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Training mit dem Notfallkoffer

Springe Training mit dem Notfallkoffer

Herzgeschichten sind heikle Angelegenheiten. Herzkrankheiten erst recht. So gesehen ist der 30. Geburtstag der ersten Herzsportgruppe in Springe beachtlich.

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Stattliche Gruppenstärke: Aus anfangs acht Herzpatienten sind drei Herzsportgruppen mit insgesamt 80 Teilnehmern geworden, die gemeinsam ihre Gesundheit verbessern. Lüdersen (2)

Springe. Denn 1986, als der frisch zugereiste Arzt Fritz Funke sie aufbaute, war es noch üblich, Herzpatienten ins Bett zu stecken und sicherheitshalber ein paar Wochen dort zu lassen. Besonders solche, die einen Schlaganfall erlitten hatten. Herz und Kreislauf im Rahmen von Sport- und Bewegungstherapien zu fordern galt damals als unwägbares Risiko.

Denn so recht wusste niemand, was man geschwächten und akut gefährdeten Herzen zumuten konnte. „Da musste man in jedem Moment mit bösartigen Rhythmusstörungen rechnen“, sagt auch Funke, der damals frisch von der Uni kam und als wissenschaftlicher Assistent viel Erfahrung in Sachen Herzmedizin gesammelt hatte. Einem aufstrebenden Feld in der Medizin. Erst 1961 gab es das erste Langzeit-EKG. Die erste Herztransplantation 1967 war ein Wagnis, bei dem der Patient die Operation gerade mal 18 Tage überlebte. 1986 bekam der erste Deutsche ein Kunstherz. Auch er hatte nur wenige Tage Freude daran.

In den Springer Herzgruppen sei in allen den Jahren nie etwas passiert, sagt Funke. Um für den Notfall gerüstet zu sein, schob anfangs ein Sanitäter sogar den Notfallkoffer hinter den Gymnastiktreibenden her, wann immer sie ein paar Schritte draußen machten.

„Heute kommen die Patienten alle bestens kardiologisch untersucht dorthin, da müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn ausgerechnet da was passieren würde“, sagt der Internist Funke. Große Vorsicht schwingt trotzdem mit, wenn die Springer Herzpatienten ihren Puls mit leichten Übungen auf Touren bringen. Anders als in der Anfangszeit steht zwar kein Rettungswagen mehr parat, wenn die Herzpatienten per Leibesübung etwas für ihre Gesundheit tun. Doch bis heute gilt: kein Koronarsport ohne Arzt und Notfallkoffer. Wann immer die Mitglieder der TGV-Herzsportgruppe ihre Übungen absolvieren, steht ein Defibrillator bereit.

Gründungsmitglied Friedhelm Hoppe weiß das noch sehr genau, immerhin fuhr der frühere DRK-Mitarbeiter den „Defi“ in den vergangenen 30 Jahren stets vom DRK-Gebäude zu den Übungsstunden und wieder zurück. „Nicht selbstverständlich“, lobt der heutige Vorsitzende der Herzsportgruppe, Detlef Richter. Dankesworte und Präsente also für Hoppe und natürlich auch für den Arzt Fritz Funke, der trotz eigener guter Gesundheit von Anfang an auch selbst mit turnte.

Die ersten Herzkranken, die durch den Herzsport in der Funkegruppe ihre Krankheit durch Sport in den Griff bekamen, waren Paul Jans, Albrecht Ehlers und Helmut Luther. Mit den Erfolgsgeschichten wuchs auch die Gruppe rasch von anfangs acht Teilnehmern auf heute insgesamt 80 - aufgeteilt auf drei Gruppen. Damals noch Exoten im Vereinsleben sind Herz- und Koronarsportabteilungen in vielen Vereinen heute inzwischen eine feste Größe. In Springe ist die Herzsportgruppe des TGV inzwischen wieder die einzige Einrichtung dieser Art. „Nach der Auflösung des Reha-Sportvereins haben wir neben der Osteoporosegruppe auch deren Herzsportgruppe übernommen“ erklärt Richter. Unter Anleitung einer Krankengymnastin trainieren die Teilnehmer dienstags und mittwochs nicht nur ihr Herz, sondern fürs allgemeine Wohlbefinden. Kondition, Koordination, Schnelligkeit und Flexibilität sollen besser werden. „Und das machen die meisten gerne, weil es wie beim Breitensport einfach funktioniert“, sagt Funke.

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