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Bürger kämpfen gegen Mastanlagen

Mast in der Region Bürger kämpfen gegen Mastanlagen

Überall, wo Mastställe geplant sind, formiert sich Widerstand. Betroffene und Politiker erzählen, warum sie Massentierhaltung nicht dulden wollen.

Zwei Kaninchen hoppeln durchs Gras, der Blick schweift über den Zaun, über die angrenzenden Felder. Am Horizont ist Schloss Marienburg zu erkennen. Astrid Frank genießt ihren Garten am Südrand Pattensens. Noch. „Das würde man dann wahrscheinlich nicht mehr sehen“, sagt Frank. Ausgerechnet einige Hundert Meter von ihrem Grundstück entfernt sollen zwei Ställe für 40.000 Mastputen errichtet werden. Frank will das verhindern. Die 40-Jährige hat mit ihrem Vater eine Bürgerinitiative (BI) gegründet, die mittlerweile 50 Mitglieder hat.

Schöne Aussicht ade, Gestank und mehr Verkehr: „Das waren meine ersten Gedanken, das gebe ich gern zu“, sagt Frank. Dabei sei ihr der Tierschutz wichtiger. Sieben Jahre lang hat sie vegetarisch gelebt. Erst als die heute 16 und 13 Jahre alten Kinder geboren wurden, kam bei Franks wieder Fleisch auf den Tisch, doch selten und nur Bioware, erzählt die sportlichschlanke Frau.

Sie habe Angst vor Medikamentenrückständen im Fleisch, vor Feinstaub und Viren, Bakterien und Pilzen in der Luft - als Folge der Massentierhaltung. Deshalb ärgert sie sich über die abwartende Haltung der Pattenser Politiker. Sie weiß, dass die zwar keine Entscheidung über das Bauvorhaben fällen können, aber wenigstens könnten sie eine Petition gegen die Mastanlage verfassen, meint sie. „Die wollen die Sache aussitzen.“

Leute müssen über die Folgen Bescheid wissen

Knut Werner von den Grünen kämpf in Seelze gegen die Errichtung von Mastbetrieben. Der Ortsverein hat die Gründung einer Bürgerinitiative im Stadtteil Dedensen vorangetrieben, wo ein Hühnermaststall entstehen soll. Sie vernetzen sich mit anderen Initiativen - bundesweit. „Wir wollen aufklären“, sagt Grünen-Ratsherr Ralf Marter. Die Menschen, die Billigfleisch beim Discounter kaufen, sollen wissen, dass Hühner schon nach 39 Tagen geschlachtet werden. Dass die gezüchteten Tiere vor lauter Brustfleisch kaum noch laufen können. Dass subventioniertes Fleisch aus der EU Märkte in Afrika kaputt macht. Dass für Sojaplantagen, die das Futter für die Mast erzeugen, Regenwald zerstört wird.

Was bei Eiern geht, soll auch bei Fleisch klappen

„Bei den Eiern haben wir es doch auch geschafft“, sagt Werner. In Deutschland ist Käfighaltung inzwischen verboten. Außerdem gibt es eine klare Kennzeichnung, der Kunde hat die Wahl zwischen Eiern aus Boden- und Freilandhaltung sowie aus biologischer Erzeugung. „Warum gibt es diese Vielfalt nicht beim Fleisch?“, fragt Marter. Dass es nur die Variante Bio oder Massentierhaltung gebe, das sei ihm nicht verständlich.

Irgendwann, so die Hoffnung, würden auch die Konservativen ihre Argumente hören. Die Seelzer CDU hat im Rat allerdings geschlossen eine Petition gegen die Dedenser Mastanlage abgelehnt.

Karsten Borges, CDU-Ortsbürgermeister in Dedensen, nimmt den Landwirt in Schutz und verweist auf die hohen Auflagen. Marter dagegen sagt, dass viele Bauern selbst nicht glücklich sind mit dieser Entwicklung hin zu Großbetrieben und Massentierhaltung, die von der EU subventioniert werde. Eine Gegenbewegung sei erkennbar.

Das sieht auch Astrid Frank so: „Die Ablehnung der Mastanlage geht quer durch alle Schichten.“ Vielen gehe es wie ihr selbst. Sie lebe freiwillig auf dem Land. „Ein stinkender Misthaufen macht mir nichts aus. Aber diese Entwicklung, das hat mit Landwirtschaft nichts mehr zu tun.“

Uwe Kreuzer

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Testessen

Wir haben viel über Mastanlagen und die Proteste berichtet, uns mit Alternativen und artgerechter Tierhaltung beschäftigt. Doch eine Frage haben wir noch nicht geklärt. Was schmeckt eigentlich besser? Biohähnchen oder Hühner aus konventioneller Mast?

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