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Ärzte impfen alle Flüchtlinge

Uetze Ärzte impfen alle Flüchtlinge

Der Uetzer Gynäkologe Kilian Nolte und sein Vater, der frühere Burgdorfer Kinderarzt Lutz Nolte, hatten am Mittwochnachmittag bis in den Abend hinein in der früheren Stötzner-Schule alle Hände voll zu tun. Sie haben die 200 Bewohner der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge gegen bis zu acht Erreger geimpft.

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Kilian Nolte (links) impft im Sanitätsraum der Erstaufnahmestelle den albanischen Flüchtling Durim Ajazi.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Uetze. Die Ärzte immunisierten die Flüchtlinge gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Masern, Mumps, Röteln und Grippe. Jugendliche und gebärfähige Frauen erhielten außerdem einen Schutz vor Windpocken. „Der Impfstoff gegen Kinderlähmung ist zurzeit deutschlandweit vergriffen“, sagte Kilian Nolte.

„Wir müssen jeden Tag in der Praxis Flüchtlinge betreuen. Da haben wir festgestellt, dass sie keinen Impfschutz haben“, berichtete der Gynäkologe. Nach seinen Worten kümmern sich die Behörden nicht um Impfungen für die Asylsuchenden. Daher habe er die Aktion in die Wege geleitet. Mit dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und Apothekern habe er 800 Impfampullen - zum Teil mit Mehrfachimpfstoffen - besorgt.

„In Massenunterkünften breiten sich Keime immens aus“, sagte Nolte. Wegen der großen Ansteckungsgefahr bekämen alle auch eine Grippeimpfung. „Weil wir mit vielen Menschen auf engem Raum leben, ist es besser, sich vor Krankheiten zu schützen“, sagte Durim Ajazi, der sich als Erster impfen ließ.

Weil in Deutschland keine Impfpflicht besteht, war die Teilnahme an der Massenimpfung freiwillig. Der ASB hatte vorher die Asylbewerber auf die Aktion hingewiesen und im Flur der Aufnahmestelle Informationen des Robert-Koch-Instituts in mehreren Sprachen ausgehängt.

Die Aktion dient auch dem Schutz der einheimischen Bevölkerung. Denn: „Das ist hier kein Gefängnis. Die Flüchtlinge haben freien Ausgang“, betonte ASB-Sprecher Michael Güttler. Die Asylbewerber kämen zum Beispiel bei Arztbesuchen, beim Kaufen von Telefonkarten und bei Behördengängen mit Einheimischen in Kontakt.

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

200 Asylsuchende in der Schule

In der früheren Stötzner-Schule wohnen derzeit 200 Flüchtlinge. Ursprünglich war die Erstaufnahmestelle für höchstens 160 Asylsuchende gedacht. Zunächst habe man alle Bewohner im Hauptgebäude unterbringen können, sagt Michael Güttler, Sprecher des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Hannover. Inzwischen hat der ASB, der die Erstaufnahmestelle im Auftrag des Landes betreibt, auch in der Turnhalle einen Sammelschlafraum eingerichtet. Daher können die Flüchtlinge keinen Sport mehr in der Halle treiben. Anfangs hatten Nachbarn beklagt, dass dort auch nachts Fußball gespielt werde.

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