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Springe Chancen statt Sorgen

Springes Polizei erwartet die Flüchtlingsunterkunft im Krankenhaus gelassen. Sie sieht kein Risiko für die Bevölkerung - in jedweder Hinsicht.

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Sehen kein Risiko für die Bevölkerung: Polizeichef Christian Krone (links) und Einsatz- und Streifendienstleiter Lutz Fricke. Zett

Springe. Die Grünen-Ratsfrau Sabine Schiepanski hatte für Wirbel gesorgt - und sich sogar Ärger in der eigenen Partei eingehandelt. Die Polizei sei für die geplante Flüchtlingsunterkunft im Krankenhaus unterbesetzt, spekulierte sie im Rat, die Sicherheit in Gefahr, Spaziergänger könnten sich gar „durch gelangweilte Bewohner gestört fühlen“. Bei der Polizei hat man die kurze Debatte ebenfalls verfolgt. Und will mit Gerüchten und Vorurteilen aufräumen.

Man erwarte weder größere Konflikte innerhalb der Unterkunft noch eine Zunahme von Straftaten in der Stadt. Das betonen Springes Polizeichef Christian Krone und Einsatzdienstleiter Lutz Fricke. Beide sehen die Einrichtung, die manch einem Bürger offenbar Sorgen bereitet, eher als Chance: „Wir können die Menschen, die zu uns kommen, mitnehmen und integrieren. Das gilt nicht nur für die Polizei. Sondern für alle Bürger“, sagt Fricke.

Massenschlägereien in Springe nicht zu erwarten

Das Vorurteil in Sachen Straftaten werde durch keine Anhaltspunkte bestätigt, sagt Fricke: „Es gibt keinerlei Anzeichen für das Risiko erhöhter Kriminalität.“ Das hätten nicht nur Erfahrungen an anderen Standorten gezeigt. „Wir haben es hier auch in erster Linie mit Kriegsflüchtlingen zu tun. Sie haben oft alles verloren, einen weiten, gefährlichen Weg hinter sich. Die kommen nicht her, um Straftaten zu begehen.“

Man werde, sagt Krone, Probleme weder verschleiern noch verharmlosen. Dazu gehören für ihn auch Konflikte innerhalb der Einrichtung, die andernorts immer wieder aufflammen. Bei aller öffentlichen Aufmerksamkeit, die es etwa für Massenschlägereien gebe, sei deren Anzahl statistisch gesehen verschwindend gering. Und im Krankenhaus weitaus weniger zu erwarten als dort, wo die Menschen in großen Hallen untergebracht sind, ohne Privatsphäre und in Zusammensetzungen, die mitunter zu Konflikten führen. „Da liegen dann Flüchtlinge nebeneinander, deren Gruppen sich kurz vorher vielleicht noch bekriegt haben.“

Auch die Erfahrungen in den Heimatländern spielten bei Auseinandersetzungen innerhalb der Unterkünfte eine Rolle, weiß Krone: „Ein Flüchtling aus Somalia kennt es vielleicht so, dass bei der Essensausgabe nur die Leute vorne in der Schlange Brot bekommen. Die hinten gehen leer aus.“ Wenn er sich dann aus Angst vordrängele, seien Auseinandersetzungen kaum zu vermeiden.

Wenn knapp 300 Flüchtlinge ins Krankenhaus kommen, hätte Springe auf einen Schlag gut zehn Prozent mehr Einwohner. Braucht man da tatsächlich auch mehr Polizeikräfte? Krone winkt ab. Die Besetzung des Kommissariats hänge nicht von der Einwohnerzahl, sondern von einer ganzen Reihe von Faktoren wie zum Beispiel der Anzahl der Straftaten ab. Die ist in Springe und Umgebung traditionell ohnehin niedrig - und das wird sie nach der Lagebeurteilung auch bleiben.

Unterkunft auch vor rechter Gewalt schützen

Bei ihrer Analyse beschränken sich Krone, Fricke und ihre Kollegen nicht nur auf mögliche Probleme im Krankenhausgebäude oder aus ihm heraus: „Springe ist zwar generell nicht so geartet, aber wir müssen natürlich auch bedenken, dass die Unterkunft vor rechts motivierter Gewalt geschützt werden muss“, sagt der Polizeichef.

Eine weitere Herausforderung ist aus Krones Sicht der Umgang seiner eigenen Kollegen mit den Flüchtlingen: „Unsere Mitarbeiter sollen sensibel mit der Situation umgehen. Wir wollen niemandem das Gefühl geben, dass er Repressalien von der Polizei fürchten muss.“ Manche Flüchtlinge kennen nämlich genau das aus ihrer Heimat.

„Das Stadtbild verändert sich, keine Frage“, sagt Fricke. Doch das tut es jetzt auch schon, schließlich sind die neuen Krankenhausbewohner lange nicht die ersten Flüchtlinge, die nach Springe kommen.

Krone und Fricke wünschen sich, dass ganz Springe entspannt und offen mit den Neuankömmlingen umgeht: „Der Spaziergänger muss sich keine Sorgen machen. Stattdessen könnte er doch mit der syrischen Familie ins Gespräch kommen. Vielleicht erst mal mit Händen und Füßen. Aber es ist ein Anfang“, sagt Krone.

Von Christian Zett

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