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Betreiber geben Berggasthaus ab

Spitzenrestaurant in Gehrden Betreiber geben Berggasthaus ab

Generationenwechsel im Berggasthaus Niedersachsen: Nach 28 Jahren Spitzengastronomie übergibt Dorothee Petersen-Jurke das Lokal auf dem Gehrdener Berg. Nur noch vier Mal werden Petersen-Jurke und ihr Mann die Gäste begrüßen, dann übernimmt der 35-jährige Koch Oliver Gerasch das etablierte Haus.

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Dorothee Petersen-Jurke gibt ihr Restaurant nach 28 Jahren ab.

Quelle: Katrin Kutter

Gehrden. Es muss ein besonderes Gefühl sein, ein eigenes Lebenswerk geschaffen zu haben. Und es muss ein ganz merkwürdiges Gefühl sein, dieses Lebenswerk irgendwann aufzugeben. Dorothee Petersen-Jurke liegt Wehmut in der Stimme, und doch geht sie jetzt diesen Weg. Am Sonntag beenden sie und ihr Mann Klaus Jurke ihr Werk im Berggasthaus Niedersachsen in Gehrden.

28 Jahre lang boten sie dort makellose Küche in romantischem Ambiente an, klassisch und gediegen, ohne selbstverliebte Schnörkel, dafür mit Perfektion. Aus der traditionsreichen, aber einst brach liegenden Adresse auf dem 158 Meter hohen Gehrdener Berg machten sie ein überregional bekanntes Spitzenrestaurant, das dem „Gault & Millau“ regelmäßig 16 Punkte wert war. Jetzt gehen diese Zeiten zu Ende, das Gastronomenpaar übergibt das Berggasthaus an den neuen Besitzer, zieht zurück in die Heimat Schleswig-Holstein und freut sich auf mehr Ruhe.

Fast drei Jahrzehnte lang ging Dorothee Petersen-Jurke mit viel Leidenschaft, Enthusiasmus und Ehrgeiz zu Werke. Der Weg in die Gastronomie war für sie ein selbst gewählter Traum. Von Beruf ist sie eigentlich Grafikerin. „Doch ich hatte den Wunsch, ein Familienrestaurant zu machen. Mit gehobener, aber vor allem gepflegter Gastronomie.“ Der Traum sollte sich durch Zufall erfüllen. Bei einem Waldspaziergang entdeckten sie und ihr Mann das damalige Ausflugslokal auf dem Gehrdener Berg. Die besten Zeiten waren längst vorbei, Zeiten, in denen Hunderte mit der Straßenbahnlinie 10 aufs Land fuhren, bis vor die Tür des von der Üstra 1898 errichteten Berggasthauses. Ein Großteil des Gebäudes war in den Fünfzigerjahren abgerissen worden, nur die Stuhlremise blieb noch übrig - und die nach dem hannoverschen Gartendirektor Julius Trip benannte Parkanlage mit Panoramablick über das Calenberger Land.

In der Remise wurden Kaffee und Kuchen serviert, als die Jurkes auf ihrem Spaziergang vorbeikamen. Im August 1987 übernahmen sie selbst und richteten dort ihr eigenes Berggasthaus ein - mit einem Kamin, weißen Tischdecken, Kerzenleuchtern und frischer, jahreszeitlich orientierter Küche. Anfängliche Probleme mit dem Personal erledigten sich bald von allein. „Weihnachten fiel plötzlich der Küchenchef aus“, erinnert sich Petersen-Jurke. Spontan übernahm sie selbst, und seitdem stand die „fleißige Autodidaktin“, wie sie sich selbst nennt, jeden Tag am Herd und kochte, während sich ihr Mann um die Gäste kümmerte.

Jetzt sind die Kisten gepackt, zentnerweise Kochbücher verstaut. Nächste Woche geht es los. „Wir sind schon etwas traurig“, sagt Petersen-Jurke. „Das Berggasthaus war unser Kind.“ Viermal begrüßen sie noch ihre Gäste, dann wird abgeschlossen. „Es wird sein wie immer“, sagt die 62-Jährige. So als würde das Team den üblichen Herbsturlaub antreten.

Nur wird am 4. November jemand anderes die Tür wieder aufsperren. Oliver Gerasch übernimmt das etablierte Haus am Gehrdener Berg. Der 35-jährige Koch führte vier Jahre lang Beckmanns Weinhaus in der Calenberger Neustadt mit gehobener italienischer Küche. Erfahrungen hat er unter anderem im Sternelokal Endtenfang in Celle gesammelt. Beckmanns Weinhaus wiederum übergibt er zurück in die Hände der Familie Beckmann.

Von Ralf Heußinger

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