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Spiel, Satz und Sieg

Springe Spiel, Satz und Sieg

Im Museum in Springe ist ab dem kommenden Sonntag die Sonderschau "Wir spielen" zu sehen. Dann dreht sich alles um Bauklötze, Puppen, Schachfiguren, Würfel und vieles mehr, was Kindern Spaß macht.

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Spielkarten aus einem Jahrhundert (kleines Bild unten) haben Heidi Dopheide (links) und Angelika Schwager (rechts), die sich gerade am Kickertisch duellieren, zusammengetragen.

Springe. Duell am Kickertisch: Angelika Schwagers Abwehr steht wie eine Eins. Heidi Dopheide hat ihre liebe Mühe, den Ball an ihren Holzfiguren vorbeizubugsieren. Klappt nicht. Auch das gehört zum Spielen dazu: verlieren. „Und wer spielt, versteht das“, sagt Dopheide, die einen Großteil der Exponate für die neue Ausstellung im Museum beigesteuert hat. Da dreht sich ab Sonntag alles um Bauklötze, Würfel, Puppen, Schachfiguren und Co.

Alles nur ein Spiel? Von wegen! „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, hat schon der große Friedrich Schiller geschrieben. Die passionierte Spielerin und Museumschefin Angelika Schwager sagt es ein wenig anders: „Wer spielt, lernt.“ Wie groß ihre Spielesammlung eigentlich ist, kann Dopheide gar nicht genau sagen. „Es macht mir Riesenspaß, mich damit zu befassen - zum Leidwesen meines Mannes“, räumt sie ein. Vom Umfang und der Vielfalt ihrer Sammlung können sich jetzt alle Springer überzeugen.

„Jedes Spielzeug hat seine eigene Geschichte“, sagt Schwager. Und öffnet eine Vitrine, holt eine etwas derangierte Puppe heraus. „Die ist aus dem Museumsfundus“, erläutert sie. Die Frau, die sie abgegeben hat, hatte sie schon von ihrer Oma bekommen. Und die wiederum von ihrer Mutter. „Die Puppe ist mindestens 100 Jahre alt, hat die Flucht nach dem Ersten Weltkrieg mitgemacht. Wenn die erzählen könnte!“

Weit über 150 liebevoll zusammengetragene Exponate künden bei dieser Schau davon, dass sich das Spielen im Lauf der Zeit geändert hat, dass die Spielzeuge immer aufwendiger werden. Dopheide interessieren aber eher jene, die Spieler mit einfachsten Mitteln fesseln.

So wie das Winterspiel des Verlags J. W. Spear und Söhne aus Nürnberg aus dem Jahr 1916. Erhalten ist davon nur noch das Spielbrett aus Pappe. Dopheide hat es im Internet entdeckt - und bestellt. „Die Regeln lassen sich nicht mehr genau rekonstruieren - aber es war jedenfalls ein klassisches Brettspiel mit Figuren und Würfeln“, sagt sie. Familien verbrachten damals lange Winterabende vor dem bedruckten Stück Pappe, ohne Fernseher und Internet.

„Damals hatte man eben noch Zeit zum Spielen“, sagt Schwager. Die sollten sich die Ausstellungsbesucher auch nehmen. Immerhin können ausgewählte Spiele, darunter historische, an einem Spieletisch selbst getestet und an- oder auch durchgespielt werden.

Die Ausstellung „Wir spielen“ öffnet am kommenden Sonntag ab 10.30 Uhr ihre Türen. Zu sehen sein wird die Sonderschau während der üblichen Öffnungszeiten des Museums bis zum 17. Januar. Am Sonntag, 20. Dezember, erzählt Uwe Matz ab 11 Uhr zudem weihnachtliche Geschichten. Von Ralf T. Mischer

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