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Ein Kreuzworträtsel mit Folgen

Arbeitsgerichtsprozess Ein Kreuzworträtsel mit Folgen

Darf ein Arbeitnehmer, der am Arbeitsplatz ein Kreuzworträtsel löst, fristlos gekündigt oder abgemahnt werden? Diese Frage beschäftigt seit einem halben Jahr das Arbeitsgericht Hannover.

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Das Arbeitsgericht erteilte einem 48-jährigen Juristen eine Abmahnung, weil er während der Arbeit Kreuzworträtsel löste.

Quelle: dpa

Hannover. Die Gemeindeverwaltung aus Uetze im Osten der Region, liegt mit einem Mitarbeiter über Kreuz. Der 48-Jährige sitzt immerhin im Verwaltungsvorstand, ist dort als Controller tätig. Doch offenbar ist er mit seinem Job ebenso unzufrieden wie der Arbeitgeber mit seiner Dienstauffassung. Gestern trafen die in Fehde liegenden Parteien vor der 13. Kammer des Arbeitsgerichts aufeinander.

Auslöser der juristischen Streits war eine Stippvisite des Ersten Gemeinderats im Büro des Controllers. Auf dessen Schreibtisch lag ein Kreuzworträtsel. Doch war der 48-Jährige just in diesem Moment tatsächlich damit beschäftigt, das Waagerechte mit dem Senkrechten zu verknüpfen? Er sagte, er habe nur einen kurzen Blick auf das Rätsel geworfen. Sein Anwalt assistierte, dass dies dem gedankenverlorenen Blick eines Mannes in die nahen Baumwipfel gleiche - und dies sei sicher kein Kündigungsgrund. Der Rechtsvertreter der Gemeindeverwaltung nannte die Argumentation der Gegenseite „pfiffig“. Das Wesentliche sei doch aber wohl, am Arbeitsplatz zu arbeiten.

Dass eine wie auch immer geartete Beschäftigung mit einem Kreuzworträtsel kein Grund für eine fristlose Kündigung ist, hatte die Kommune schon vorab erkannt und diese zurückgezogen. Doch taugt ein Blick ins Wörterlabyrinth als Abmahnungsgrund? Richter Thomas Bödecker fragte in die Runde, ob denn nun auch ein fünfminütiges Gespräch mit Kollegen über den jüngsten Urlaub eine Verletzung der Dienstpflicht darstelle. Hier hatte der Gemeindevertreter eine klare Position: Ein Gespräch mit Kollegen sei dem Betriebsklima förderlich und damit erlaubt. Das Lösen eines Rätsels diene nur der Allgemeinbildung eines Einzelnen - und sei nicht erlaubt.

Noch eine zweite Abmahnung stand gestern im Raum. Hier ging es darum, ob es schieres Unvermögen des Controllers war, einen „unbrauchbaren“ Vergleich über diverse Leistungen von Regionskommunen abzuliefern, oder ob er eher einen unzureichenden Arbeitsauftrag bekommen hatte. Doch eine Entscheidung über die Abmahnungen, die sicher in einem tiefer liegenden Konflikt begründet sind, musste Bödecker nicht fällen. Die Uetzer Gemeinde bot dem Angestellten den Wechsel auf einen Arbeitsplatz an, der „seinen Leistungen und Fähigkeiten“ entspreche. Dabei müsse natürlich klar sein, dass ein weniger anspruchsvoller Posten auch die Einstufung in eine niedrigere Vergütungsgruppe nach sich ziehe.

Der Controller hat nun bis Anfang nächsten Jahres Zeit, sich dieser Denkaufgabe zu widmen.

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