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Zivi oder doch Bufdi?

Zivi oder doch Bufdi?

Termine vorbereiten, den Koffer mit den Blutkonserven zusammenpacken und auf geht’s: Konstanze Hoppe ist eine von rund 40 000 Bufdis, die derzeit in Deutschland ihren Bundesfreiwilligendienst (BFD) leisten.

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Springe. Die 20-Jährige ist seit Anfang des Jahres beim DRK-Blutspendedienst beschäftigt und verteilt dort unter anderem die Blutkonserven. Sie ist die erste weibliche Freiwillige in der sonst von Männern dominierten Einrichtung.

Vor fünf Jahren schaffte die Politik die Wehrpflicht ab, damit fiel auch der Zivildienst weg. Zusätzlich zum Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) gab es mit dem BFD einen Freiwilligendienst für Männer und Frauen jedes Alters. „Der Zivildienst war besser. Wir hatten früher eine bessere Planungssicherheit“, sagt Markus Baulke, Sprecher vom Blutspendedienst. Viele Bufdis würden es sich nach den ersten Wochen noch einmal überlegen und wieder gehen.

Hoppe wird ein Studium zum Grundschullehramt beginnen und das DRK am 31. Juli verlassen. „Die Bufdis haben zwar mehr Motivation als die Zivis, aber dafür sind es weniger“, so Baulke. Beim DRK seien bisher nur jüngere Freiwillige im Einsatz gewesen.

Eher jüngere Teilnehmer gäbe es auch bei der Diakonie in Lüdersen. Der letzte Bufdi wurde Anfang des Jahres als Mitarbeiterin in der Betreuung übernommen. „Viele sind auf der Suche nach einem Beruf und oft orientierungslos. Nach dem Dienst haben sie schon ein Ziel vor Augen“, sagt Fachbereichsleiterin Susanne Renner. Bevor die Bewerber ihren Dienst antreten, müssten sie in der Einrichtung hospitieren, um die Arbeit kennenzulernen - und zu wissen, worauf man sich einlässt.

Anders als beim Zivildienst würden sich die Bufdis jetzt bewusster für die Einsatzstelle entscheiden, so die Einschätzung von Renner. „Die Konkurrenz zwischen der Diakonie und dem Blutspendedienst war mit dem Zivildienst da“, so Renner. Die sei jetzt entschärft.

Gute Erfahrungen mit dem Modell habe auch Marion Heppner-Waldeck, Leiterin der Kita Eldagsen, gemacht. „Die männlichen Bufdis sind ein Gewinn für unsere Kitas, gerade die Jungs genießen das.“ Manche hätten den pädagogischen Bereich anschließend für sich entdeckt und sind beruflich in diese Richtung gegangen. Während in der Kita nur junge Freiwillige nach der Schule im Einsatz waren, sind im Naturfreundehaus „Deisterhütte“ die Hälfte Ältere, die dort gerne gesehen sind, sagt der Vorsitzende Wolfgang Klemmt. Rund 400 der Teilnehmer deutschlandweit sind älter als 65 Jahre. Problematisch sei hingegen die Befristung. „Wir übergeben Aufgaben, die nach dem Dienst nicht weitergemacht werden können“, so Klemmt. Eine weitere Herausforderung sei der „immense Papieraufwand“. „Diese vielen Formulare sind belastend.“

Neben dem Bundesfreiwilligendienst gib es in Deutschland auch die Möglichkeit, ein FSJ zu absolvieren. Identisch seien die Dienste aber nicht, sagt Melanie Brandt von der Tellkampfschule, wo zwei Bufdis beschäftigt sind. „Das FSJ ist meist auf einen Themenschwerpunkt begrenzt, in der Tellkampfschule gibt es aber mehrere Schwerpunkte.“ Dort unterstützen die Bufdis das Team im Verpflegungsbereich. „Wir legen Wert auf nachhaltige Qualitätsprodukte aus der Region. Mit der Neuausrichtung ist auch der Arbeitsaufwand gestiegen.“ Größter Vorteil des BFD aus ihrer Sicht ist die höhere Motivation. „Die Zivis mussten den Dienst machen, die Bufdis entscheiden sich freiwillig dafür.“

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