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„Pflege inbegriffen“ ist gefragt

Eldagsen „Pflege inbegriffen“ ist gefragt

Die Bestattungsgewohnheiten ändern sich ebenso wie die Lebensumstände. Deshalb bietet der Friedhof in Eldagsen neue Formen des Begräbnisses an. Viele Angehörige wollen sich nicht mehr um die Pflege der Gräber kümmern.

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Wilhelm Niedermeyer zeigt, dass Eldagsen Plätze für die sogenannte Baumbestattung bereithält.

Quelle: Mischer

Springe. Unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte, befand einst Heinrich Heine. Heute, 165 Jahre später, ist fraglich, ob es überhaupt einen Grabstein gibt: Die Bestattungsriten ändern sich ebenso rasant wie unsere Art zu leben. Der Eldagser Friedhof bietet deshalb immer mehr neuartige Grabstellen an. Ein Rundgang mit Friedhofsverwalter Wilhelm Niedermeyer.

„Wir möchten mit den neuen Angeboten den veränderten Lebensgewohnheiten vieler Bürger Rechnung tragen“, sagt Niedermeyer, der den 25 000 Quadratmeter großen Gottesacker ehrenamtlich für die Kirchengemeinde St. Alexandri verwaltet. Den größten Wandel kann er in Eldagsen bei der Art der Erinnerung feststellen: „Früher war es ganz normal, dass Angehörige sich regelmäßig ums Grab gekümmert haben.“ Heute wohnten viele Familien außerhalb und hätten keine Zeit, sich regelmäßig um die Pflanzen auf dem Grab zu kümmern. „Häufig sagt schon die ältere Generation, dass sie ihren Kindern und Enkeln die Pflege nicht aufbürden möchte“, berichtet er.

Genau das ist der Grund dafür, dass in der Gehlenbachstadt seit einiger Zeit auch Sargbestattungen ohne Pflegeverpflichtung angeboten werden. Sie sind teurer als die normale Variante. Die Angehörigen können zudem wählen, ob sie eine Grabstätte kaufen möchten, die eine Option auf Verlängerung hat. Kostenpunkt für die Sargbestattung ohne Pflegepflicht: 1200 Euro. Das günstigste Reihengrab mit Pflegeverpflichtung gibt es ab 600 Euro. Aber: Bei den teureren Gräbern ohne Pflegeverpflichtung kümmert sich der Friedhofsgärtner um die Pflanzen auf dem Grab.

Doch nicht nur bei der Bereitschaft der Angehörigen, das Grab zu pflegen, hat sich viel geändert. Generell macht sich jetzt auch in Eldagsen der Trend zur Feuerbestattung bemerkbar. Niedermeyer: „Im Jahr 2013 gab es noch mehr Sargbestattungen. 2014 hielten sich dann Sarg- und Urnenbestattungen die Waage.“ Für 2015 zeichne sich ab, dass die Urnenbestattungen in der Mehrheit sind.

Erklären kann Niedermeyer den Trend zur Feuerbestattung nicht. Aber er hat dafür Sorge getragen, dass der Friedhof entsprechende Angebote macht: Auch für die Urnenbestattung gibt es jetzt Grabstellen ohne Pflegeverpflichtung. Gewählt werden kann zwischen einer Rasenurnenreihengrabstelle (nicht verlängerbar) und einer Kies-urnenwahlgrabstätte (verlängerbar). Sie kosten jeweils 900 Euro. Für 1200 Euro gibt es eine Rasenurnenwahlgrabstätte, die auch verlängert werden kann.

Was es in Eldagsen nicht gibt, sind Gräber ohne Grabstein oder Namenshinweis. „Auf vielen Friedhöfen werden solche anonymen Grabfelder angeboten“, weiß Niedermeyer. „Wir denken aber, dass der Name das Unverwechselbare des Menschen ausmacht - und für das Gedenken wichtig ist.“

von Ralf T. Mischer

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