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Staatsangehörigkeit: norwegisch - deutsch

Bennigsen Staatsangehörigkeit: norwegisch - deutsch

Rund 1042 Kilometer Luftlinie liegt zwischen Deutschland und Norwegen. Von dieser Entfernung war in Bennigsen aber nichts spürbar, als Harald Simonsen aus Bennigsen in der Reihe „Literatur im Bahnhof“ von seiner aufregenden Jugend in Hamburg sprach.

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Harald Simonsen erzählt von seiner Kindheit im Krieg.
Voigtmann

Quelle: VOIGTMANN

Bennigsen. Denn: Simonson hat sowohl die deutsche als auch die norwegische Staatsangehörigkeit.

Sein Vater, gebürtig aus Norweger, kam über einige Umwege nach Hamburg, wo er seine Frau heiratete und eine Firma zur Schiffsausrüstung gründete. Das Geschäft ging nach der Einführung der Rentenmark in den Konkurs. Da kam das Angebot einer Stelle im norwegischen Generalkonsulat gerade recht. 1927 wurde er zum Konsul ernannt - im gleichen Jahr wurde Sohn Harald Simonsen geboren, der 1934 eingeschult wurde. „Ich kann mich noch daran erinnern, dass in dieser Zeit Männer der Kampforganisation der NSDAP auf offenen LKWs durch die Straßen fuhren und ,Ein Volk, ein Reich, ein Führer!‘ skandierten“, so Simonsen.

Was andere nur noch aus Geschichtsbüchern kennen, hat der Bennigser hautnah miterlebt. „Wir waren mit dem Auto unterwegs, als wir nach Lokstedt kamen, mussten wir anhalten. Die Straße war gesperrt. Uns kam eine SA-Kolonne entgegen, an der Spitze der Träger der Hakenkreuzfahne“, erzählt er. Die Männer hatten offenbar erwartet, dass die Fahne mit erhobenem rechten Arm begrüßt würde. „Meine Mutter und Oma taten das, mein Vater aber nicht. Da kam ein Uniformierter aus der Kolonne zu uns herüber und ohrfeigte meinen Vater durch das Wagenfenster, er zeigte den Vorfall an. Die Konsularabteilung bei der hamburgischen Verwaltung wurde informiert und nahm die Sache mit Bedauern zur Kenntnis“, so Simonsen. Der „Ohrfeiger“ musste anschließend zur Entschuldigung beim Vater vorsprechen. „Wäre der Geohrfeigte nicht Mitglied eines Konsulats gewesen, hätte es sicher kein offizielles Bedauern gegeben“, ist sich der Bennigser sicher.

Auch die Judenverfolgung bekam der Bennigser schon als Schüler mit. „Eines Abends war ich mit meinem Vater in der Stadt unterwegs. Wir kamen an der brennenden Synagoge in der Oberstraße vorbei. Keiner war da, um das Feuer zu löschen.“

Mit gerade einmal zwölf Jahren bekommt Simonsen mit, wie sich Deutschland auf den Krieg vorbereitet. „In jeder Etage des Hauses mussten Feuerpatschen, Handwasserpumpen und Wasserbehälter sowie Kästen mit Sand bereitgestellt werden.“

Auf die Vorbereitungen folgte die Tat: Am 26. Juli 1943 folgte die Aktion „Gomorrha“. „Es waren ganze Bombenserien, deren Einschläge näher kamen, aber dann, Gott sei Dank, abbrachen. Die Erde bebte, und die Wände zitterten unter der Wucht der Explosionen“, erinnert er sich in seinem Vortrag.

Er sieht, wie das Feuer um sich greift. „Während meiner vergeblichen Löschversuche trugen meine Mutter und meine Schwester einige Gegenstände und die gepackten Koffer in den Keller oder in den Garten.“ Die Familie fand Zuflucht bei einer Schwester der Mutter. Sein Vater habe dann ein Blockhaus in Norwegen bestellt, das in Ohlstedt errichtet wurde. Dort erlebte die Familie das Kriegsende 1945.

Für Simonsen ging die Schule wieder los. Nach dem Abitur wurde er in Norwegen als Wehrpflichtiger eingezogen. 1951, zurück in Deutschland, begann er in Hannover ein Maschinenbaustudium.

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