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Agricola erwähnt die Teerkuhlen schon 1546

Hänigsen Agricola erwähnt die Teerkuhlen schon 1546

Eine der einst 48 Teerkuhlen auf dem Hänigser Kuhlenberg ist noch im Originalzustand erhalten. Sie ist das Prunkstück des Hänigser Teermuseums. In loser Folge stellt der Anzeiger Exponate und Archivalien aus den Heimatstuben und Museen der Gemeinde Uetze vor.

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Hans Stutzke schöpft Öl aus der frei gelegten Teerkuhle.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Uetze. Die Teerkuhlen, die den Hänigser Bauern gehörten, hatte der Gelehrte Georgius Agricola schon 1546 in einer seiner Schriften erwähnt. In diesen mit Holz verschalten Gruben trat Erdöl auf natürlichem Wege zutage. „Zur Zeit Agricolas wurde das Öl mit Eimern, aber auch Gänseflügeln, Leinen, Haarbüscheln oder Binsen abgeschöpft, in metallenen Kesseln gekocht und auf diese Weise verdichtet“, schreibt der Historiker Ralf Bierod in der Ortschronik. Die Bauern hätten das Erdöl für Fackeln und Lampen, aber auch als Wagenschmiere genutzt. Noch heute sind auf dem Kuhlenberg etliche Vertiefungen zu erkennen. In einer dieser Kuhlen hätten fünf Rentner im Winter 1986 im Schnee einen braunen Fleck entdeckt, berichtet Hans Stutzke, Gründungsmitglied der Kuhlenberggruppe des Heimatvereins. Daraufhin hätten sie im Sommer die obersten 20 Zentimeter der Verschalung einer Teergrube freigegraben. Heute ist dieses Erdloch, in dem sich ein Öl-Wasser-Gemisch sammelt, zwei Meter tief. „Richtig freigelegt haben wir die Teerkuhle erst nach Gründung der Kuhlenberggruppe“, erinnert sich Stutzke. Bei einem Fest 1996 führte die Gruppe erstmals vor, wie früher das Öl abgeschöpft wurde. Die freigelegte Grube steht nach Dieter Siebers Worten nach jedem Winter bis zum Rand voll Wasser. „Auf der Oberfläche schwimmt ein dünner Ölfilm. Das ist dickflüssiges Öl, weil die leicht flüchtigen Stoffe entwichen sind“, sagt Sieber. Die Kuhlenberggruppe schöpfe das Erdöl ab und fülle es in ein 50-Liter-Fass. Recherchen hätten ergeben, dass auch früher die Jahresausbeute einer Kuhle nicht größer gewesen sei. „Bei Führungen zeigen wir die freigelegte Grube, aber führen meistens kein Schauschöpfen vor“, erzählt Dieter Sieber. Dafür laufe zu wenig Öl nach. Besucher könnten aber ein Fläschchen mit dem am Ende des Winters abgeschöpften Schmierstoff als Souvenir mitnehmen und zu Hause daran riechen. Sieber: „Es ist derselbe Ölgeruch wie auf einem Ölfeld.“

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Von Redakteur Friedrich-Wilhelm Schiller

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