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Vier Kandidaten, fünf Themen

Springe Vier Kandidaten, fünf Themen

Hitzig und faktenreich ging es bei der Podiumsdiskussion der vier Bürgermeisterkandidaten zu. Neben Springes Finanzen und den Wirtschaftsplänen für die nahe Zukunft sprachen sie auch über das weitere Vorgehen in der Flüchtlingsdebatte und über ihre jeweiligen Konzepte für die Stadtentwicklung.

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600 Besucher lauschen in der Aula des Otto-Hahn-Gymnasiums den Ausführungen der Bürgermeisterkandidaten.

Quelle: Rathmann

Springe. Da wurde gestritten, erklärt und kritisch nachgefragt: NDZ-Chefredakteur Marc Fügmann und Chef vom Dienst Christian Zett wollten genau wissen, was die Kandidaten vorhaben, wenn sie den Einzug ins Rathaus am Sonntag schaffen sollen. 600 Springer nutzen die Gelegenheit am Dienstagabend, sich über die Positionen der Bewerber zu informieren. Und da gibt es einige Unterschiede.

Rathaus-Ambitionen

Volker Gniesmer, SPD, 60, räumt offen ein, dass er nur für eine Amtszeit, also fünf Jahre lang, im Rathaus bleiben wollte. „Ich würde ja sonst noch mit 70 im Rathaus sitzen. Da sollen Jüngere ran“, sagt der Sozialdemokrat. Für Ralf Burmeister, CDU, wäre das kein Problem. „Wie ich das sehe, bin ich der Zweitjüngste hier“, sagt der 58-jährige Eldagsener. Dass er zunächst öffentlich erklärt hatte, nicht für das Amt im Rathaus kandidieren zu wollen, und später doch umgeschwenkt ist, liegt laut Burmeister daran, dass er sich damals „abschließend keine Meinung dazu bilden konnte“. Auch der Zeitpunkt der Wahl habe sich geändert. Christian Springfeld, 38, glaubt nicht, dass es ein Nachteil ist, dass er für die momentan noch kriselnde FDP antritt. „Das ist eine persönliche Wahl - und man wählt einen Bürgermeister und keine Partei.“ Uwe Lampe (62) sieht einen Vorteil darin, dass er als parteiloser Kandidat antritt - räumt aber ein, dass er mit dem Herzen noch bei der Sozialdemokratie sei: Vor der Kandidatur war er aus der SPD ausgetreten.

Finanzen

Alle Kandidaten sprechen sich geschlossen gegen Steuererhöhungen aus. Um den Schuldenberg der Stadt von aktuell mehr als 30 Millionen Euro abzubauen, bringen sie verschiedene Vorschläge ins Feld.

Christian Springfeld plädiert dafür, dass für die Stadt eine langfristige Perspektive entwickelt wird. Die bringe mehr Bürger und damit mehr Einnahmen in die Stadt. „Wir können Springe nicht kaputt sparen.“ Springfeld plädiert ebenso wie Lampe für ein allumfassendes Stadtentwicklungskonzept. Lampe möchte, dass sich die Bürger an der Erstellung beteiligen, um ein „neues Wir-Gefühl“ zu schaffen. Generell möchte er den Haushalt transparenter machen.

„Steuererhöhungen gibt es nicht“, verspricht Burmeister - zumindest werde er sie nicht auf den Tisch bringen. Der Rat habe aber ebenfalls die Möglichkeit dazu. Er räumt der Infrastruktur bei den Ausgaben die Priorität ein. Die müsse erhalten und verbessert werden, um kleine und mittelständische Betriebe nach Springe zu locken. „Bei den Grundstücken könnte die Stadt da auch mal in Vorleistung gehen“, meint der Christdemokrat - sprich: die Flächen auf eigene Kosten günstig anbieten.

Burmeister setzt sich für den Neubau oder Anbau eines neuen Rathausgebäudes ein. Die Zinsen seien niedrig wie nie, durch das neue Gebäude „schlagen wir mehrere Fliegen mit einer Klappe“: Die Bürgerfreundlichkeit nehme zu und die Stadt könne sich die teure Miete für das Verwaltungsgebäude an der Salzhaube sparen.

Volker Gniesmer indes ist davon überzeugt, dass sich Springe in der Wirtschaftswelt zu schlecht verkauft. Sein Rezept: „Wir brauchen einen Wirtschaftsförderer.“ Springfeld sieht das allerdings als „Sache des Bürgermeisters“. Gniesmer kontert: „Der Wirtschaftsförderer könnte ihm viele Kleinigkeiten abnehmen.“

Einen Zukunftsvertrag mit dem Land, der Springe bei der Entschuldung helfen könnte, lehnen alle Kandidaten einhellig ab. Der Grund: Ein solcher Vertrag lasse der Stadt zu wenig finanziellen Spielraum; viele freiwillige Leistungen müssten gestrichen werden.

Springes Wirtschaft

Ralf Burmeister möchte sich um die Ansiedlung kleiner und mittelständischer Betriebe bemühen: „Wir dürfen nicht hoffen, dass wir Großunternehmen ansiedeln, für die fehlt uns zu viel.“ Uwe Lampe indes warnt davor, große Firmen kategorisch auszuklammern: „Wir sollten alles dafür tun, um auch sie zu gewinnen.“ Gniesmer betont indes, dass der Mittelstand Springes Stärke sei: „Auf ihn müssen wir setzen.“ Als Ziel will er die Innenstadt wieder beleben. Christian Springfeld möchte von erfolgreichen Kommunen lernen: Er möchte sich Städte, die mit Springe vergleichbar sind und bei denen sich große Betriebe angesiedelt haben, zum Vorbild nehmen. „Fragen wir sie doch, wie sie das geschafft haben.“

Flüchtlinge

Ralf Burmeister hält die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin für „nicht unbedingt förderlich für jemanden, der als lokaler Bürgermeister der CDU kandidiert“. Nun müsse man „mit dem leben, was hier auf uns zukommt – und den Leuten die Angst nehmen“. Zugleich forderte er, dass all jene, die kein Asyl erhalten, „konsequent abgeschoben werden“. Volker Gniesmer möchte die Ängste der Menschen ernst nehmen, er glaubt, dass jene aber „teilweise auf Vorurteilen“ basieren. „Wenn die Flüchtlinge da sind, wird man sehen, dass die Angst unbegründet ist.“ Bei der Integration leiste die Stadt schon jetzt „sehr gute Arbeit“, nicht zuletzt, weil viele Flüchtlinge dezentral untergebracht sind. „Wenn alle mit anpacken, kann die Integration gelingen“, ist er überzeugt. Das Thema Abschiebung sprach er nicht an, gab aber zu bedenken, dass Flüchtlinge „alles hinter sich gelassen haben“. Und er stellte die Frage, ob man unter solchen Umständen „wieder zurück“ wolle. Christian Springfeld glaubt, dass viele Menschen helfen möchten – aber nicht wüssten, wo und wie das möglich ist. „Deshalb sollten wir es Helfern so einfach wie möglich machen. Etwa mit einem Online-Formular.“ Darin könnten Bürger eintragen, welche Leistungen sie erbringen können. Die Stadt könne die Bögen dann auswerten und die Ehrenamtlichen nach Bedarf ansprechen und einsetzen. Lampe plädiert dafür, dass Ehrenamtliche nicht auf „Dauer eingebunden werden wie Staatsorgane“. Gutes Engagement hält er aber für wichtig und möchte dieses als Bürgermeister selbst koordinieren.

Konzepte für die Zukunft

Sowohl Uwe Lampe als auch Christian Springfeld setzen auf ein Stadtentwicklungskonzept. Darin soll festgeschrieben werden, wie sich die Stadt in den kommenden Jahrzehnten verändern soll – und wie die Ziele erreicht werden können. Springfeld meint: „Das Teuerste ist Konzeptlosigkeit.“ Die erfolgreichsten Kommunen seien jene, die für die kommenden zehn bis 20 Jahre im Voraus planen. Burmeister ist erklärter Gegner eines solchen Konzepts. Durch langjährige Politik-Erfahrung hofft er zu wissen, „wo der Schuh drückt“, Politik müsse „offener sein für die Sorgen der Bürger“.

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