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Schüler kürzen über Bahngleise ab

Springe Schüler kürzen über Bahngleise ab

Immer wieder laufen Schüler, die mit dem Zug nach Springe kommen, auf ihrem Weg zum Unterricht über die Gleise am Bahnhof. Um die leichtsinnigen Fahrgäste zu belehren, hat die Bundespolizei nun Kontrollen durchgeführt - und die ersten Strafgelder über 25 Euro einkassiert.

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Auf frischer Tat erwischt: Die Bundespolizisten halten die Jugendlichen an, die zuvor die Abkürzung über die Gleise genommen haben.

Quelle: Hermes

Springe. Bereits morgens um 7.15 Uhr stehen sechs Bundespolizisten und Jens Günther, Kontaktbeamten der Stadt Springe, an den Gleisen am Bahnhof in Springe. „Noch etwa zehn Minuten“, sagt Bundespolizist Lars Beyer. Er nimmt sein Funkgerät in die Hand und gibt den Beamten, die sich hinter dem ehemaligen Reisebüro aufgestellt haben, den aktuellen Stand durch.

Er und seine Kollegen warten auf die S-Bahn aus Richtung Hannover, die von montags bis freitags zig Berufsschüler an den Deister bringt. Von denen läuft ein kleiner Teil jeden Morgen über die Gleise, verlässlich, seit Jahren. Trotz Kontrollen und Geldstrafen, trotz Aufklärungsarbeit. „Tausende Schüler besuchen die BBS, immer wieder kommen neue nach.

Spätestens nach dem Sommer, wenn ein neues Ausbildungsjahr beginnt“, sagt Beyer. Und meistens brauche es nur einen, um das Problem wieder anzufachen. „Wenn es einer vormacht und über die Gleise läuft, machen es ihm andere nach.“ Die vermeintliche Abkürzung sei zwar verlockend, „aber lebensgefährlich“. Die älteren Schüler müssten auch an ihre Vorbildfunktion für Jüngere denken. „Und alles nur, weil denen die Wartezeit zu lang ist, wenn sich die Fahrgäste gleichzeitig durch den Fußgängertunnel drängeln.“

7.26 Uhr: Gleich kommt die Bahn

Die Bundespolizisten werden unruhiger. Der Zug fährt jeden Augenblick ein. Die Beamten beziehen ihre Standorte an den Gleisen. Zu erkennen sind sie für die Schüler gut: Die Polizisten stehen nicht in zivil auf dem Bahnhof, sondern in voller Montur. „Heute geht es um Prävention und nicht um Repression“, betont Beyer.

7.28 Uhr: Erste Fahrgäste müssen zahlen

Mit zwei Minuten Verspätung fährt die S-Bahn in Springe ein. Alles geht ganz schnell. Zahlreiche Fahrgäste strömen aus den einzelnen Waggons. Sie schenken den Beamten keine Beachtung. Der Bahnhof leert sich, fast alle nehmen den Weg über die Unterführung. Fast alle: Drei Schüler können es nicht lassen. Obwohl sie die Bundespolizisten sehen, sogar den Blickkontakt suchen, versuchen sie, unbeobachtet über die Gleise zu kommen. Lars Beyer ist sofort zur Stelle und hält die drei jungen Männer auf. Es folgt eine Belehrung, zudem muss jeder von ihnen 25 Euro Strafe zahlen. Beeindruckt scheinen die Jugendlichen davon nicht zu sein. Sie lachen und zünden sich sogleich eine Zigarette an.

„Eigentlich hätten wir es heute bei einer Verwarnung belassen wollen“, sagt der Bundespolizist aus Hannover. „Aber die Jungs hatten sogar noch Kopfhörer in den Ohren – das geht gar nicht. Wie hätten sie einen heranfahrenden Zug hören sollen?“ Und noch etwas ärgert ihn: „Wenn sie uns Polizisten in Uniform nicht mal hier an den Gleisen entdecken, wie sollen sie denn Züge sehen, die nicht anhalten, sondern durch Springe durchfahren?“

Am Tag darauf, diesmal in zivil

Um 7.15 Uhr sind die Bundespolizisten wieder vor Ort, dieses Mal in zivil. Sie wollen testen, ob die Maßnahme vom Vortag Wirkung gezeigt hat. Wieder postieren sich die Beamten an verschiedenen Stellen entlang der Bahngleise. Pünktlich um 7.26 Uhr kommt die S-Bahn aus Hannover an. Wieder strömen zahlreiche Fahrgäste aus den Waggons.

Kein einziger von den angekommenen Fahrgästen nimmt die Abkürzung über die Gleise. Ohne Vorkommnisse bleibt der Morgen dennoch nicht. Um die S-Bahn, die gerade in Springe eingefahren ist, noch rechtzeitig zu erwischen, nutzt ein Mann die Abkürzung über die Gleise auf den Bahnsteig. Damit hatten die Beamten nicht gerechnet. Anhalten können sie ihn nicht, zu schnell ist er in der S-Bahn verschwunden.

„Wir kommen wieder“, sagt Lars Beyer. In regelmäßigen Abständen wolle die Bundespolizei am Bahnhof Springe Präsenz zeigen. „Das Problem ist noch nicht vom Tisch.“ In Absprache mit der Bundespolizei will das Kommissariat in Springe die Schulen nun wieder vermehrt kontaktieren, „um vor Ort direkt bei den Schülern Aufklärungsarbeit zu leisten“, sagt Günther.

Von Sandra Hermes

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