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Wie Springe einen eigenen Maibaum bekam

Springe Wie Springe einen eigenen Maibaum bekam

19,30 Meter hoch, geschält - und ein Fest drumherum, das mächtig Karriere gemacht hat: Seit 20 Jahren hat Springe einen eigenen Maibaum. Pünktlich zum runden Geburtstag hat Christa Heinzel vom Trägerverein große und kleine Geschichten rund um den Traditionsstamm gesammelt. Hier sind einige von ihnen.

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Steht seit Dienstagabend: Der Maibaum am Markt - noch ohne Schilder.

Quelle: Eckner

Springe. Rudolf Hohmann und seine Mitstreiter vom Skiclub waren es, die vor mehr als 20 Jahren das bayerische Brauchtum in den Norden importierten: Springe sollte es den Maibaum-Nachbarn Bad Münder und Barsinghausen gleichtun. Die Initiatoren warben bei Ortsrat, Vereinen und Bürgern für ihre Mission. Bei einem Treffen am 6. März im Handballerheim wurden dann Nägel mit Köpfen gemacht.

Kurz darauf wurde schon der erste Stamm gefällt: Er war 16 Meter lang und lagerte in einer Scheune in Völksen bei Bauer Zieseniß. Andreas Just von der Feuerwehr und Erhard Stehr vom Technischen Hilfswerk planten mit ihren Einsatzkräften die Logistik, um den Stamm nach Springe zu transportieren und auf dem Marktplatz aufzustellen.

Zuvor hatte der Skiclub den Baum geschält, damit später niemand von herabfallender Rinde getroffen würde. Aber auch traditionelle Gründe sprachen dafür: „Es gibt den Glauben, der Stamm des Maibaumes muss entrindet werden, damit sich unter der Rinde keine Geister festsetzen“, sagt Heinzel.

Auch der Maibaum ist übrigens ein echter Springer. Die Stämme werden von der Stadt gespendet und unter Mithilfe von Stadtförster Bernd Gallas ausgewählt. Voraussetzungen: kerzengerader Wuchs, maximal 19,30 Meter Höhe (sonst gibt es Transportprobleme). Der aktuelle Stamm stammt aus dem Jahr 2014.

Gegründet wurde der Maibaumverein am 5. März 1997. Den Vorsitz übernahm Rudolf Hohmann, Vize wurde Andreas Just, die Kasse verwaltete Erni Lüders, Schriftführer war Erhard Stehr. Im Beirat saßen Volker Forberich, Peter Böttcher und Peter Müller.

Die Vereine und der Ortsrat waren an Bord - die Politiker kümmerten sich um die Stammhalterung und die Vereine konnten für je 50 Mark Mitglied im Maibaumverein werden. Für das Geld gab es auch ein Schild, auf dem jeder Verein sein Wappen abbilden konnte. Die Schilder aus Aluminium sind bis heute fester Bestandteil der Maibaumoptik auf dem Marktplatz.

Beim ersten Aufstellen 1997 waren 37 Vereine inklusive Ortsrat und Maibaumverein dabei. Das Problem: Der starke Wind verbog die Schilder am Baum. 2004 schritten die Verantwortlichen schließlich ein: Seitdem werden die Abzeichen mit Karabinerhaken befestigt. Die Reihenfolge der Schilder wird jedes Jahr per Losverfahren neu bestimmt: Nur Ortsrat, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Maibaumverein beanspruchen traditionell die unterste Reihe für sich.

Die Verbundenheit mit der Heimat, die Präsentation der Vereine - all das ist bis heute nicht nur Programm des Maibaums selbst, sondern auch des dazugehörigen Festes. Für den Maibaumverein selbst ist es neben Spenden die Haupteinnahmequelle: Die ehrenamtlichen Mitglieder verkaufen dort jedes Jahr die Getränke. Vom Erlös werden der große Kranz, aber auch Reparaturen, Gema-Gebühren und die Versicherung bezahlt. Teil des Festes sind auch die Musikgruppen Springes: Sie treten ohne Gage auf. Auch heimische Firmen unterstützen nach Leibeskräften.

Aus dem Fest ist inzwischen ein Spektakel geworden: Es findet parallel zum verkaufsoffenen Sonntag, zum Tag der Vereine und alle zwei Jahre zum Deistertag statt. Lange war auch das Bürgerkönigschießen Teil des Sonntags.

u Das andere Fest: In den ersten drei Jahren gab es im Oktober auch ein Fest zum Abbau des Maibaums - doch der Aufwand wurde für die Ehrenamtler zu groß. Heute wird der Baum im Herbst unspektakulär abgebaut.

u Das bittere Fest: Heinzel erinnert sich, dass das Fest im Jahr 2002 vom Amoklauf in Erfurt erschüttert wurde: „Im Gedenken der Opfer wurde das Maibaumfest gekürzt.“

Info: Das Maibaumfest 2017 startet am Sonntag um 10 Uhr mit dem Freiluftgottesdienst. Um 11 Uhr wird das Fass angestochen, um 12 Uhr öffnen die Geschäfte.

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