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Nachruf: Bürgermeister Hische gestorben

Springe Nachruf: Bürgermeister Hische gestorben

Der Bürgermeister der Stadt Springe, Jörg-Roger Hische, ist am Freitag völlig unerwartet gestorben. Erst am Donnerstagabend hatte es in der Ratssitzung noch geheißen, Hische solle bald seinen Dienst nach einer überstandenen Herzoperation wieder antreten. Die Nachricht hinterlässt Familie, Freunde und eine ganze Stadt in Schock und Trauer.

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Jörg-Roger Hische ist unerwartet gestorben.

Springe. Vor den Türen am Rathaus liegen Sonntagmorgen Blumen mit schwarzem Trauerflor. Die Flaggen an den städtischen Gebäuden wehen ab dem Mittag auf Halbmast. In den Kirchen, in den Gaststätten, bei Veranstaltungen und zu Hause reden die Menschen über Hisches Tod. Über das Warum. Über die Unfassbarkeit. Darüber, wie man damit umgeht.

Hische, so empfinden das sehr viele Springer, war einer von ihnen. Das ist nicht selbstverständlich, nicht in der Bundes- und Landespolitik, aber immer öfter auch nicht mehr im Lokalen. Hische war ein Bürgermeister im besten Sinne, ein Meister der Bürger. Einer, der wusste, wo der Schuh drückt. Der Klartext sprach, sich aber auch nicht um eine Entschuldigung drückte, wenn er aus seiner Sicht übers Ziel hinausgeschossen war.

Hische musste auch einstecken - gerade, als er sich Anfang 2010 nach Jahrzehnten von seiner CDU löste. Wie richtig diese Entscheidung für ihn war, zeigte seine Wiederwahl ein Jahr später - mit deutlicher Mehrheit und mit Stimmen aus allen politischen Lagern, dreißig Jahre, nachdem der Polizist reingerutscht war in diese Welt der Politik.

Nach einem Polizeieinsatz in Bremen fühlte er sich vom Land „verheizt“, berichtete der Bennigser vor einigen Jahren. Er wollte sich wehren. Er trat in die CDU ein, 1986 ging er in den Bennigser Ortsrat, 1994 in den Springer Stadtrat. Hische übernahm Verantwortung, wurde Vize-Ortsbürgermeister, Fraktionschef, 2001 dann Bürgermeisterkandidat der CDU. Sie brauchten einen, der gegen den Favoriten antrat, den damaligen SPD-Bürgermeister Gerd Schwieger. Manche sagen später: Sie brauchten einen, den sie verheizen konnten, der ohnehin verlieren würde. Doch Hische schaffte den Sensationssieg und trat am 1. Oktober 2002 seinen Dienst im Rathaus an.

Knapp 13 Jahre später zeigt sich jetzt die Trauer um den Bürgermeister überall in Springe. Bei den Stadtmeisterschaften in Altenhagen I spielen die Mannschaften mit Trauerflor und eröffnen die Partien mit einer Gedenkminute für den Bürgermeister. Die Völksener Feuerwehr lässt ihr Sommerfest in Gedenken an den verstorbenen Dienstherren eine Nummer kleiner ausfallen.

Der Verlust wird noch lange nachwirken. Nicht nur bei Familie und Freunden von Jörg-Roger Hische. Sondern auch im Alltag von Springe.

Übers Wochenende kommen auch die ersten Reaktionen aus der Politik. SPD-Parteichef Eberhard Brezski erklärt auf der Internetseite seiner Partei, man sei zwar politisch nicht immer einer Meinung gewesen, „wir sind uns aber immer mit gegenseitigen Respekt begegnet und konnten uns immer in die Augen sehen, weil wir offen und ehrlich miteinander umgegangen sind.“ Hisches Bereitschaft, sich bei öffentlicher Kritik vor seine Mitarbeiter zu stellen, sei „ein nicht hoch genug einzuschätzender Charakterzug“.

Auch die CDU-Vorsitzende Elke Riegelmann äußert sich am Sonntag in einer Stellungnahme; erinnert an Hisches „den Menschen zugewandte Art“, die ihm „große Sympathiewerte über Parteigrenzen und Meinungsverschiedenheiten hinweg“ eingebracht habe. Riegelmann beschreibt Hische als „geradlinig, offen, oft einen flotten Spruch auf den Lippen, seinen persönlichen Prinzipien treu bleibend“.

Zu Wort meldet sich per Facebook aber auch Hisches Heimatverein, der FC Bennigsen, wo man den Bürgermeister als „Mitspieler, Mitglied, glühender Fan und vor allem Freund“ in Erinnerung behält. Hische habe sich als Zuschauer kaum ein Spiel der ersten Herrenmannschaft entgehen lassen, schreibt der Verein. Zur neuen Saison habe er ein altes Versprechen einlösen wollen: Sobald es in Bennigsen wieder eine Ü 50-Mannschaft gibt, wollte der Bürgermeister wieder für seinen FCB spielen.

Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, deren Leiter Hische war, erhielten die traurige Nachricht noch am Freitag von Gerd-Dieter Walter, offizieller Stellvertreter des Bürgermeisters. Walter war es auch, der am Freitagabend per E-Mail die Ratsmitglieder sowie die Ortsbürgermeister über Hisches Tod informiert hatte. Erst am Donnerstagabend hatte es in der Ratssitzung noch geheißen, Hische solle bald seinen Dienst wieder antreten. Er hatte gerade eine Herzoperation überstanden und sich in der Reha erholt.

Von Christian Zett

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