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Ein schwieriger Spagat

Springe Ein schwieriger Spagat

Wirtschaft, Naherholung, Natur: So vermittelt Forstamtsleiter Christian Boele-Keimer zwischen den Interessen.

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Mit Hund im Regen: Forstamtschef Christian Boele-Keimer ist mit seiner Deutsch-Drahthaar-Hündin Caro im Wald unterwegs.

Quelle: Ralf-Thomas Mischer

Springe. Der Deister ist für alle da - klingt gut, der Satz. Doch wenn alle im Deister wären, würden sie sich gegenseitig auf die Füße treten. Zumal Erholungssuchende andere Interessen haben als etwa Jäger. Deshalb muss es Regeln geben, an die sich alle halten. Und einen, der sie festlegt. Das macht den Job des Forstamtsleiters manchmal so schwierig wie den eines Diplomaten, der mit einem Schwarzen Loch über mehr Licht verhandeln will. Dies wird bei einem Revier-Rundgang durch das Saupark-Revier der Landesforsten deutlich.

Christian Boele-Keimer sitzt im Dienstwagen - noch. Vor sechs Minuten fielen die ersten Tropfen, mittlerweile hat sich der Schauer, gefühlt, zu einem tropischem Monsun entwickelt. Wer da noch draußen steht, ist sofort nass. Der Forstamtschef öffnet die Autotür, schaut kurz nach oben, dann geht er los. Irgendwann muss es ja losgehen.

Das Forstamt Saupark ist 7400 Hektar groß; die Waldflächen befinden sich im Schwerpunkt in den Höhenzügen des Großen und des Kleinen Deisters. Eine Menge Holz. Und doch viel mehr als das. Springer und Hannoveraner nutzen das Gelände zur Erholung, erst kürzlich wurde eine Mountainbike-Strecke eingeweiht, Jogger, Wanderer, Geocacher, sie alle sind im Wald unterwegs, gerade im Sommer.

„Die größte Herausforderung ist der Kontakt mit den einzelnen Nutzergruppen“, sagt der Forstamtschef, dem mittlerweile das Wasser auf der Haut klebt. Grundsätzlich haben Sportler und Erholungssuchende im Wald viele Möglichkeiten. Sogar gegen Geocaching hat Boele-Keimer grundsätzlich nichts einzuwenden. „Ich habe mit Cachern noch keine negativen Erfahrungen gemacht“, sagt er. Problematisch werde es bei Caches nur dann, wenn sie in Schutzgebieten versteckt sind oder allzu weit abseits der Wege liegen.

In dem Zusammenhang spricht der Förster von einem „Dreiklang zwischen Waldwirtschaft, Naturschutz und der Erholungsfunk­tion“. Um diesen Dreiklang zu wahren, müssen er und seine Kollegen auch manchmal eingreifen. Etwa gegen illegale Mountainbike-Trails im Deister. „Eines der größten Probleme bei diesen Strecken ist, dass wir im Falle eines Unfalls in die Versicherungspflicht genommen werden können.“ Zudem werde der Waldboden durch unkontrolliertes Mountainbiken abseits der Wege zerstört, weshalb es nur auf der von der Region betreuten offiziellen Strecke erlaubt ist. Dort werden sowohl Nutzung als auch Auswirkungen der Touren auf den Wald wissenschaftlich überwacht und anschließend ausgewertet.

„Das ist ein ständiges Abwägen der Interessen von Waldwirtschaft, Erholung, Naturschutz“, sagt Boele-Keimer. Grundsätzlich hält er sich dabei an die Devise, dass Menschen im Wald grundsätzlich willkommen sind. Und dass viel möglich gemacht werden sollte, um es ihnen zu ermöglichen, ihrem Hobby nachzugehen. Denn: „Ein Besuch im Forst prägt die Menschen.“ Bestenfalls trage er dazu bei, dass Menschen für die Natur sensibilisiert werden und sich sogar für den Wald einsetzen.

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