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Mädchen belästigt? Elfjährige fliegen von Schule

IGS Süd in Langenhagen Mädchen belästigt? Elfjährige fliegen von Schule

Die beiden Elfjährigen von der Grund- und Gesamtschule Süd in Langenhagen, die wegen angeblicher sexueller Belästigungen von Mitschülerinnen auf einer Klassenfahrt monatelang vom Unterricht ausgeschlossen waren, sollen jetzt auf eine andere Schule wechseln. Das ist In einer Konferenz am Montagabend beschlossen worden.

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„Gut arbeiten“ heißt das Konzept, das die Schule in Langenhagen anwendet. Jetzt haben die Richter das Wort.

Quelle: Alexander Körner

Langenhagen. Rechtsanwalt Thorsten Hatwig, der die Familien der beiden Jungen vertritt, will vor dem Verwaltungsgericht dagegen Widerspruch einlegen. „Da werden Kinder kriminalisiert“, sagt er. Es gebe im Verwaltungsrecht ein sogenanntes Verböserungsverbot: Man könne nicht eine Strafe aufheben und durch eine härtere ersetzen. Zudem dürften Schüler nicht für ein Vergehen zweimal bestraft werden. Anstatt ein internes Problem zu lösen oder sich professionelle Hilfe von außen, etwa durch Beratungsstellen wie „Mannigfaltig“ oder „Violetta“, zu holen, hätte man sich der Übeltäter einfach per Überweisung entledigt.

Die Klassenfahrt der Sechstklässler hatte im August stattgefunden. Wie die Eltern der suspendierten Jungen geschildert haben, wird ihren Söhnen vorgeworfen, an drei aufeinanderfolgenden Tagen T-Shirts der Mädchen hochgezogen, sie an Po und Brüsten berührt zu haben. Nach Darstellung der Eltern war dies ein „einvernehmliches Spiel“ unter pubertierenden Kindern, das irgendwann aus dem Ruder gelaufen sei. Auch die Mädchen hätten die Shirts der Jungen hochgeschoben, sie angefasst und versucht, ihnen die Hose herunterzuziehen. Insgesamt seien rund zehn Kinder, darunter drei Mädchen, beteiligt gewesen.

Eltern waren per SMS informiert worden

Mindestens in einem Fall sei dies in Anwesenheit mehrerer Lehrer passiert: Vier Pädagogen hätten vorn im Bus gesessen und nichts unternommen, während die Gruppe hinten herumtobte. Anwalt Hatwig wirft der Schule vor, sich um eine wirkliche Aufklärung der Vorfälle nicht zu bemühen. Am vorletzten Reisetag waren die Eltern per SMS von den Lehrern benachrichtigt worden, dass ihren Söhnen Übergriffe vorgeworfen würden und dass sie mit einer Klassenkonferenz und disziplinarischen Maßnahmen zu rechnen hätten. Ein Vater hatte berichtet, dass er nach der SMS vergeblich versucht hatte, mit den Lehrern Kontakt aufzunehmen.

Nach Auskunft von Psychologen der Landesschulbehörde sollten Lehrer immer wenn möglich Eltern in einem persönlichen Gespräch oder in einem Telefongespräch informieren. „Dies ist entscheidend, um Missverständnissen vorzubeugen, Raum für Klärungsbedarf zu geben und Rückfragen zu ermöglichen“, heißt es in einer Stellungnahme der Schulbehörde. „Somit können mögliche emotionale Reaktionen oder auch Sorgen der Eltern aufgefangen und Unterstützungsangebote gemacht werden. Eine gelungene Kommunikation dient gerade in schwierigen Situationen dem Erhalt der Eltern-Lehrer-Beziehung.“

Die Schulleiterin will sich nicht äußern

Zweieinhalb Wochen später wurden die beiden Elfjährigen in einer Klassenkonferenz Anfang September für drei Monate vom Unterricht ausgeschlossen, zwei andere Jungen zu Putzdiensten verpflichtet. Maßnahmen gegen andere Kinder gab es nicht. Die Familien der suspendierten Schüler sehen sich zu Unrecht bestraft. Sie legten deshalb über Hatwig Widerspruch gegen die Suspendierung ein. Deshalb gab es am Montag die „Abhilfekonferenz“, um den Vorfall erneut zu diskutieren und zu ahnden.

Schulleiterin Mascha Brandt will sich dazu nicht weiter äußern und verweist an die Landesschulbehörde. Dort heißt es, wegen schutzwürdiger persönlicher Belange der Betroffenen sage man grundsätzlich nichts zu den Ergebnissen von Klassenkonferenzen. Auch der Schulelternrat oder andere Eltern aus der Klasse schweigen bisher. Die Familien der beschuldigten Jungen kritisieren, dass in der Klasse generell ein restriktiv-autoritärer Erziehungsstil herrsche. Wegen kleiner Vergehen gebe es gleich Klassenkonferenzen. Schon viele Schüler seien „zu Putzdiensten verdonnert“ worden. Die IGS Süd hält sich an das pädagogische Konzept „Gut arbeiten“ des Freiburger Psychologen Thomas Grüner. Danach gibt es klare Regeln etwa zu Pünktlichkeit, Ruhe und Dabeihaben von Material. Wer sich daran hält, wird belohnt. Wer nicht, erhält einen Vermerk oder muss auf einen „Auszeitstuhl“.

So können Schulen Vergehen ahnden

Abgestufter Maßnahmenkatalog: Wenn Schüler den Unterricht beeinträchtigen oder ihre Pflichten verletzen, kann dies unterschiedlich geahndet werden. Da sind zum einen Erziehungsmittel, die von einzelnen Lehrern oder einer Klassenkonferenz beschlossen werden können. Dies sind beispielsweise Putzdienste, Nachhilfestunden für Jüngere oder Abschreiben der Schulordnung.
Darüber hinaus gibt es Ordnungsmaßnahmen. Darunter fallen der Ausschluss bis zu einem Monat vom Unterricht in einem oder mehreren Fächern, die Überweisung in eine Parallelklasse, der Ausschluss von bis zu drei Monaten vom Unterricht sowie außerunterrichtlichen Angeboten, die Überweisung an eine andere Schule derselben Schulform, der Schulverweis oder die Verweisung von allen Schulen. Der Schulweg zur neuen Schule muss zumutbar sein, das ist etwa jeweils eine Stunde. Dem Wechsel in eine Parallelklasse muss die Schulleitung zustimmen, der Überweisung an eine andere Schule oder dem Verweis die Landesschulbehörde.

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