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Will man das?

Leinebogen wird diskutiert Will man das?

Die Planungen für die Freizeitlandschaft Leinebogen im Westen Hannovers sind gestern im vollbesetzten Sitzungssaal des Regionshauses erstmals öffentlich diskutiert worden. Die Gegner kamen in weißen T-Shirts, die Befürworter standen ziemlich allein auf weiter Flur.

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Großes Interesse: Im Regionshaus ist erstmals öffentlich über das Großprojekt diskutiert worden.

Quelle: Macina international

Hannover. Anhörungen in den politischen Ausschüssen der Regionsversammlung sind in der Regel keine Massenveranstaltungen. Als gestern zum ersten Mal das Thema Leinebogen bei einer Gemeinschaftssitzung von Umwelt- und Regionalplanungsausschuss auf der Agenda stand, war das anders. Die Stühle im großen Sitzungssaal reichten nicht aus, obwohl ständig welche aus den Lagern geholt wurden. Mehr als 200 Besucher interessierten sich für die geplante Seenlandschaft im Westen Hannovers, und was die übergroße Mehrheit von ihnen davon hält, war unschwer auszumachen. Beifall gab es reichlich, und zwar ausschließlich für die Projektgegner.

  • Die Befürworter: Rainer Schiemann, Architekt und Mitglied des Vereins Leinebogen, fand große Worte: „Das Projekt ist in seiner wirtschaftlichen Bedeutung und den Chancen für die Region mit der Weltausstellung vergleichbar; es handelt sich um eine Art Expo 2030.“ Angesichts der Kritik an ökologischen Auswirkungen haben die Initiatoren um Architekt Peter Grobe umgeplant. Die Leine soll nicht mehr durch die Seenlandschaft fließen, sondern an ihrem Rand. „Bei intelligenter Planung kann der Leinebogen sich günstig auf den Hochwasserschutz auswirken“, sagt der Hydrologe Stephan Lange. Flächenkartierungen haben nach Angaben von Uwe Jortzig vom Beraterbüro Drecker ergeben, dass die Leineaue mit den Seen ökologisch aufgewertet werden könne. Dies müsse allerdings durch umfängliche Gutachten untermauert werden. Der Wirtschaftswissenschaftler Lothar Hübl erwartet in der Bauphase eine jährliche Wertschöpfung von bis zu 140 Millionen Euro, danach dann eine von jährlich 50 Millionen Euro. 1200 Arbeitsplätze könnten durch den Betrieb entstehen, während des Baus seien es entsprechend mehr. „Zwei Drittel der Wertschöpfung bleiben in Niedersachsen, davon wiederum 40 bis 50 Prozent in der Region“, sagte Hübl. Schiemann erklärte, es gebe für den Bau eine „gewisse Unterdeckung“. Ohne öffentliche Zuschüsse von der EU, dem Bund, dem Land oder den Kommunen werde es nicht gehen.
  • Die Gegner: Der in weißen T-Shirts angetretene Verein Pro Leineaue und Umweltverbände hatten während der Anhörung Rederecht und ließen kein gutes Haar an den Plänen. „Die Flutung einer Flussaue ökologisch zu nennen ist unseriös“, sagte Ralf Strobach von der Bürgerinitiative Umweltschutz. Biotope würden zerstört, der Lebensraum für geschützte Arten wie Biber, Kammmolch oder Knoblauchkröte vernichtet. „Außerdem heißt Freizeitgestaltung nicht nur Wasserski und Seeparty“, erklärte Strobach. Die Region solle Konzepte zum Naturerleben und zur Naherholung in der vorhandenen Leineaue entwickeln. Günther Barg, ebenfalls Hydrologe, widersprach Lange und prognostizierte sogar höhere Hochwasserschäden durch eine Flutung der Flussaue. „Gefahren durch Eisgang oder Verschlammung durch Schwebstoffe sind gar nicht berücksichtigt“, ergänzte er.
  • Die Nachbarn: In Garbsen und Seelze gibt es ablehnende Ratsbeschlüsse zum Leinebogen. Gründe nannte Garbsens Bürgermeister Alexander Heuer: „Das Ganze ist weder sinnvoll noch machbar; außerdem ist es in vier Jahren nicht gelungen, eine Akzeptanz in der Bevölkerung herzustellen.“ Vergleiche mit künstlich angelegten Seen in Dortmund oder in Braunkohlerevieren nannte Heuer unzulässig: „Dort sind Industriebrachen aufgewertet worden. Hier will man eine intakte Landschaft ruinieren, um dann eine neue zu gestalten.“ Er werde seine Verwaltung nicht mit dem Thema befassen, weil diese Wichtigeres zu tun habe, erklärte der Sozialdemokrat. Das gelte sowohl für die Arbeitszeit als auch für finanzielle Mittel.
  • Die Region: „Wir sehen das kritisch“, verdeutlichte Sonja Papenfuß, Leiterin des Fachbereichs Umwelt. Bei der Leineaue handele es sich um eine intakte Flusslandschaft, in der es auch kein Hochwasserproblem gebe. Da es sich außerdem um ein Flora-Fauna-Habitat-Gebiet handele, lege die Europäische Union hohe Hürden für Eingriffe. „Rein private Interessen reichen für eine Genehmigung nicht aus“, erklärte sie. Diese würden etwa erteilt, wenn Häfen erweitert oder Verteidigungsanlagen gebaut werden müssten, was beides in der Leineaue nicht der Fall sei. Die EU-Kommission würde, sollte es einen Antrag geben, diesen selber prüfen.
  • Der Gang der Dinge: Dass die Politik oder die Regionsverwaltung sich das Projekt zu eigen machen, ist nicht zu erwarten. Auch vom Verein Leinebogen sind bei der Region laut Umweltdezernent Axel Priebs weder ein Antrag, noch eine aktuelle Projektbeschreibung eingegangen. „Sollte das passieren, hätten wir Beratungspflicht“, sagt Priebs. Walter Richter vom Verein kündigte weitere Überzeugungsarbeit an, sagte aber auch: „Wir sind nach wie vor lediglich im Stadium einer guten Idee.“
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Seelze
Kostenlose T-Shirts verteilt die Bürgerbewegung pro Leineaue vor der Sitzung am Regionshaus in Hannover an die Gegner des Projekts.

Auch nach gut einjähriger Diskussionspause ist die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Leinebogen nicht gestiegen. Bei einer Anhörung im Regionsgebäude am Dienstag sah auch die Regionsverwaltung viele Hindernisse für die künstliche Seenlandschaft zwischen Hannover, Garbsen und Seelze.

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