zum Thema Inklusion. Trotz der UN-Behindertenrechtskonvetion. Wenn man die korrekt auslegt, müsste man sagen: Inklusion ist dann, wenn alle Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt beschäftigt sind. Das ist bislang aber längst nicht erreicht worden.

„Das ist ein langer Prozess, bei vielen Firmen gibt es auch Ängste und Vorbehalte“, sagt Mohr. Hermeling wünscht sich, dass mehr Unternehmen dem Beispiel der AEG folgen würden: „Wir suchen weitere Kooperationspartner.“

In Springe jedenfalls hat sich die Zusammenarbeit als beständig erwiesen: Aus der AEG Lichttechnik wurde Philips - und heute Nordeon. Die Namen wechselten - die Außenstelle mit ihren Mitarbeitern blieb da.

Die Paritätische Lebenshilfe Schaumburg-Weserbergland beschäftigt heute in drei Einrichtungen sowie in Außenstellen insgesamt 600 Menschen mit Behinderungen. Die Mitarbeiter mit Beeinträchtigung arbeiten dabei für Industrie, Handel und Gewerbe. Aber auch für private Kunden werden Dienstleistungen wie Garten- und Landschaftspflege, Fahrzeugpflege und anderes angeboten.

Von Ralf T. Mischer

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