Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Trotz Smartboard: geschrieben wird per Hand

Uetze Trotz Smartboard: geschrieben wird per Hand

Im Investitionhaushalt hat die Uetzer CDU-Fraktion beantragt, das Geld für die Anschaffung der interaktiven Tafeln in den Grundschulen zu streichen. Nicht nur aus finanziellen, sondern auch pädagogischen Gründen. Wie sinnvoll ist der Einsatz von Whiteboards in Grundschulen?

Voriger Artikel
Motorsägen knattern für Frösche und Kröten
Nächster Artikel
Diebe suchen in drei Praxen nach Beute

In der Hänigser Grundschule arbeiten bereits die Zweitklässler begeistert und konzentriert mit dem Smartboard.

Quelle: Sandra Köhler

Uetze. Auch wenn die CDU den Antrag zurückzog, weil die Gemeinde für 2017 lediglich Ersatz- und keine Neuanschaffungen für die Grundschulen vorgesehen hat: An der Grundsatzfrage ändert das nichts. Sollen Grundschüler bereits mit Smartboards arbeiten oder nicht? Den Kauf dieses interaktiven Mediums für weiterführende Schulen hatte die CDU-Fraktion nämlich nicht in Frage gestellt. Vielmehr äußerten Christdemokraten die Befürchtung, dass die motorischen Fähigkeiten der Grundschüler verkümmerten, wenn diese nicht mehr per Hand schrieben, malten und bastelten, sondern nur noch am Computer arbeiteten. Diese Argumentation stößt bei den Lehrkräften auf völliges Unverständnis.

"Unsere Kinder basteln und schreiben wie alle anderen auch. Das sieht schon der Lehrplan vor", sagt Kerstin Ackermann, Schulleiterin der Grundschule Hänigsen und deutet auf die zahlreichen Kinderkunstwerke, die die Gänge zieren. In erster Linie würden die Whitebords von den Lehrern genutzt. Sie könnten ihre Stunden und Tafelbilder zu Hause mit Bildern, Audio- und Filmdateien am Computer vorbereiten und über den Schulserver hochladen. "Die Möglichkeiten sind enorm." Zudem stehe in der Neufassung der Kerncurricula explizit auch der Umgang mit neuen Medien, wie beispielsweise Präsentationen am PC. In den weiterführenden Schulen würden solche Fähigkeiten dann vorausgesetzt - und da sollte die Gemeinde ihren Schülern dann die gleichen Chancen bieten wie Kindern aus anderen Kommunen, ist Ackermann überzeugt. Sie wünscht sich, dass möglichst alle Klassen mit den interaktiven Tafeln ausgerüstet werden.

Bisher gibt es in der von ihr geleiteten Grundschule am Storchennest in acht von 14 Klassenräumen interaktive Tafeln - und die werden rege genutzt. Auch die Klasse 2b von Susanna Fabian widmet sich konzentriert dem Deutschunterricht. Auf der interaktiven Tafel erscheint ein Bild, das zwei Kinder in weißen Anzügen mit farbigen Gürteln zeigt, die miteinander rangeln. Daneben steht "Ju o". "D" schallt es aus vielen Kehlen. Die richtige Antwort wird mit einem akustischen Signal belohnt, eine Blume poppt auf. "Das ist das Begleitprogramm zu unseren Buch. Die Eltern können auswählen, ob sie es mit oder ohne CD kaufen", sagt Fabian. Wer die CD hat, kann den Unterrichtsstoff zu Hause vertiefen und üben. Wer sie nicht hat, kann dies in der Schule tun. Die Kinder seien so begeistert und motiviert, dass sie das Programm zum Spracherwerb in der Klasse häufig schon starteten, bevor sie in den Raum komme. "Wenn man auf das Bild klickt, wird der Name des Gegenstandes genannt", erläutert Fabian: "Denn nicht immer ist ja sofort klar, was gemeint ist. Und das hilft besonders Kindern, deren Muttersprache nicht deutsch ist."

Auch in der 3b kommt das Smartboard zu Einsatz. Lehrer Clemens Wiedel hat seine Musikstunde zu Hause vorbereitet. Die Lebensgeschichte von Joseph Haydn, ein zeitgenössisches Portrait und Musikbeispiele herausgesucht und als Datei abgespeichert. So muss er nicht Overheadprojektor und CD-Player aufbauen und anschließen: Das Whiteboard ersetzt alle diese Medien. Ihre Notizen schreiben die Kinder trotzdem in die Hefte. Statt sich nur berieseln zu lassen, diskutieren sie angeregt. "Und wenn sie Fragen haben, können wir direkt ins Internet gehen und recherchieren. Dann bekommen sie die Antwort sofort und gehen zufrieden aus der Stunde", sagt Wiedel: "Ich bin froh, dass wir diese Smartboards haben. Und möchte sie auch nicht missen."

  Smartboards in den Uetzer Grundschulen

Das Medienkonzept der Gemeinde sehe vor, neben den weiterführenden Schulen auch jeweils die dritten und vierten Klassen der Grundschulen mit den interaktiven Tafeln auszustatten, sagt Inger Köhler vom Team Schule, Kultur und Sport: "Darauf hat sich die Politik verständigt." Insbesondere die Inklusion sei hier ein gewichtiges Argument gewesen. Mit dem Konjunkturpaket II hatten 2009 die ersten Whiteboards, eine Mischung aus Tafel, Computer, Fernseher und DVD-Player mit Internetzugang, in Uetzer Schulen Einzug gehalten. "Wir haben nicht festgeschrieben, wann wo genau Smartboards installiert werden", sagt Köhler. Das werde je nach Machbarkeit entschieden. Aktuell gibt es in den drei Uetzer Grud schulen plus Außenstelle 20 Whiteboards: vier in Dollbergen, acht in Hänigsen, sechs in Uetze und zwei in Eltze. Zwischen 4000 und 5000 Euro kostet eine interaktive Tafe l- je nachdem, ob die notwendige Elektronik bereits installiert ist oder nicht.

Von Sandra Köhler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6ws6hngwhaczravwk30
Agora gilt jetzt als Fuhse-Philharmonie

Fotostrecke Uetze: Agora gilt jetzt als Fuhse-Philharmonie