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Alle Fragen und Antworten zum Südlink

Sind Erdkabel wirklich besser? Alle Fragen und Antworten zum Südlink

Die Stromautobahn Südlink soll entweder auf langer Strecke längs der Leine und durch das Calenberger Land durch die Region laufen oder auf einem kürzeren Abschnitt im Osten. Statt Freileitungen wollen die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW auf voller Länge Erdkabel statt Freileitungen verlegen. Das hat Vor- und Nachteile.

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Die Kabel sollen in einer Tiefe von ca. 1,80 Meter liegen.

Quelle: dpa

Hannover. Sind Erdkabel wirklich die bessere Alternative zu Masten? Fragen und Antworten zu einer hierzulande noch weitgehend unbekannten Technologie:

Was sind die Vorteile von Erdkabeln?

Laut Bundesnetzagentur beeinträchtigen sie das Landschaftsbild weniger, bergen im Unterschied zu Freileitungen keine Gefahr für Vögel und sind leistungsstärker.

Wo liegen die Nachteile?

Die liegen in der Schneisenbildung in Wäldern, weil die Trassen von tief wurzelnden Pflanzen, sprich Bäumen, frei gehalten werden müssen. Es kann zu Grundwasserabsenkungen kommen. Der Bau von Erdleitungen benötigt viel Platz und eine ausgeklügelte Logistik. Weil die Kabeltrommeln bis zu 4,60 Meter hoch und bis zu 55 Tonnen schwer sind, sind nicht alle Brücken und Unterführungen für die Anlieferung passierbar.

So verlaufen die neuen Südlink-Korridore

Kürzlich hat der Netzbetreiber Tennet seine lange erwarteten Vorschläge präsentiert, wo er das Erdkabel verlegen will - auch durch die Region Hannover.  Pläne, Bilder und ein Video finden Sie hier.

Welche Erfahrungen mit der Technologie gibt es?

Der geplante Südlink ist eine Gleichstromtrasse. „In Deutschland wurden solche Leitungen bisher nur unter Wasser vor den Küsten verlegt, indem man sie einfach auf den Meeresboden fallen ließ“, erklärt Annett Urbaczka, Sprecherin von TransnetBW. Unterirdische Trassen an Land gibt es ihren Angaben zufolge etwa in den USA, Kanada und China. Verlegt werden in der Regel kunststoffummantelte Kabel.

Was passiert beim Bau der Leitung?

Die Kabel liegen in einer Tiefe von etwa 1,80 Metern. Während der Bauphase kommt zur eigentlichen Kabeltrasse noch eine Baustraße zur Lagerung des Aushubs und als Piste für die Baufahrzeuge hinzu. Wie breit der gesamte Streifen dann ist, hängt davon ab, ob und wo die Netzbetreiber die beiden unter dem Namen Südlink geplanten Stromautobahnen auf einer sogenannten Stammstrecke zusammenlegen. Die maximale Breite liegt laut Urbaczka bei 60 Metern, es könnte auch nur etwas mehr als die Hälfte sein.

Wie sieht es nach Ende der Arbeiten aus?

Wenn der Graben verfüllt und die Baustraße zurückgebaut ist, muss der Boden regenerieren. Dann ist auf der gesamten Breite wieder Landwirtschaft möglich. Ein 20 bis 25 Meter breiter Streifen über den Kabeln muss aber von Bäumen freigehalten werden.

Erhalten betroffene Grundstückseigentümer Entschädigungen?

Das haben die Netzbetreiber angekündigt, und zwar für alle Beeinträchtigungen, die den Eigentümern während der Bauphase entstehen.

Städte wollen zusammenarbeiten

Nicht gerade mit Begeisterung, aber auch nicht mit direkter Ablehnung haben die vom Verlauf des Südlinks tangierten Städte in der Region auf die am Dienstag veröffentlichten Pläne reagiert. Stark betroffen ist Neustadt, wo acht Ortsteile im Trassenkorridor liegen. Die Stadt will die Fakten prüfen und bei Tennet die Datenlage abfragen. Der Erste Stadtrat Maic Schillack forderte die Bürger auf, „sich aktiv in die Bewertung der Trassenführung einzubringen“. Garbsens Stadtsprecher Benjamin Irvin kritisierte die „kurzfristige Veröffentlichung der Planung“.

Das sehen die Vertreter der Kommunen aus dem Calenberger Land anders. „Es war erheblich transparenter und nachvollziehbarer als beim ersten Mal, als Freileitungen geplant waren“, sagt Gehrdens zuständiger Fachbereichsleiter Holger Spohr. Sein Ronnenberger Kollege Wolfgang Zehler sieht einen deutlichen Fortschritt gegenüber den bisherigen Planungen.

Einig sind sich die Kommunen, dass sie in Sachen Südlink zusammenarbeiten wollen. Das gelte sowohl gegenüber den Netzbetreibern als auch für Informationsveranstaltungen für Bürger.

 sd, bj

Werden die Genehmigungsverfahren durch die Erdkabellösung einfacher?

Damit rechnet Werner Neumann, Sprecher des Arbeitskreises Energie beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), nicht – eher im Gegenteil. „Bodenschutz, Grundwasserschutz, Wälder und Naturschutzgebiete werden beeinträchtigt, das birgt Potenzial für Einsprüche und Klagen“, sagt Neumann. Der BUND lehnt die Stromautobahnen generell ab, weil er sie für überdimensioniert hält. Die Naturschützer plädieren statt des großen Stromtransports von Nord nach Süd für eine dezentrale Energieversorgung.

Wie sieht es mit gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung aus?

Hier schneiden die Erdkabel laut Neumann deutlich besser ab als die Freileitungen. „Es entstehen keine elektrischen Felder, weil die Kabel abgeschirmt sind“, sagt der Experte. Auch vor magnetischen Feldern müssen man sich nicht sorgen: „Sie entsprechen dem, was ohnehin als Erdmagnetismus vorhanden ist und in dem wir uns täglich bewegen.“

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