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Zither-Konzert auf dem Hermannshof

Völksen Zither-Konzert auf dem Hermannshof

Als ich um kurz nach drei Uhr ankomme, stehen erst wenige Autos vor dem Eingang zum Hermannshof. Kein Wunder, denn die angekündigte Teezeremonie ist für lediglich sechs Gäste vorgesehen. Unter dem Blätterdach eines stattlichen Baumes haben zwei Japanerinnen im traditionellen Kimono alles für die feierliche Zeremonie hergerichtet.

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Völksen. Auf einem kleinen Tablett befindet sich eine Teedose - die Tokoname - mit einem aus Bambus gestaltetem Positionierungslöffel (Cha-Shaku) und einer Matchaschale, einer henkellosen Tasse. In der liegt bereits der Chasen, ein ebenfalls aus Bambus gestalteter Teebesen. Auf einem weiteren kleinen Tisch befindet sich ein Stövchen, auf dem eine gusseiserne Kanne mit heißem Wasser steht. Mit fünf weiteren Teilnehmern freue ich mich voller Erwartung auf das, was kommt. Von der bedienenden Geisha wird mir zuerst der Tee gereicht. Zuvor hatte sie noch einen Teller herumgegeben, auf dem grünliche Kekse mit einer eingebackenen Mandel und einer Zuckerfigur lagen. Wir erfahren, dass der Keks vielleicht ein wenig bitter ist, dafür die kleinen Zuckerfiguren umso süßer sind. Nun öffnet die zweite Geisha die kleine Dose und füllt mit dem Bambuslöffel den pulverisierten Tee in das Trinkgefäß. Anschließend gießt sie heißes Wasser darauf. Mithilfe des Chasen wird der Tee unter gleichmäßigen Bewegungen mit dem Wasser in Verbindung gebracht.

Ich bin der Erste, dem der zubereitete Tee gereicht wird. Da ich nur die eine Teeschale sehe, gehe ich davon aus, dass ich sie an meinen Nachbarn weiterreichen muss. Das Missverständnis wird schnell aufgeklärt. Die übrigen Gäste der Teezeremonie müssen warten, bis ich meinen Tee komplett ausgetrunken und dazu den grünlichen, etwas bitter schmeckend Keks gegessen habe. Die bedienende Geisha fragt mich, wie mir der Tee geschmeckt hat. „Ungewöhnlich, aber interessant“, stammele ich. Als ich die Teeschale abgebe, kann ich meine Nachbarn beobachten und noch genauer zuschauen, mit welcher eleganten Ruhe die blonde Geisha am runden Tisch für jeden der insgesamt sechs Gäste den Tee zubereitet. Später am Nachmittag steht ein weiteres Ereignis auf dem Programm des Hermannshofes. Im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums des Teehauses ist ein Zither-Konzert angesagt. Die beiden Instrumente stammen aus unterschiedlichen Kulturen. Während Fengxia Xu die chinesische Zither spielt, hat Georg Glasl seine alpenländische mitgebracht. Weil beide Musiker nicht nur die Musik ihres jeweiligen Kulturkreises pflegen, sondern auch den Jazz und der modernen Musik gegenüber aufgeschlossen sind, sind die Erwartungen des Publikums entsprechend groß.

Und es wird nicht enttäuscht, weil die beiden die Bandbreite ihrer Instrumente auszunutzen wissen und darüber hinaus immer wieder die musikalischen Stilrichtungen wechseln. So erklingen manchmal Melodien, die an die Romantik oder auch an die Renaissance erinnern, dann ertönen wieder asiatische Klänge oder es werden Erinnerungen an einen Schuhplattler geweckt, den man vielleicht schon mal bei einem Urlaub in den Alpen miterlebt hat.

Von Horst Voigtmann

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