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Stadt fordert Verzicht aufs Auto

Springe Stadt fordert Verzicht aufs Auto

So wenig im Trend wie heute war Zufußgehen noch nie: Springes Klimaschutzmanagerin Katrin Härtel wirbt dafür, dass Kinder den Schulweg gehend erkunden, statt mit dem Auto gebracht zu werden. Doch auch Eltern will sie überzeugen. Ein Plädoyer fürs gute, alte Zufußgehen.

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Lieber ohne Auto: Der Kontaktbeamte Karl Heinz Freidrich (links) und Klimaschutzmanagerin Katrin Härtel fordern den Verzicht aufs Auto.

Quelle: Zett

Springe. 600 Meter zu Fuß, 1000 Meter mit dem Rad. Das war’s. Weiter schafft es der Durchschnittsdeutsche heute nicht mehr, ohne sich ins Auto zu schwingen, in Bus oder Bahn. Härtel sitzt in ihrem Büro im Rathaus auf dem Burghof und schüttelt mit dem Kopf.

Ihr gefällt das nicht - vor allem, weil sich auch bei Kindern diese Tendenz einschleicht. „25 Prozent der Grundschulkinder kommen heute mit dem Elterntaxi“, sagt sie. Ergebnis: Mehr Verkehr, mehr Gefahr vor den Schulen. Ohnehin, sagt Härtel, sei das Auto gefährlicher als man denkt: Im Jahr 2012 seien in Nordrhein-Westfalen 10363 Kinder unter 15 Jahren im Auto verunfallt. Und nur 7171 zu Fuß - wobei es noch deutlich weniger wären, wären nicht hier häufig Autos beteiligt gewesen.

In allen Ortsteilen gibt es auch deshalb jetzt ein Projekt, das Kinder ermutigen soll, den Schulweg gemeinsam zu ergehen. Das heißt: Streng genommen sollen nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern ermutigt werden. Denn die bringen ihren Nachwuchs oft aus Angst mit dem Auto.

Härtel verweist dann auf die Unfallzahlen. Und auf die Vorteile, die sie bei der Werbung fürs Zufußgehen mitbringt. Für die Kinder fallen ihr da viele ein - es geht um deutlich mehr als die körperliche Gesundheit. „Sie entwickeln Selbstständigkeit. Der Schulweg ist eine Art Loslassen, eine Herausforderung, die die Entwicklung fördert.“ Auch wenn einige Väter und Mütter das nicht glauben mögen.

Auch der Kontaktbeamte der Polizei, Karl-Heinz Friedrich, und die Leiter aller Grundschulen im Stadtgebiete sind klare Verfechter des Gehen-Lassens. Die Skepsis zahlreicher Eltern ist jedoch groß: Nur noch gut die Hälfte der Kinder kommt heute allein zur Schule. „1976 waren es noch 90 Prozent“, sagt Härtel.

Dabei, betont Härtel, muss das Umdenken vor allem bei den Eltern passieren, die sich am Wochenende auch mal aufs Fahrrad schwingen könnten, um zum Bäcker zu kommen, die alles, was zu Fuß und gesundheitlich möglich ist, auch einfach mal zu Fuß machen sollten.

Härtel arbeitet seit einigen Jahren fleißig das Klimaschutzaktionsprogramm ab, das der Rat beschlossen hatte. Nicht alle Ziele sind so einfach umsetzen, so gut in den Alltag zu verwurzeln, wie dieses: Schuhe an und los. Dabei hilft jeder Springer seinem Geldbeutel und dem Klimaschutz - wenn er denn aufs Auto verzichtet. „Jeder sollte sich mal die Schadstoffwerte seines Wagens ansehen“, rät Härtel. Einige pusten mehr raus, als sie meinen.

Aber auch die Gesundheit freut sich - bei Kindern und Erwachsenen: „Zu Fuß gehen baut Stress ab, die Bewegung bekommt einen festen Platz im Tagesablauf“, sagt die Klimaschutzmanagerin. Denn gerade wer im Job viel sitzt, kann den Ausgleich gebrauchen.

Von Christian Zett

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