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Von Brüssel nach Lüdersen

Lüdersen Von Brüssel nach Lüdersen

Diskutiert wird bei dem Ehepaar Buckup schon am Frühstückstisch - ob über lokale Themen oder eben über europäische Entwicklungen wie den Austritt Großbritanniens aus der EU, je nach dem, welche Zeitungsseite gerade aufgeschlagen wird.

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Wünschen sich eine Aussichtsplattform für Lüdersen: Das Ehepaar Michael und Kerstin Buckup.

Lüdersen. „Das Thema Europa ist bei uns ein Dauerärgernis“, sagen die Lüderser. Die Konflikte, die derzeit in Europa ausgetragen werden, seien nicht einfach. „Auch die Finanzkrise ist noch nicht zu Ende“, befürchtet Michael Buckup. Das Modell „Europäische Union“ müsste einfach verbessert werden. „Für mich ist das ein Solidarprojekt.“

Mittlerweile redet Buckup aber nur noch über Europa. Politik macht er jetzt gemeinsam mit seiner Frau Kerstin in - und für - Lüdersen. Er kennt die großen Themen in Europa, leitet das Europäische Informations-Zentrum Niedersachsen in der Staatskanzlei und war bis 2007 nationaler Experte bei der Europäischen Kommission in Brüssel:

Der Lüderser Michael Buckup sitzt seit 2007 im Orstrat Lüdersen. Gemeinsam mit seiner Frau Kerstin tritt er bei der Kommunalwahl am 11. September für die SPD an. „Willy Brandt war schuld, dass ich in die SPD eingetreten war“, sagt er. Der 64-Jährige ist seit 1972 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. Der Lüderser wurde in Hamburg geboren. Vor der Politik hat er etwas ganz anderes gemacht: Von 1973 bis 1979 studierte er Theaterwissenschaft und Germanistik in Hamburg und bekam nach seinem Studium eine Regieassistenz der Staatlichen Schauspielbühnen Berlins. Später arbeite er als Chefdramaturg im Stadttheater Lüneburg, bevor er sich der Pressearbeit widmete - unter anderem im Niedersächsischen Justiz- und Europaministerium. Als freiberuflicher Journalist für den NDR kam er nach Hannover. Dort lernte er schließlich im Jahr 2000 seine Frau Kerstin kennen, die heute in der Justizvollzugsanstalt Sehnde arbeitet.

„Politisch war ich immer schon interessiert. Als wir nach dem Jahr 2006 nach Lüdersen zogen, war das mein Aufhänger, um mich auch in einer Partei zu engagieren“, sagt die 59-Jährige über sich rückblickend. Als Ortsbürgermeisterin Ursel Postrach mit einer Blume als Willkommensgruß für die beiden Neubürger vor der Tür stand, seien sie schnell ins Gespräch gekommen. „Ich meine, wo bekommt man heute noch solch eine große Aufmerksamkeit geschenkt.“

Dass das Paar nach Lüdersen zog, war ursprünglich nur als eine Übergangslösung gedacht. Michael Buckup hatte damals noch einen zweiten Wohnsitz in Brüssel. Fest steht: „Wir bleiben auf jeden Fall hier.“ Und das politische Engagement gehöre eben dazu. „In einem kleinen Ort kann man mehr bewegen“, so Kerstin Buckup.

Und ihr Mann ergänzt: „Man fühlt sich auch verantwortlich für den Ort. Und hier gibt es keine Parteipolitik, sondern es geht um Lüdersen.“ Sie sagen, dass sie dazu beitragen wollen, dass sich die Bürger im Bergdorf wohlfühlen. „Das ist Politik zum Anfassen“, meint die 59-Jährige, die, bevor sie nach Lüdersen zog, in Mittelrode wohnte. Besonders hilfreich: Der morgendliche und abendliche Spaziergang mit der 11-jährigen Hündin Emma. „Da treffen wir viele, unterhalten uns und werden angesprochen, was in Lüdersen gerade los ist“, sind sich die beiden einig. Wenn sie mit offenen Augen durch das Dorf spazieren, würde ihnen schnell auffallen, wenn Beete überwuchert seien.

Dass sich Themen aus der Europapolitik aber auch in einem kleinen Dorf widerspiegeln, wird besonders deutlich in Bezug auf die Flüchtlingspolitik. In der Alten Schule wohnt derzeit eine Flüchtlingsfamilie. „In kleinen Kommunen funktioniert die Integration besser. Die Flüchtlingspolitik geht auch im Kleinen“, so Michael Buckup.

Die Erfahrungen aus der Europapolitik seien aber auch für das Thema Windkraft hilfreich. „Über Windenergie wird hier gerade viel gesprochen“, weiß der Lüderser. Im Raumordnungsprogramm der Region sind mehrere Flächen in und um Springe für Windkraft vorgesehen.

Schon früh hat er sich mitpolitischen Themen beschäftigt, sagt er. Dabei habe ihm seine Oma geraten: „Lass die Finger von der Politik“. Nur sein Großonkel, Willy Sietas, habe sich bereits in der SPD engagiert. „Sein Gefühl für Gerechtigkeit hat mich geprägt. Er hat sich für seine Ideale eingesetzte“, sagt Buckup, der zwei Kinder hat. Als seine älteste Tochter mit 17 Jahren spontan bei einer Demo in Gorleben dabei war, sei er besonders stolz gewesen.

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