Hinter dem Konzept steht die Firma „Meine Ernte“, ein Unternehmen aus Bonn, das mit Landwirten aus ganz Deutschland kooperiert. Die Bauern verpachten einen Teil ihres Ackers an das Unternehmen, welches die Anbauflächen wiederum an interessierte Gartenfreunde vermietet. „Wir haben das im vergangenen Jahr mit einigen Landwirten zum ersten Mal gemacht und bekamen viel Zuspruch“, sagt Wanda Ganders, die das Unternehmen mit ihrer Freundin gegründet hat. In der Region Hannover sind die Revereys die Einzigen, die Teile ihrer Felder an Hobbygärtner vermieten.
Auch Familie Peick hat eine Parzelle auf dem Hof der Revereys angemietet. Sie sind erst vor Kurzem nach Wettbergen gezogen und haben keinen eigenen Garten. Besonders Sohn Niklas findet das schade. Der Fünfjährige hat am früheren Wohnort der Familie gerne dem Großvater bei der Gartenarbeit geholfen. Über einen Zeitschriftenartikel, den Stefanie Peick im Wartezimmer beim Kinderarzt entdeckte, war die Familie auf das Mietgartenangebot gestoßen. „Recht schnell haben wir uns entschlossen, das auch einmal auszuprobieren“, sagt Christian Peick.
Rund 40 Quadratmeter Feld nennen sie nun einen Sommer lang ihr Eigen, die Fläche ist mit roter Schnur von den angrenzenden Mietgärten abgetrennt. Auf einem kleinen Schild am Rand steht „Pike’s Garden“. Jeder Besitzer darf seinem Garten einen Namen geben – allein schon, um ihn zwischen den fast 30 Gartenreihen wiederzufinden. Die Parzellen gibt es in zwei Größen: Ein kleiner Garten von etwa 45 Quadratmetern Größe kostet pro Saison 179 Euro Miete, ein nahezu doppelt so großer Familiengarten 329 Euro. Der Preis enthält nicht nur die Pacht für die Fläche. „Die Mieter erhalten von uns eine Art Starthilfe“, sagt Landwirt Heiko Reverey, „das heißt, wir säen schon vorher rund 20 Gemüsesorten, Kräuter und Blumen ein, die die Hobbygärtner zunächst nur zu pflegen brauchen.“ So stecken in der frisch gepflügten Erde bereits Samen für Zucchini, Mangold, Dill und andere essbare Pflanzen.
Während Stefanie Peick mit ihrem Sohn Niklas ein paar Kohlrabipflanzen in eine noch ungenutzte Ecke gräbt, beginnt es leicht zu regnen. „So brauchen wir heute wenigstens nicht zu gießen“, sagt Christian Peick mit Blick auf den wolkenverhangenen Himmel. Seine Frau schmiedet derweil schon Pläne, was demnächst in ihrem Garten gedeihen soll. „Am besten Gemüsesorten, die schnell wachsen“, überlegt sie. Wie etwa Spinat.
Damit die Hobbygärtner möglichst gute Erträge erzielen, bietet Heiko Reverey einmal in der Woche eine Gartensprechstunde mit Tipps zur Unkraut- und Schädlingsbekämpfung an. Darüber hinaus stellt er den Mietern die benötigten Gartengeräte in einem kleinen Schuppen zur Verfügung, sowie einen Wassertank zum Gießen. „Das ist viel Aufwand. Wir profitieren nicht großartig von den Mietgärten“, sagt der Landwirt. Trotzdem beteiligt er sich an der Aktion und will sie, wenn es in diesem Jahr gut läuft, wieder anbieten. Zurzeit pflegt er noch drei Felder, die nicht vermietet sind. Er hofft, dass sich noch Familien melden, die Interesse daran haben. „Solche Gärten sind besonders für Eltern ein tolles Mittel, ihren Kindern zu zeigen, dass nicht alles Essbare aus der Tüte kommt“, fügt er hinzu. So sieht das auch Familie Peick. „Wir achten sehr auf gesunde Ernährung, und unser Sohn isst auch gern Gemüse. Umso besser, wenn er nun weiß, wo es herkommt.“
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